Großer Sport auf der Laufbahn im Pekinger Vogelnest: Der Südafrikaner Wayde Van Niekerk hat mit der sechsschnellsten Zeit, die jemals gelaufen wurde, den 400-Meter-Titel gewonnen, die Tschechin Zusana Hejnova ihren 400-Meter-HürdenTitel verteidigt, und Gesa-Felicitas Krause hat völlig überraschend und im Stile eines großen Champions Hindernis-Bronze gewonnen.

Ein Floh mit 1,67 Meter Körperlänge und 50 Kilogramm Körpergewicht ist sie, aber einer mit Mordspower. Sie kann sich quälen und hat Spaß dabei, sie kann sich hervorragend ausdrücken und überzeugt dabei, vor allem aber: Sie kann laufen und taktieren und beherrscht die Hindernistechnik wie das Einmaleins. Gesa-Felicitas ist ein Sonnenschein und mit ihren 23 Jahren die bisher größte Überraschung im deutschen Team.

Am letzten der 28 Hindernisse lag sie sogar in Führung, nachdem sie am siebten Wassergrabensprung den Konkurrentinnen ganz schön Angst gemacht hatte. Die Äthiopierin Ayalew blieb mit einem Sturz dabei sogar auf der Strecke. In neuer persönlicher Bestzeit von 9:19,25 Minuten lag Krause nur 14 Hundertstelsekunden hinter der Kenianerin Hyvin Jepkemoi und nur eine hinter der Tunesierin Habiba Ghribi. Ein Wimpernschlag nur. Chapeau, Gesa!

„Das ist der größte Erfolg meiner Karriere. Das ist etwas, was man sich immer vorstellt und zum Ziel im Training und in harten Momenten nimmt. Das ist ja auch der Grund, wofür man’s macht. Umso glücklicher bin ich, dass ich das eben zeigen konnte“, sagte die EM-Dritte von 2012, die aus Dillenburg stammt und bei Wolfgang Heinig trainiert.

Das Rennen ging langsam los, alle haben sich nur belauert. Ganz anders als ihre WM-Finals 2011 (7.) und 2013 (9.) und das Olympiafinale (8.) in London. Krause fühlte sich gut. „Das ist mein Rennen, jetzt Augen auf, wenn der richtige Moment kommt, muss ich mit“, dachte sie unterwegs. Sie war froh, dass sie dann auf dem letzten schnellen Kilometer so mitmischen konnte. „Ich habe harte Arbeit hinter mir, und dann hat das Finish einfach richtig Spaß gemacht. Ich hab mich richtig gut durchgeschlängelt“, meinte sie lachend.

Die Europäer und Amerikaner hätten langsam den Dreh raus über diese noch junge WM-Disziplin. Es geht nur mit Höhentraining. Sie war im März in Kenia und hat im November schon wieder einen Flug dorthin gebucht, kurz vor der WM weilte sie wochenlang in Davos. „Und es ist halt nicht nur laufen, es gehört auch Taktik und Technik dazu“, meinte die Sportsoldatin. Sie redete lange und geduldig mit den Journalisten und hat ihre zweite Bühne an diesem Abend genutzt, nachdem schon im Stadion der Vorhang für sie offen gewesen war. Und im nächsten Jahr wird dann auch wieder die jetzt verletzte Europameisterin Antje Möldner-Schmidt dabei sein. Das wird spannend!

Nachdem die 28-jährige Zuzana Hejnova in der Weltjahresbestzeit von 53,50 Sekunden ihren Titel über 400 Meter Hürden gegen die beiden Amerikanerinnen Shamier Little (53,94) und Cassandra Tate (54,02) verteidigt hatte, zündete der 23 Jahre alte Südafrikaner Wayde van Niekerk, der von den 200 Metern auf die Stadionrunde gewechselt war und dessen Eltern den Hochsprung pflegten, eine richtige Rakete: 43,48 Sekunden, wow, das war eine Sensation! Es stehen nur fünf schnellere Zeiten zu Buche, die in der Welt jemals gelaufen wurden. Der Marketingstudent aus Bloemfontein war nach Peking als Favorit gekommen, weil er in neun Rennen in diesem Jahr ungeschlagen war, aber seine Steigerung von 43,96 auf 43,48 – das ist ein Wort, und was für eins. Auch, weil er die beiden letzten Weltmeister LaShawn Merritt (USA, 2013), der ebenfalls persönliche Bestzeit in 43,65 Sekunden lief, und Kirani James (2011) aus Grenada schlug, der 43,78 Sekunden lief.

Michael Johnsons Weltrekord steht seit 16 Jahren bei 43,18 Sekunden. Kirani James, mit 18 der jüngste Weltmeister und im Jahr darauf in London auch Olympiasieger, sprach von seinem härtesten Rennen mit Gegnern, die den Weltrekord angreifen können. „Ich bin über den Ausgang nicht überrascht, Wayde ist ja unglaublich schnell angegangen“, sagte James.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
22.–30.08.2015 Weltmeisterschaften 2015 Peking (China)