Weinheim. Der Wettkampftag im Sepp-Herberger-Stadion schien lange so dahinzuplätschern. Nichts war es mit der Rückenwindgarantie der Weinheimer,weil der Wind gelegentlich macht, was er will. Bei dem einen oder anderen Sprinter machte sich Frust breit ob der wechselnden Windes. Doch dann war er da, der erste Knüller des Tages. Lena Malkus fühlte die Weite schon in der Luft, das Publikum ahnte sie bei der Landung, dann hüpfte, tanzte und jubelte die Münsteranerin, die schon im Vorjahr in Weinheim mit 6,88 Meter gewonnen hatte, als sie auf der Anzeigetafel las: 6,94 Meter – was für ein Versuch bei 0,7m/sec Rückenwind.

„Wir haben im Winter viel gearbeitet. Und die Anlage, die Stimmung, die Zuschauer hier, die liebe ich“, sagte die 21 Jahre alte Malkus, die im sechsten Semester Psychologie studiert und gerade ihre Bachelorarbeit anmeldet. Das Thema soll Sportpsychologie sein. Mit ihrem Hausrekord steht sie auf Platz vier der Weltrangliste und ist nach Sosthene Moguenara (6,77 m) die zweite Deutsche, die die Norm (6,70 m) für die WM in Peking im August unterboten hat. Davor aber will sie in Tallinn ihren EM-Titel der U23, den sie in Tampere vor zwei Jahren gewann, verteidigen.

2014 durfte sie trotz ihrer 6,88 Meter nicht zur EM in Zürich,weil sie bei der deutschen Meisterschaft nur Sechste geworden war. „Das war hart für mich und dauerte lange, bis ich es verarbeitet hatte. Mit Wettkämpfen danach habe ich mich motiviert, jetzt ist die Sache gegessen“, sagte Malkus, die weiß, dass einerseits der Normdruck jetzt weg ist, sich aber „neuer Druck aufbaut, weil die 6,94 Meter in jedem Wettkampf der neue Maßstab sind“. Eines ist aber gestern auch klar worden:Die sieben Meter sind machbar. Bundestrainer Uli Knapp merkte an: „Ihre Weite hat sich in vielen Trainingssprüngen angedeutet, das war ein hochkarätiger Wettkampf.“ Zweite wurde Xenia Stolz mit 6,63 Meter vor Tania Vicenzino (Italien, 6,59m).

Eine Stunde später sorgte Hochspringer Mateusz Przybylko aus Leverkusen für den zweiten Knüller des Tages. Der 23-Jährige überflog blitzsauber 2,30 Meter im ersten Versuch. Jubeln kann man nicht trainieren, Przybylko jubelte jedenfalls filmreif. Minutenlang konnte er die Höhe nicht fassen, schaute immer wieder auf die Latte, die noch immer unberührt an Ort und Stelle lag. „Ich habe eine Woche nicht trainiert, lag mit Fieber und Durchfall flach, kam ohne Erwartungen hierher, ich kann’s nicht glauben“, sagte er. Im Prinzip hat er die Norm für Peking in der Tasche, aber sein Trainer Hansjörg Thomaskampf warnte: „Mach mal langsam mit der Freude, das war heute kein offizieller Normwettkampf.“ Mit starken 2,12 Meter wurde Sebastian Schultz vom TV Rheinzabern Dritter. „Ich bin hoch zufrieden, es geht wieder aufwärts, 2,17 bis 2,20 Meter peile ich an“, sagte der 23-Jährige, der endlichmal wieder verletzungsfrei ist.

Ebenfalls stark lief Ricarda Lobe (21) von der MTG Mannheim, die im Winter vom TV Nußdorf dorthin zu Bundestrainer Rüdiger Harksen wechselte. In 13,39 Sekunden Meter unterbot sie die Norm für die U23-EM in Tallinn. Gregor Traber (VfB Stuttgart) gewann den Hürdenendlauf in 13,59 Sekunden nach 13,52 Sekunden im Vorlauf. Tatjana Pinto (Münster) gewann die 100 Meter in 11,33, Sina Mayer (LAZ Zweibrücken) lief 11,91 Sekunden. Fabian Heinle (20, Tübingen) siegte mit überragenden 8,12 Meter im Weitsprung.

Und da war am Ende eines langen Tages die Welt in Weinheim wieder in Ordnung.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
30.05.2015 Kurpfalz Gala 2015 Weinheim (Deutschland)