Samstag und Sonntag haben wir in Rio als Gruppe einmal völlig ohne Wettkämpfe verbracht. Es stand ein Treffen mit der deutschen Sportjugend (Abk. DSJ) an, einer ähnlichen Gruppe wie der unseren nur, dass sie aus ganz Deutschland kommen und etwas jünger sind. Gemeinsam sind wir in etwa 30 min auf den Vorberg vom Zuckerhut (auf dem die erste Gondelstation steht) gegangen, um diesmal bei noch schönerem Wetter noch ein paar Fotos zu bekommen und den Ausblick zu genießen. Die DSJ war zum ersten Mal dort oben sodass wir ihnen schon einiges zeigen konnten.

Abends bekam ich durch Losziehung, zusammen mit ein paar anderen von uns, die einmalige Gelegenheit nochmal ins deutsche Haus zu gehen.Zum Vergleich: ein normaler Eintritt kostet 450 € pro Person. Da inzwischen einige Finale auch mit Medaillen für Deutschland ausgingen trafen wir dort z.B. die Ruderer bei ihrer Silberehrung. Selbstverständlich wurde das ausgiebig gefeiert! Einziger Wermutstropfen war mich die Qualifikation der Männer im Stabhochsprung. Im deutschen Haus konnten wir es live mitverfolgen. Da ich sie persönlich kenne, ist es doppelt so hart sie ausscheiden zu sehen. Vor allem bei Raphael Holzdeppe hätte ich es mir gewünscht, da er in meinem Verein ist und wir ihn am Montag im Stadion anfeuern wollten.

Wenig Schlaf bekamen wir auch in den folgenden Nächten. Sonntag ging es an den Strand von Barra, von wo wir nach LeBlon in eine Mall fuhren. Malls gibt es hier nach amerikanischem Vorbild so einige und man kann dort meist gut shoppen und essen. So wurde es auch hier wieder spät bis wir nach Hause kamen.

Am Montag morgen kam dann der Tag auf den ich mich schon sehr lange gefreut habe, da es endlich mit der Leichtathletik für mich losging. Zuerst aber wieder um 6 Uhr aufstehen, um rechtzeitig beim Handballspiel Ägypten gegen Deutschland zu sein. Wir schafften es, die Buhrufe der Brasilianer (die plötzlich sehr für Ägypten waren) zu übertönen und ein tolles Spiel zu sehen!

Was zu essen geholt und halb durch Rio gereist, saßen wir dann gegen 18:00 Uhr endlich im Leichtathletik-Stadion. Da wir so früh dran waren hatten wir auch mit der großen Gruppe gute Plätze, nämlich in der Stabhochprungkurve ;-) . Für mich war der Wettkampf das Highlight! Leider kam es durch Regen und Problemen mit dem Aufleger zu einigen Unterbrechungen, so dass die Stabhochspringer fast fünf Stunden Wettkampf hatten. Am Ende waren nur noch der Weltrekordhalter Renaud Lavillenie und Thiago da Silva der brasilianische Rekordhalter übrig. In einer Höhe von 5,93 / 5,98 / und 6,03 (die Sieghöhe) lieferten sie sich ein unglaubliches Duell. Stabhochsprung ist eine Sportart die zu 90% Kopfsache ist – ich spreche da aus Erfahrung – weshalb das Anfeuern der Brasilianer einen erheblichen Anteil am Wettkampf hat. Das gesamte Stadion konzentrierte sich inzwischen auf den letzten noch laufenden Wettkampf. Als Thiago die 6,03 Meter übersprang, ging ein Aufjubeln durch das ganze Stadion. Leider ging der Jubel nicht mehr bei Lavillenie weiter, egal wie laut wir ihn anfeuerten, die Brasilianer waren mit ihrem Pfeif- und Buhtönen einfach lauter, so dass er nur mit einem mäßigen Sprung den Wettkampf beendete.

Am nächsten Tag hatte ich für den Vormittag und den Abend Karten für Leichtathletik. Deshalb konnte ich auch die traurige Siegerehrung der Stabhochspringer mitverfolgen. Ich war entsetzt und traurig und sauer zugleich, dass sie nicht einmal bei einer Siegerehrung Respekt vor den Athleten haben.

Der Vormittag war dafür, auch von der Stimmung her, wesentlich besser. Da meistens eh immer Plätze in den Stadien frei bleiben, war ich so frech und habe mich direkt in die dritte Reihe zu den Stabhochtrainern gesetzt. Die Qualifikation der Frauen im Stabhochsprung stand an und ging mit sehr gutem Ergebnis (Lisa Ryzih und Martina Strutz im Finale; Annika Roloff mit einer sehr guten Leistung für ihre ersten olympischen Spiele) über die Bühne. Bei den Trainern zu sitzen, hat den Vorteil immer andere Sichtweisen auf den Sport zu bekommen, und vor allem als Athlet auch immer noch etwas von „den Großen“ (Strutz ist 1,59 m groß) zu lernen. Außerdem lag der Platz am Start der 200 m zu denen auch Usain Bolt antrat. Ihn hautnah laufen zu sehen ist schon auch ein Erlebnis.

Abends fand dann neben der oben genannten Siegerehrung die Qualifikation der Frauen im Speerwurf an. Nach dem langen Drama um die drei Startplätze bin ich sehr froh, dass Christin Hussong (ebenfalls aus dem LAZ Zweibrücken) es geschafft hat, bei Olympia dabei zu sein. Leider zeigte sie erst zwei eher mangelhafte Würfe bevor sie all ihre Energie in den dritten Versuch legte. Auch mit diesem war noch nicht klar ob sie es ins Finale geschafft hat. Zum Glück warfen in der zweiten Gruppe nicht genug Sportlerinnen weiter, so dass sie als 11te ins Finale einzieht.

Neben diesem Erfolg liefen wir beim hinaus gehen aus dem Stadion zufällig Renaud Lavillenie persönlich über den Weg. Er war gerade dabei ein Interview zu geben, aber das Warten hat sich gelohnt, da er sich danach mit mir kurz unterhielt und ein Foto machte. :-D

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)