Wie alle vier Jahre ist der Kampf um die Olympianorm auch in den Monaten vor Rio bei Sportlern und Medien weltweit allgegenwärtig. Sie ist die Grundvoraussetzung für das so begehrte Ticket zu den Spielen. In vielen Disziplinen bedeutet das Meistern zugleich die Teilnahme an dem Großereignis. Nicht so bei den deutschen Speerwerferinnen. Hier gibt es im Kampf um die drei Startplätze ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Mitten drin: Christin Hussong vom LAZ Zweibrücken. Und das nicht erst seit ihrem Sieg mit 62,57 Metern – und damit über der Norm von 62,00 Metern – am Montag in Rehlingen vor Nationalmannschafts-Kollegin und Konkurrentin Christina Obergföll.

Im vergangenen Jahr, ihrem letzten bei den Junioren, hat Hussong sich durch ihre konstanten Leistungen Schritt für Schritt nicht nur in die deutsche Spitze vorgearbeitet. Mit ihrem Wurf über 65,60 Meter zu Gold bei der U23-EM fand sich die 22-Jährige plötzlich in der Spitzengruppe der Weltjahresbestenliste wieder, das Ticket für die WM war sicher. Auch dort verkaufte sich die Herschbergerin großartig, verließ die Quali als Führende. Landete im Finale auf Rang sechs. Spätestens damit hatte sie ihren Namen für Olympia trotz der großen Konkurrenz in den Topf geworfen. Dort hinein, wo sich mit Christina Obergföll die Weltmeisterin von 2013, mit Katharina Molitor die Weltmeisterin von 2015 und die Olympiadritte von London 2012, Linda Stahl, drei Athletinnen der Weltelite befinden.

Mit dem Abhaken der Norm kann Hussong sicher befreit in die Sommersaison gehen, ohne den Druck, die Qualiweite noch meistern zu müssen, im Rücken. Den Atem ihrer NationalteamKolleginnen wird sie dort dennoch weiter zu spüren bekommen. Das weiß aber auch die ehrgeizige, von Vater Udo Hussong trainierte Athletin. Sie weiß, dass die 62,57 Meter kein Ruhekissen sind, die Normerfüllung allein in dieser starken nationalen Konkurrenz nicht reichen wird.

Ausruhen ist aber eh nicht das Ding von Christin Hussong. Stets wird gemeinsam mit ihrem Vater an der Technik gefeilt, stets will die 22-Jährige bei all ihrer Bescheidenheit noch höher hinaus. So wird die WM-Sechste des vergangenen Jahres nachlegen, an ihre Bestweite von 65,60 Meter heranreichen wollen. Um nach dem ersten wichtigen Schritt dann möglicherweise auch den ganz großen nach Rio de Janeiro zu den Olympischen Spielen gehen zu können.