Zwei Trennungen haben in der vergangenen Woche für Aufsehen in der Zweibrücker Sportszene gesorgt. Dabei sind sie von ihrem Anlass her nicht miteinander zu vergleichen. Doch im Ergebnis sind zwei sympathische Sportler von der Bildfläche verschwunden. Einerseits hat der Trainer des Handball-Oberligisten VTZSaarpfalz, Christoph Luck, sein Amt niedergelegt und andererseits wechselt der Hürdensprinter des Leichtathletikzentrums (LAZ) Zweibrücken, Jens Werrmann, nach Leipzig.

Die Gründe liegen auf der Hand: Christoph Luck sah seine Autorität bei der Mannschaft des Oberliga-Absteigers untergraben, und Jens Werrmann und der LAZ-Vorsitzende Josef Scheer kamen bei den Verhandlungen nicht auf einen gemeinsamen finanziellen Nenner.

Es ehrt den 34-jährigen Handballtrainer Christoph Luck, dass er freiwillig sein Amt niederlegte, da er vordergründig das Saisonziel in der RPS-Oberliga gefährdet sah. Das ist in dieser Klasse selten, dass das Vereinsziel dem persönlichen Anspruch untergeordnet wird. Doch das bringt dem gebürtigen Hasseler als ehemaligem Regionalligaspieler der VTZ und Trainer der zweiten Mannschaft in der Saarlandliga gehörige Sympathien ein. Er hat es nicht auf die Spitze getrieben, hat nicht den Rauswurf bei weiteren Punktverlusten riskiert und auf eine Abfindung spekuliert. Der Techniker Maschinenbau bei einer Landstuhler Firma hat gemerkt, dass die Konstruktion Christoph Luck und Mannschaft gemeinsam nicht mehr trägt. Daraufhin hat er die Reißleine gezogen und damit automatisch die Mannschaft in die Pflicht genommen. Den Schwarzen Peter, den bei Misserfolgen allein der Trainer trägt, hat er an das Team weitergegeben. Nun muss der Oberligist um die Spielführer Philip Wiese und Johannes Leffer den Nachweis erbringen, dass die Schar der qualifizierten Individualisten gemeinsam den Erfolg sucht. Der Sieg gegen die HSG Irmenach am Sonntag war bereits ein erster Ansatz.

Christoph Luck ist darüber gestolpert, dass er versucht hat, auf kameradschaftliche Art die Leistungen aus seinen Spielern herauszukitzeln. Im vergangenen Jahr wurden noch Abstriche gewährt, da er in der Regionalliga die ganze Saison auf Torhüter Thomas Becker nach einem Achillessehnenriss und auf Torjäger Philip Wiese ab Oktober nach einer Schulter-Operation verzichten musste.

Diese Gnadenfrist wurde ihm in dieser Runde nicht mehr gewährt, da die VTZ-Saarpfalz neben dem TV Nieder-Olm und der SG Saulheim zu den Meisterschaftsfavoriten gezählt worden ist. Nach deprimierenden Niederlagen in Nieder-Olm, Moselweiß und zu Hause gegen Budenheim sah Christoph Luck seine Felle davon schwimmen. Der Druck auf seine Person wuchs, wie verschiedentliche Unmutsäußerungen zu erkennen gaben. Nun hat er Größe gezeigt, was er eigentlich von seiner Mannschaft erwartet hatte. Es wurde kein persönliches Porzellan zerschlagen, beide Parteien können sich weiter offen in die Augen schauen.

Gleichzeitig müssen sich die Spieler an der eigenen Nase fassen, ob sie mit ihrer ungenügenden Einstellung nicht zum Rücktritt beigetragen haben. Bleibt nun der weitere Verlauf der Saison abzuwarten, wie weit die Verantwortung der Spieler reicht.

Anders gelagert ist die Trennung zwischen dem LAZ und Jens Werrmann. Wenngleich bei den Vertragsverhandlungen die sportliche Leistung ebenfalls eine entscheidende Rolle gespielt hat. Nach zahlreichen Verletzungen reicht der letzte internationale Erfolg ins Jahr 2006 zurück, als der 25-jährige Bundespolizist bei der EM in Göteborg Sechster über 110 Meter Hürden geworden war. Dadurch hatte der gebürtige Waldgrehweiler keine günstige Basis bei den Vertragsverhandlungen mit dem LAZ-Vorsitzenden Scheer. Der seinerseits ist gehalten, angesichts der gestiegenen Zahl von Kaderathleten die finanziellen Stücke kleiner zu machen, um über die Runden zu kommen. Diese Hürde, gepaart mit finanziellen Einbußen hat Jens Werrmann nicht genommen und dem Verein den Rücken Richtung LAZ Leipzig gekehrt.

Als Kaufmann, nicht mehr auszugeben, als der Etat hergibt, hat Josef Scheer verantwortungsvoll gehandelt. Doch statt eines Zwei-Jahres-Vertrag hätte man auch ein Konstrukt über zwölf Monate anfertigen können, um die Leistungsfähigkeit eines Jens Werrmann unter Trainer Karl-Heinz Werle auszuloten. Denn der Hürdenläufer, der seit sechs Jahren beim LAZ trainiert, ist ein selbstbewusster Athlet, der sich nicht unter Wert verkaufen wollte.

Vielleicht müssen wir uns künftig in der Leichtathletik und insbesondere beim LAZ darauf einrichten, dass bei Vertragsverhandlungen genauso knallhart verhandelt wird, wie bei den Fußballprofis. Denn die Kaderathleten des LAZ genießen weitestgehend den gleichen Status. Sie wissen, dass ihre Zeit als Höchstleistungssportler begrenzt ist, sie möglichst viel Kapital erwirtschaften wollen und müssen. Das ist legitim, denn Angebot und Nachfrage werden über die Leistung definiert. Nur dass Jens Werrmann als Einzelsportler nur sich selbst gegenüber verantwortlich ist und sich selbst hinterfragen muss. Anders ist die Situation bei Christoph Luck gelagert, der auf das Wohlwollen seiner Handballer angewiesen war. Doch für beide gilt: Nur Erfolge sind eine sichere Grundlage bei Verhandlungen.