Zürich. Abstürzende Speere, wahnsinnig flinke Beine im Stadionrund: Gesa Krause und Konstanze Klosterhalfen stahlen gestern Abend beim Diamond-League-Finale „Weltklasse Zürich“ aus deutscher Sicht den so saisondominierenden Speerwerfern die Show. Krause (Silvesterlauf Trier) lief deutschen Hindernis-Rekord.

Wenigstens Titelverteidiger Andreas Hofmann (27, MTG Mannheim) ließ einen einzigen richtig guten Speer fliegen: Mit 87,49 Meter kam er auf Platz drei hinter Magnus Kirt (Estland, 89,13 m) und Cheng Chao-Tsun (China, 89,95 m). Ansonsten: Weltmeister Vetter (26) Fünfter, Olympiasieger Röhler (27) Siebter. Jetzt müssen sie es in Doha rausreißen.

Letzigrund – der sagenumwobene Tempel der europäischen Leichtathletik: 1925 eröffnet, 2007 wiedereröffnet. Nicht groß, aber atmosphärisch so unglaublich dicht. Ein besonderes Schmuckkästchen, mit so vielen Weltrekorden wie kein anderes Stadion der Welt. 25.000 Zuschauer gehen rein, seit Wochen ist es ausverkauft. Vier Stunden unfassbare Stimmung.

Davon profitierten vor allem auch die beiden deutschen Laufsternchen auf der Rundbahn: Gesa-Felicitas Krause lief beim Sieg der Kenianerin Beatrice Chepkoch (9:01,71) in 9:07,51 Minuten deutschen Rekord, war über vier Sekunden schneller als vor zwei Jahren in Berlin. Konstanze Klosterhalfen (22) blieb über 1500 Meter hinter ihrer Trainingskollegin Sifan Hassan (3:57,08) in 3:59,02 Minuten als Zweite einmal mehr unter vier Minuten. „Koko“ sagte: „Ich weiß, dass ich so schnell sein kann wie Sifan, das macht mir unglaublich Mut.“ Krause, die WM-Dritte von 2015, die erst am Abend zuvor aus der Höhe in Davos gekommen war: „Ich bin überwältigt, sehr berührt. Ich hatte im Vorfeld nicht gedacht, dass es gerade heute passt und ich mich so positioniere. Mit dem Startschuss lief es. So, wie ich es mir schon lange erträumt hatte.“

Christin Hussong (25) vom LAZ Zweibrücken belegte den starken vierten Platz, blieb aber hinter ihren eigenen Erwartungen zurück. Die Speerwurf-Europameisterin aus Herschberg warf 62,81 Meter im fünften Versuch. In dieser Saison hatte sie in Lausanne schon 66,59 Meter vorgelegt. Die WM-Dritte Lyu Huihui (30) aus China siegte mit 66,88 Metern, Hussong kassierte für ihren vierten Platz 6000 US-Dollar (5428 Euro).

Vor dem Wettkampf hatte Trainer Udo Hussong gesagt: „Sie fühlt sich sehr gut, sie will was reißen.“ Und das, nachdem sich alle mit Bällen einwerfen mussten. Nach dem Wettkampf analysierte Christin Hussong: „Die Beine waren nicht hundertprozentig fit, wollten nicht so wie der Kopf. Dann fehlen halt drei Meter. Ist klar, wir stehen in der Vorbereitung auf die WM in Doha, darauf ist alles ausgelegt, da ist man ein bisschen müde.“

Einen dritten Platz nahm Kugelstoßerin Christina Schwanitz (33) mit nach Hause – mit 19,37 Meter. Es siegte die Chinesin Gong Lijiao (20,31 m). „Gewinnen wäre utopisch, dafür habe ich zu viel gemacht und mich ablenken lassen. Diese Saisonbestleistung ist einfach schön.“ Jahresweltbestleistung und Bahamas-Rekord über 200 Meter lief Shaunae Miller-Uibo in 21,74 Sekunden. Nijel Amos aus Botswana ließ sich entkräftet den Sieg über 800 Meter auf der Ziellinie vom Amerikaner Donavan Brazier (1:42,70 min) abnehmen. Im Weitsprung hob Juan Miguel Echevarria aus Kuba zum Meetingrekord von 8,65 Meter ab.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
27.09.–06.10.2019 Weltmeisterschaften 2019 Doha (Katar)
29.08.2019 Diamond-League-Finale Zürich 2019 Zürich (Schweiz)