Es ist ein harter Winter für Raphael Holzdeppe. Trotz einiger Unsicherheiten nach dem Seuchenjahr 2014 hätte sich der Stabhochsprung-Weltmeister diesen selbst wohl nicht so frostig vorgestellt. Zu sechs Wettkämpfen angereist, kehrte der 25-Jährige lediglich von zweien mit einer gültigen Höhe zurück. In Karlsruhe, Dessau und bei den Deutschen Hallenmeisterschafen scheiterte er jeweils an seiner Einstiegsmarke. Beim Istaf in Berlin packte Holzdeppe seine Stäbe sogar nach dem Einspringen wieder ein – er hatte nicht das richtige Gefühl fürs Springen. Die Hallen-EM in Prag ist damit kein Thema. Der Überraschungs-Weltmeister von 2013 scheint tief in der Krise. Davon wollen er und sein Trainer Andrei Tivontchik aber nichts wissen. Holzdeppe, der die Hallensaison als Vorbereitung auf den Sommer sah, will dabei keine Ausreden suchen. Es passt einfach noch nicht alles. Nichts Ungewöhnliches im Stabhochsprung, dass auch Spitzenathleten mit Problemen kämpfen. Dass das Zusammenspiel von Anlauf und Absprung nicht funktioniert. Dennoch wollte Raphael Holzdeppe den Winter auch dazu nutzen, seiner Konkurrenz zu zeigen, dass er wieder da ist. Das hat er nicht geschafft.

Aus der Ruhe bringen lassen sich davon weder Athlet noch Trainer. Tivontchik kennt seinen Schützling, sieht ihn täglich bei der Arbeit. Bis zum Sommer will er den 25-Jährigen zurück in die Weltspitze führen. Zurück zu der Schnelligkeit, Eleganz und Leichtigkeit, mit der der Leichtathlet des Jahres 2013 in Moskau über 5,89 Meter flog.

Davon ist Holzdeppe aber noch ein gutes Stück entfernt, hat noch viel Luft nach oben. Der Rückstand zur Weltspitze, Renaud Lavillenie hat zuletzt einmal mehr an der Verbesserung seines eigenen Hallen-Weltrekords von 6,16 Metern gekratzt, ist derzeit enorm. Der Zweibrücker hat demgegenüber in diesem Winter 5,60 Meter aus einem ordentlichen Wettkampf in Rouen stehen.

Abschreiben sollten seine Konkurrenten Raphael Holzdeppe für den Sommer aber noch nicht. Wer den ehrgeizigen Stabakrobaten kennt, weiß, dass er das Zeug hat, aus solchen Tiefen wieder gestärkt emporzusteigen. Das hat er in der Vergangenheit bereits bewiesen.

Doch der Weg zurück in die Spitze ist schwer. Er führt über harte Trainingsarbeit, viele Sprünge – und Wettkämpfe, wie enttäuschend sie auch enden mögen. Nur so kehren Sicherheit und Automatismen zurück. Eine Möglichkeit bleibt Holzdeppe zudem, doch noch mit einem guten Gefühl aus der Wintersaison zu gehen: beim vereinseigenen Hallenstürmer-Cup des LAZ Zweibrücken am Samstag in der Dieter-Kruber-Halle. Auf der Anlage, die er kennt, auf der er schon unzählige Sprünge absolviert hat. Eine Möglichkeit, voll neuer Motivation in die Vorbereitung auf die Sommersaison zu starten. Die er ohne Druck angehen kann. Als amtierender Weltmeister ist der Zweibrücker per Wildcard ohnehin für die Titelkämpfe in Peking qualifiziert.

Dort kann Raphael Holzdeppe aus der Deckung kommen. Wie in Moskau, als er überraschend groß aufgetrumpft hat. Vielleicht liegt dem Zweibrücker die Außenseiterrolle einfach besser, als aus dem grellen Rampenlicht hinaus nach oben zu fliegen.