Hier Elaine Thompson aus Jamaika als schnellste Frau der Welt, die es ihrem Landsmann Usain Bolt schon mal vormachte, dort Mohamed Farah als Schnellster im längsten Stadionrennen über 10.000 Meter, der wieder einmal eine Schrecksekunde verdauen musste, bis er Gold sicher hatte. Es war eine große Samstagabendshow, in der der Zweibrücker Stabhochspringer Raphael Holzdeppe das Finale verpasste.

Wie in London vor vier Jahren: Auch da war Farah (33) gestürzt, rappelte sich auf und lief zu Gold. Im Olympiastadion von Rio gab’s eine ähnliche Szene etwa zur Hälfte des Rennens. Farah war gerade erst ins Laufen gekommen, hatte das Feld von hinten aufgerollt, als er spektakulär stürzte, im Gerangel mit seinem Trainingspartner Galen Rupp (USA), der ihm auch sofort wieder auf die Beine half. Aber Farah zeigte sofort den Daumen – alles klar. Das Rennen entschied er in gewohnter Manier: Im Spurt verwies er in 27:05,17 Minuten den Kenianer Paul Tanui um 47 Hundertstelsekunden auf Platz zwei.

Ungeschlagen seit 2011 in internationalen Rennen, steht er nun auf einer Stufe mit Paavo Nurmi, Emil Zatopek, Lasse Viren, Haile Gebrselassie und Kenenisa Bekele, die alle jeweils zwei 10.000-m-Rennen in Folge gewannen. Nur bei Nurmi lagen acht Jahre dazwischen. „In dem Moment, in dem ich stürzte, dachte ich, es ist vorbei, mein Traum ist ausgeträumt. Aber ich hatte meiner kleinen Tochter Rhianna eine Medaille versprochen, das fiel mir in diesem Moment ein“, sagte der Brite.

Das Kontrastprogramm zu Farahs 27 Minuten langen Lauf bot die Sprinterin Elaine Thompson: Die 24-jährige Jamaikanerin brauchte nur 10,71 Sekunden, um sich ihre Goldmedaille abzuholen. Einer war fast genauso schnell, aber vorerst auch nur aus dem Hotelzimmer: „Glückwunsch“ twitterte Usain Bolt, ihr Landsmann, umgehend, wie man das heute halt so macht.

Thompson ist das Siegen noch nicht gewohnt: „Ich wusste gar nicht so genau, wie ich jetzt feiern soll“, sagte die Jamaikanerin, die die große alte Dame des Sprints, Shelly-Ann Fraser-Pryce (10,86), in die Schranken wies. So kam es auch ein bisschen gekünstelt rüber, wie sie da über die Bahn wirbelte und hüpfte, bis sie sich mit Fraser-Pryce ins Tuch hüllte und gemeinsam auf die Ehrenrunde ging. Zwischen die beiden hatte sich die Amerikanerin Tori Bowie (10,83) geschoben, Vize-Weltmeisterin Dafne Schippers aus den Niederlanden kam in 10,90 nicht über den fünften Platz hinaus.

Der Siebenkampf endete überraschend, aber es zeichnete sich ab, dass sich die Belgierin Nafissatou Thiam durchsetzen wird, das konnte ihre Vorgängerin Jessica Ennis-Hill auch mit ihrem starken 800-m-Lauf nicht mehr verhindern. Mit 6810 Punkten siegte die 21-Jährige aus Liege, die in Peking noch auf Platz elf eingekommen war, vor der Britin, die 35 Punkte weniger schaffte. Bronze holte sich die Kanadierin Brianne Theisen-Eaton mit 6653 Zählern.

Carolin Schäfer, die 24-jährige aus Friedrichstein, verpasste ein Podiumsplatz, schlug sich aber als Fünfte mit 6540 Punkten hervorragend. „Das waren zwei großartige Tage. Ich bin fast an meine Bestleistung herangekommen“, sagte Schäfer, der nur 17 Punkte fehlten. „Ich bin die fünftbeste Siebenkämpferin der Welt bei meinen ersten Olympischen Spielen. Das ist großartig und bewegend.“

Alle Mühen, aller Einsatz, alles Hoffen umsonst, zumindest mit Blick auf Rio. Der Olympiadritte von London und Weltmeister von 2013, der 26 Jahre alte Zweibrücker Raphael Holzdeppe ist mit übersprungenen 5,45 Meter im dritten Versuch der Stabhochsprung-Qualifikation ausgeschieden. Die 5,60 riss er dreimal. „Ich kann hier alles nur negativ sehen, denn ich habe mich ein halbes Jahr gequält für Olympia“, sagte ein bitter enttäuschter Holzdeppe, der freilich wusste, dass er auch mit einem Sprung im dritten Versuch über 5,60 Meter nicht ins Finale eingezogen wäre. Er fühlte sich zwar körperlich gut drauf („Der Körper war präsent, die Form stimmte auch“), aber dann machte sich die viel zu lange Pause mit einem einzigen guten Wettkampf am 29. Juli in Mannheim bemerkbar. Es fehlte an Wettkampfroutine und Wettkampfhärte. Auch Tobias Scherbarth und Karsten Dilla schieden mit 5,45 m aus.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)