Herschberg. „Es ist noch total schwer zu realisieren, was da am Samstag passiert ist“, ordnete gestern Morgen Speerwerferin Christin Hussong vom LAZ Zweibrücken ihren Wurf auf die ganz starke neue Bestweite von 65,60 Meter ein. Da war die Herschbergerin, die bei der U23-EM in Tallinn damit Gold gewonnen hatte, schon wieder auf dem Weg zum nächsten Meeting ins schweizerische Luzern. Mit ihrem vierten Wurf in Estland hat Hussong mal eben die fünftbeste Weite 2015 bei den Frauen weltweit hingelegt.

„Ich glaube, das dauert bis nach dem Saisonende, bis ich wirklich weiß, was ich da geschafft habe“, meinte Hussong. Am Montagabend erst per Flieger via Frankfurt und nach Autopanne zu Hause angekommen, saß die 21-Jährige gestern, zusammen mit ihren Eltern, schon wieder in einem geliehenen Auto vom ADAC auf dem Weg in die Schweiz. „Wir sind am Montag schon um 11 Uhr in Tallinn am Flughafen gewesen. Die Autopanne hat uns dann lange aufgehalten, ich war erst um 21 Uhr zu Hause im Bett“, versetzte sie schmunzelnd, als sie schon wieder bei Hinterweidenthal im Stau stand. Macht nichts, auf der Euphoriewelle ist vieles gut auszuhalten.

Hussongs Siegwurf in Tallinn war der vierte Versuch. „Der erste Versuch auf 62,07 Meter war schon gut, den zweiten habe ich übertreten, der dritte war irgendwas um die 59 hoch.“ Und dann kam Wurf Nummer vier, ein Wurf mit echtem „Wow-Effekt“. Der Speer wollte gar nicht mehr aufhören zu fliegen und senkte sich erst bei 65,60 Meter in die Erde. Neue Bestleistung, den eigenen deutschen U23-Rekord um 2,26 Meter gesteigert, neuer Rekord bei U23-Europameisterschaften – und dazu haben in diesem Jahr weltweit erst vier Frauen weiter geworfen als Hussong.

Beim fünften Versuch übertrat sie dann noch mal, beim sechsten flog der Speer links aus dem Wurfsektor. „Egal, ich hätte mit jedem meiner gültigen Versuche den Wettkampf gewonnen“, sagte Hussong zufrieden, die sich vor der Freiluftsaison selbst die Order gegeben hatte, konstant über 60 Meter zu werfen.

Nun hat sie sich mit dem Gold-Wurf urplötzlich in die Welt-Elite katapultiert, führt als Juniorin die deutsche Bestenliste vor den arrivierten Sportlerinnen wie Weltmeisterin Christina Obergföll (63,07 m), Linda Stahl (62,88 m) und Katharina Molitor (62,08 m) an. Und: „Klar denkt man da auch weiter, ich hab’ ja gezeigt, was ich drauf habe“, sagt Hussong selbstbewusst mit Blick auf die in eineinhalb Wochen anstehende deutsche Meisterschaft und die Weltmeisterschaft in Peking (22. bis 30. August). „Bei der DM in Nürnberg will ich schon unter die ersten Drei. Bei der WM ist dann das Niveau noch mal höher, da können viele auch 67, 68 Meter werfen. Aber ins Finale will ich da“, sagt die EM-Siebte die Vorjahres.

Nach dem „ersten Höhepunkt“ in Tallinn wollte sie für Luzern das Ziel nicht zu hoch schrauben. „Das ist ein schönes Meeting. 65 Meter werde ich wohl nicht gleich noch mal werfen, aber abschenken will ich das auch nicht. Über 60 Meter sollten es schon sein“, meinte sie.

Ach, du meine Güte, wie weit war der denn?! Speerwerferin Christin Hussong kann es nach dem Gold-Wurf bei der U23-EM in Tallinn auf die neue Bestweite von 65,60 Meter im ersten Moment nicht fassen.
Ach, du meine Güte, wie weit war der denn?! Speerwerferin Christin Hussong kann es nach dem Gold-Wurf bei der U23-EM in Tallinn auf die neue Bestweite von 65,60 Meter im ersten Moment nicht fassen. Foto: Hensel

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
09.–12.07.2015 U23-Europameisterschaften 2015 Tallinn (Estland)