Zweibrücken. Die Frau ist schwer beschäftigt dieser Tage: Plakate aufhängen für den vereinseigenen Himmelsstürmer-Cup des LAZ Zweibrücken, schnell bei der LAZ-Sportabzeichen-Ehrung vorbeischauen, Präsenz am Studienort Saarbrücken zeigen, die eigene Trainingsgruppe bei den Pfalzmeisterschaften betreuen – und auch lokaler Fußball-Fan sein. Und dazwischen knackte Speerwerferin Christin Hussong in Halle mal eben die Norm für die Weltmeisterschaften im August.

Dass sie die vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) geforderte Weite von 61,40 Meter für die WM vom 4. bis 13. August in London gleich im zweiten Wettkampf der FreiluftSaison am vergangenen Wochenende mit dem Sieg bei den Halleschen Werfertagen (61,91 m) abhaken konnte, darüber freute sie sich riesig. „Aber sicher ist es ja immer erst, wenn ich den Brief in den Händen halte“, sagt sie vorsichtig. Denn auch wenn die nationale Konkurrenz nach den Rücktritten von Christina Obergföll und Linda Stahl ausgedünnt ist und eigentlich nur noch aus der WM-Titelverteidigerin Katharina Molitor (Leverkusen) besteht – „die Saison rast jetzt nur so bis zur WM“, sagt die Herschbergerin.

„Meetings in Prag (5. Juni) und Hengelo am 11. Juni, wenn wir selbst Himmelsstürmer-Cup haben, dann vielleicht die Team-EM in Lille am 24./25. Juni, dann Anfang Juli dreimal Diamond League in einer Woche, am 8./9. Juli DM in Erfurt, danach Trainingslager in Kienbaum – und dann ist schon WM“, zählt die 23-Jährige ihren engen Sommer-Fahrplan auf.

Nachdem sie am Mittwochabend noch ihren Freund beim Entscheidungsspiel von dessen Klub TuS Maßweiler um die Fußball-Meisterschaft der B-Klasse West gegen den PSV Pirmasens angefeuert hatte, war sie gestern schon wieder in Kassel bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften. „Ich wollte mir den zusätzlichen Höhepunkt eines Starts bei der Universiade gerne offen halten. Dazu musste ich in Kassel starten.“ Zusammen mit Vater und Trainer Udo sowie Bundestrainer Mark Frank werde dann die Entscheidung getroffen, wo sie werfen soll. „Gewinnen will ich schon“, sagte die Studierende, die im Herbst 2016 den Studiengang in Richtung Gesundheitsmanagement gewechselt hat, im Vorfeld. Es sei aber eher ein Wettkampf mitten aus dem Training heraus. „Einfach mal wieder sechs Würfe aus dem Anlauf heraus machen“ war das Ziel. „Und an Kassel hab’ ich ja auch gute Erinnerungen“, sagt Hussong, die im Vorjahr ebendort ihren ersten DM-Titel bei den Aktiven mit Bestleistung (66,41 m) gewonnen hatte.

Körperlich ist sie top-fit, „da bin ich meinem Papa auch sehr dankbar für die gute Mehrkampfausbildung in früheren Jahren“. Hussong glaubt, dass ihre geringe Verletzungsanfälligkeit durchaus damit zusammenhängt. Nach der EM in Amsterdam und Olympia in Rio, die im Vorjahr nicht ganz wie erhofft und gewünscht liefen, war sie enttäuscht. „Aber ich habe von klein auf gelernt, dass es immer mal wieder schlechte Wettkämpfe gibt. Deswegen trauere ich so was nicht monatelang hinterher“, sagt sie. Einen Mentaltrainer habe sie nicht , aber mit DLV-Psychologin Tanja Damaske (Hussong: „eine ehemalige Speerwerferin und inzwischen auch gute Freundin“) bespreche sie solche Wettkämpfe schon noch mal.

In der Vorbereitung auf die Saison habe sich nichts grundlegend geändert. „Wir setzen mal andere Reize, arbeiten an der Haltung und versuchen, immer näher an das Idealbild des Speerwurfs heranzukommen“, erzählt die U18-Weltmeisterin von 2011 und U23-Europameisterin von 2015. Was ihr dabei enorm hilft, ist ihr neues Studium. „Denn die Uni unterstützt den Leistungssport. Und ich kann viel besser planen, weil ich meine Präsenztermine schon ganz früh, sogar für 2018, schon weiß.“

Mit dem neuen Studiengang und dem dazugehörigen praktischen Anteil bei ihrem Verein LAZ Zweibrücken hat sie neben vielfältigen Arbeiten – wie das Erstellen der MeetingZeitung für den HimmelsstürmerCup zusammen mit Kommilitonin Sina Mayer oder die Abwicklung der neuen Trikotbestellung für den ganzen Verein – im Winter auch eine eigene Trainingsgruppe übernommen. „Drei Jungs und ein Mädel im Alter von 13 bis 15 Jahren. Mit denen mache ich einmal pro Woche Training. Viel Mehrkampf, das schadet ja nichts. Aber Speer finden sie auch cool“, sagt Hussong stolz. Vor einer Woche hat sie den Nachwuchs bei den Pfalzmeisterschaften betreut. „Nervenaufreibend, schlimmer als ein eigener Wettkampf“, sagt sie kopfschüttelnd. „Aber ich freue mich riesig, wenn es dann gut klappt. Die sollen lachen und Spaß haben bei der Leichtathletik.“ So wie sie selbst – am besten im August in London.

Läuft: LAZ-Speerwerferin Christin Hussong knackt im zweiten Wettkampf der Saison in Halle gleich mal die WM-Norm.
Läuft: LAZ-Speerwerferin Christin Hussong knackt im zweiten Wettkampf der Saison in Halle gleich mal die WM-Norm. Foto: hsl