Zweibrücken. Raphael Holzdeppe (LAZ Zweibrücken) hat sich mit seinem Sprung auf 5,81 Metern am Samstag beim 7. Himmelsstürmer-Cup in Zweibrücken auf Rang sieben der Weltjahresbestenliste im Stabhochsprung katapultiert. Sein Vereinskollege Daniel Clemens glänzte mit der EM-Norm.

Wer gewonnen hat, zudem erstmals bei seinem Heimspiel, wer dazu noch seine Jahresbestleistung um 15 Zentimeter gesteigert hatte, der darf natürlich danach auch ein paar lustige Sprüche von sich geben. Angesprochen darauf, ob er ein gutes Pokerface sei, weil er erst bei 5,71 Metern in den Wettbewerb eingestiegen sei (so hoch ist er in dieser Freiluftsaison zuvor noch nicht gesprungen), meinte Raphael Holzdeppe: „Ich war mit meinen Ergebnissen in den vergangenen Wochen im Höhenbereich von 5,60 Metern nicht zufrieden. Wenn man bei Höhen von 5,60 Metern noch nicht im Wettbewerb ist, kann man auch nicht ausscheiden.“

Bislang war der Ex-Weltmeister in dieser Freiluftsaison nicht über 5,66 Meter hinausgekommen – das sind immerhin fast 30 Zentimeter weniger als der derzeitige Weltjahresbeste Renaud Lavillenie – das hatte ihn schon ein wenig gewurmt. Bei seinem Heimspiel in Zweibrücken katapultierte sich der 28-Jährige nun erstmals in Höhen, bei denen man auch von Weltklasseniveau sprechen kann.

Holzdeppe will sich nun in diesen Höhenbereichen stabilisieren und sich dann Schritt für Schritt steigern. „Die 5,86 Meter wären schon in Zweibrücken möglich gewesen“, merkte Holzdeppe richtigerweise an. Dass er diese (noch) nicht meisterte, war nicht weiter tragisch – lässt man mal außer Acht, dass dies Meetingrekord gewesen wäre. Die Europameisterschaft in Berlin, der große Saisonhöhepunkt, findet ja erst im August statt.

Als Daniel Clemens seinen dritten Versuch über 5,61 Meter absolviert hatte und die Latte trotz bedenklichen Wackelns liegenblieb, drehte der 26-Jährige so etwas wie eine kleine Ehrenrunde im Anlaufbereich. Die Freude war verständlich. Nach einigen schwierigen Jahren, in denen er mit Verletzungen und deren Folgen zu kämpfen hatte, steigerte Clemens seine fünf Jahre alte Bestleistung um einen Zentimeter auf 5,61 Meter. Und packte damit auch die EM-Norm. „Ich bin nun einen Schritt weiter. Das bedeutet mir sehr viel, schließlich richte ich mein ganzes Leben nach dem Sport aus, investiere so viel.“

Und ihm eröffnen sich durch das Abhaken der Norm (5,60 m) nun ganz andere Möglichkeiten: „Die Norm geschafft zu haben, ist geil. Jetzt will ich mich in diesen Höhenbereichen stabilisieren. Die Konkurrenz ist groß, aber ich will meine Chance auf einen EM-Startplatz nun natürlich nutzen“, sagte der LAZ-Athlet. Er hat erstmals in seiner Karriere eine Norm für eine internationale Meisterschaft im Aktivenbereich geknackt.

Die Steigerung führt Clemens auf eine Veränderung seines Anlaufes zurück, der nun dynamischer ist. Und auf neue Stäbe. Wobei diese Stäbe eigentlich alte sind. Es sind die Stäbe seines Trainers Andrei Tivontchik, dem Olympia-Dritten von 1996. „Wir haben an den Stäben zehn Zentimeter abgesägt, sodass sie nur noch 5,20 Meter lang sind“, sagt Clemens. Sie scheinen ein Glücksgriff zu sein.

Bei den Frauen hat überraschend Jaqueline Otchere (MTG Mannheim) mit 4,40 Metern gewonnen (RHEINPFALZ am SONNTAG berichtete). Den U20-Wettbewerb der Frauen am Sonntag gewann Anne Berger mit 3,75 Metern – ohne Konkurrenz in ihrem Jahrgang. Die Springerin des VfL Gladbeck blieb im offiziellen Qualifikationswettkampf für die U20-WM in Tampere/Finnland (10. bis 15. Juli) damit 15 Zentimeter unter ihrer Bestleistung und auch 30 Zentimeter unter der geforderten WM-Norm. Kai Winnemann (Mannheim, 4,55 m) siegte bei den U20-Jungs.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
16.–17.06.2018 Himmelsstürmer-Cup 2018 Zweibrücken (Deutschland)