Merkur-Interview mit dem LAZ-Hürdensprinter, den wiederholt schwere Verletzungen aus der Bahn geworfen haben

Zweibrücken. Jens Werrmann, Hürdensprinter des Leichtathletikzentrums (LAZ) Zweibrücken, ist vom Deutschen Leichtathletik-Verband zum „Pechvogel des Jahres“ ernannt worden. Merkur-Redakteur Werner Kipper sprach mit dem 25-jährigen Bundespolizisten über diese traurige Ehre, den Stand der Vorbereitung und seine Saisonziele.

Sie sind vom DLV zum „Pechvogel des Jahres“ gekürt worden. Sie hätten sich sicherlich eine andere Auszeichnung gewünscht?

Jens Werrmann: Ich hätte mir sicherlich eine andere Auszeichnung gewünscht. Aber nach diesem Start in die Saison und dem vorzeitigen Ende nach dem Bänderriss im Knöchel kann ich wirklich nur sagen, dass ich wieder vom Pech verfolgt bin und schon frühzeitig die Deutschen Meisterschaften absagen musste. Demzufolge passt es. Der Saisonverlauf war aber trotzdem sehr ärgerlich.

Schwere Verletzungen haben Sie in den vergangenen drei Jahren, ausgenommen 2009, immer wieder zurückgeworfen. Plagen Sie manchmal Selbstzweifel?

Werrmann: Nein, sondern ich konzentriere mich immer wieder aufs Neue auf mein Comeback.

Als Leistungssportler ist Ihr Körper Ihr Kapital. Sehen Sie Ihre Verletzungen auch als eine Art Wirtschaftskrise an, da sie dadurch den Sprung ins Top-Team London des DLV verpasst haben?

Werrmann: Ich bin schon seit Jahren im B-Kader. Allerdings wäre ich mit einem normalen Wettkampfjahr in das Top-Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes aufgenommen worden. Doch ich bin optimistisch, selbst wenn ich nun noch ein Jahr warten muss.

Wie stark belasten Sie die Verletzungen?

Werrmann: Sie sind eine starke psychische Belastung, aber da es in diesem Jahr keine Verletzung, sondern ein Unfall beim Joggen war, konnte ich alles sehr gut meistern.

Welche Unterstützung erhalten Sie in diesen Situationen vom DLV und welche Hilfestellungen werden Ihnen angeboten?

Werrmann: Ich nehme die ärztliche sowie physiotherapeutische Abteilung des DLV in Anspruch.

Welche Personen sind in diesen Ausnahmesituationen Ihre größte Stütze?

Werrmann: Ganz klar meine Freundin und meine komplette Familie. Dazu gehören zudem meine Trainer Karl-Heinz Werle beim LAZ und Idriss Gonschinska und das engere sportliche Umfeld.

Haben Sie auch schon einmal einen Psychologen konsultiert und mit welchem Ergebnis?

Werrmann: Sicherlich nehme ich als Sportler mit Psychologen Kontakt auf, allerdings mehr um mich optimal auf die Wettkämpfe und Ziele einstellen zu können.

Woher nehmen Sie die Kraft, sich immer wieder aufzurappeln, sich selbst zu motivieren?

Werrmann: In dieser Saison ist dies wieder ganz klar zu erkennen. Meine Trainer und ich sind der Meinung, dass ich noch einiges an Potenzial habe. In dieser Saison habe ich in vier Rennen drei Mal die geforderte EM-Norm von 13,60 Sekunden erfüllen und war viele Wochen die Nummer eins in Deutschland mit meiner Bestzeit von 13,51 Sekunden. Ein normaler Saisonverlauf hätte gezeigt, warum ich es mache und was mich motiviert. Ich will den Leuten zeigen, was ich kann!

Beruhigt es Sie, dass Sie als Bundespolizist zumindest beruflich abgesichert sind?

Werrmann: Eine berufliche Absicherung ist das Wichtigste, was man sich in der heutigen wirtschaftlich angespannten Zeit vorstellen kann. Von daher bin ich sehr froh, mit der Bundespolizei einen Arbeitgeber gefunden zu haben, welcher den Sport 100-prozentig unterstützt und mir eine komplette Absicherung gibt.

Sie befinden sich derzeit in Leipzig im Vorbereitungstraining. Wie ist der neueste Stand?

Werrmann: Ich bereite mich derzeit in Leipzig auf die Saison vor, aber nicht mehr direkt bei Idriss Gonschinska. Er ist nun Chefbundestrainer Track des DLV und kann daher nicht mehr die Leitung des Hürdentrainings übernehmen. Allerdings findet das Training immer noch mit Jan May und der Kontrolle von Idriss statt. Von daher fühle ich mich optimal betreut und bereite mich im Wechsel mit dem LAZ Zweibrücken optimal auf die Hallen- beziehungsweise Freiluftsaison vor.

Welche Saisonziele peilen Sie in der Wintersaison an und welche Höhepunkte stehen auf Ihrer Agenda?

Werrmann: Im Winter möchte ich gut laufen, um diese Form mit in den Sommer zu nehmen. Dort steht die WM in Daegu/Japan an. Dort würde ich gerne ins Halbfinale stoßen. Gesund zu bleiben, lautet meine Devise. Der Rest entwickelt sich bei mir von alleine.
Jens Werrmann im LAZ-Kraftraum. Der Blick ist stets nach vorne gerichtet
Der Blick von Jens Werrmann ist nicht nur beim Krafttraining in der Dieter-Kruber-Halle stets nach vorne gerichtet. Foto: Jörg Jacobi