Das Leichtathletikzentrum (LAZ) Zweibrücken kann auf seine erfolgreichste Saison zurückblicken. Das wurde vom Vorsitzenden Josef Scheer in der jüngsten Mitgliederversammlung in der Dieter-Kruber-Halle erklärt. Eigentlich ein Grund, vollauf zufrieden zu sein, da die Anstrengungen sich ausgezahlt haben. Das Bundesleistungszentrum hat erneut unter Beweis gestellt, dass mit zwei hauptamtlichen Trainern wie Frauen-Stabhochsprung-Bundestrainer Andrei Tivontchik und Matthias Brockelt, für Wurf und Mehrkampf zuständig, und einer Reihe ambitionierter Honorartrainer den etablierten Vereinen in Saarbrücken und Mainz Paroli geboten werden kann.

Der Zusammenhalt und das gemeinsame Arbeiten sind der Schlüssel für den Erfolg, der aber Tag für Tag, Jahr für Jahr neu erarbeitet werden muss. Das ist bisher hervorragend gelungen, denn immer wieder war es einem Athleten, wie jüngst Till Wöschler mit seinem U 20-WM-Sieg gelungen, für internationale Schlagzeilen zu sorgen, sich ins Rampenlicht zu rücken. Gleichzeitig wurde damit nachhaltig für Zweibrücken und besonders für das LAZ geworben.

Doch, wo gehobelt wird, da fallen Späne. Da müssen von Verantwortlichen, mit Josef Scheer an der Spitze, Entscheidungen getroffen werden, die nicht überall auf Gegenliebe stoßen oder Zustimmung finden. Das ist in jedem Verein normal und durch diese Reibung werden neue Reize, neue Impulse gesetzt. Das ist dem LAZ seit seiner Gründung vor 22 Jahren mit dem verstorbenen Professor Dieter Kruber und Karl-Heinz Werle trefflich gelungen. Das LAZ hat sich national und international einen Namen gemacht. Dies hat allgemeine Hochachtung hervorgerufen, was aus dem „kleinen Nest“, wie es ein ZDF-Reporter anerkennend bezeichnete, an Erfolgen zu vermelden ist.

Doch um diese Ergebnisse zu erzielen, muss auch die finanzielle Basis geschaffen werden. Das kann einerseits über Zuschüsse des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, des Landesportbundes, des Sportbundes Pfalz und mittels Sponsoren geschehen. Doch bekanntlich hat Erfolg seinen Preis, und auch die Athleten wissen, dass sie nur begrenzte Zeit Höchstleistungen vollbringen können. Deshalb ist es verständlich, dass sie bisweilen zäh verhandeln.

Erstmals hat seit langen Jahren, wenn man einmal von Speerwerfer Alexander Vieweg absieht, der vor Jahren der besseren Bedingungen zu Bundestrainer Boris Henry zum SV Schlau.Com Saar 05 Saarbrücken abgewandert war, nun mit Hürdensprinter Jens Werrmann ein Athlet das LAZ verlassen. Der 25-Jährige wechselt zum LAZ Leipzig. Auch hier werden bessere sportliche Bedingungen in dem Eldorado der Hürdensprinter genannt. Auch der finanzielle Aspekt wurde nicht unter den Teppich gekehrt.

Doch um finanziell über die Runden zu kommen, müssen die Bilanzen stimmen. Dafür ist Josef Scheer verantwortlich, während Karl-Heinz Werle, sein Stellvertreter, als Sportlicher Leiter fungiert. Bei der Mitgliederversammlung wurden nun Gegensätzlichkeiten offenbar, als dem Vorsitzenden vorgeworfen wurde, er würde sich durch seine Öffnung für den Breitensport zu weit von den ursprünglich Zielen des LAZ entfernen, die auf dem Leistungssport beruhen.

Die Folge war der Rücktritt des Gründungsmitgliedes Karl-Heinz Werle von seinem Amt. Aber als Trainer arbeitet er weiter. Eine weitere Lücke in die Vorstandsriege hat der Verzicht des Beisitzers Thomas Nachtigall aus beruflichen Gründen gerissen. Beide Positionen müssen in der Mitgliederversammlung am Freitag, 7. Januar, 19 Uhr, neu besetzt werden.

Verständlich erscheint die aufgeweichte LAZ-Strategie von Josef Scheer, da er versucht, über die verbreiterte Basis, der Öffnung für den Breitensport, der demografischen Entwicklung entgegenzusteuern. Schließlich muss er versuchen, mehr Beitragszahler für den Verein mit derzeit rund 450 Mitgliedern zu gewinnen. Ob der Rücktritt von Karl-Heinz Werle mehr in einem Kommunikationsproblem zu suchen ist, bleibt dahingestellt. Gewiss ist, dass sich das Bundesleistungszentrum, wie Josef Scheer auch beim Merkur-Sportstammtisch im Oktober zu verstehen gab, neu aufstellen muss. Das LAZ muss sich den neuen Herausforderungen stellen, die eventuell neue Athleten an die Führung stellen. Dabei ist nicht unerheblich eine duale Ausbildung, das heißt, neben dem Sport die berufliche Qualifizierung nicht zu vernachlässigen. Doch dazu bedarf es weiterer Partner oder Sponsoren, vornehmlich aus der Zweibrücker Industrie, die bei einem Praktikum oder einer Festanstellung auch dem Leistungssport Rechnung tragen. Hier ist ein Vergleich mit einem mittelständischen Unternehmen keinesfalls abwegig. Das LAZ kann nur florieren, wenn seine Produkte, die Athleten, den Qualitätsansprüchen genügen. Dafür müssen die qualifizierten Trainer sorgen.

Dieser Spagat zwischen Finanzierung und Erfolg ist bisher gelungen, hat aber großer Anstrengungen im Hintergrund bedurft. Die Basis für die finanzielle Unterstützung haben die Kaderathleten gelegt. Sie waren die Zugpferde. Bleibt zu hoffen, dass die Veränderungen im Vorstand und der Weggang von Jens Werrmann keine allzu großen Lücken gerissen haben. Das LAZ soll auch in Zukunft als Abkürzung für „Leistung aus Zweibrücken“ stehen.