Das große Thema steht schon vor dem ersten Wettkampf der Leichtathletik-Hallen-WM fest: die Doping-Skandale in diesem Sport. Die Russen sind deshalb gar nicht dabei – das deutsche Team besteht aus 14 Athleten und ist nicht chancenlos.

Portland. Spötter könnten sagen: Wozu soll diese WM überhaupt stattfinden? Am heutigen Freitag beginnen in Portland in den USA die HallenWeltmeisterschaften der Leichtathleten, aber ihr Problem ist: Alle russischen Athleten sind nach dem gigantischen Doping-Skandal des vergangenen Jahres gesperrt. Und Stars wie Usain Bolt oder Mo Farah starten ohnehin kaum unter dem Dach. Es drohen also Weltmeisterschaften auf nur begrenztem Weltklasse-Niveau – die dafür mehr denn je vom Dauerthema Doping überlagert werden.

Schon die Freiluft-WM im vergangenen Sommer in Peking stand im Schatten diverser Enthüllungen. Schon damals klagte die deutsche Kugelstoß-Weltmeisterin Christina Schwanitz: „Die meisten Leute denken doch jetzt: Die sind eh alle gedopt!“ Nur konnte sich selbst damals noch kaum jemand vorstellen, was dann Anfang dieses Jahres in allen Details ans Licht kam: Dass an der Spitze des Weltverbandes IAAF jahrelang eine kleine kriminelle Clique um den früheren Präsidenten Lamine Diack herrschte, die Doping-Vergehen vertuschte, die eigenen Athleten erpresste und sich schamlos selbst bereicherte.

Die Hallen-WM ist die erste internationale Meisterschaft seit diesen Enthüllungen. Sie findet in Zeiten statt, in denen die russischen Athleten kurz vor dem Olympia-Ausschluss stehen und in denen der kenianische Verband als nächste Leichtathletik-Großmacht auch nur noch bis zum 5. April Zeit hat, um maßgebliche Verbesserungen in seinen Anti-Doping-Bemühungen nachzuweisen. Andernfalls droht auch dem erfolgreichsten Team der Pekinger WM das Aus für Rio de Janeiro. Im Gegensatz zu den Russen sind die Kenianer im Oregon Convention-Center von Portland aber noch mit elf Athleten am Start.

Der neue IAAF-Präsident Sebastian Coe hat es trotz des massiven Imageschadens seiner Sportart geschafft, das Wort „Doping“ im Zusammenhang mit dieser WM nicht einmal in den Mund zu nehmen. Weder in seinem Vorwort im Begleitmagazin zu den Titelkämpfen, noch bei seinem WM-Ausblick bei der Sitzung des IAAF-Councils in Monaco.

„Die Olympischen Spiele sind bereits am Horizont zu sehen. Also können die Sportfans in Portland schon einmal einschätzen, was sie dann in ein paar Monaten in Rio erwartet“, sagte er da. Viele Athleten begnügen sich in dieser Krise nicht mit solchen Floskeln. Unter den Sportlern gärt es, der Druck auf die Funktionäre geht teilweise auch von ihnen aus. In der vergangenen Woche forderte die amerikanische Läuferin Alysia Montano öffentlich den Ausschluss der früheren Doping-Sünder Justin Gatlin und Tyson Gay aus dem US-Team. Wenig später trat der Olympiasieger von 2000, Noah Ngeny, als Athleten-Vertreter des kenianischen Verbandes zurück, weil er dessen laxen Anti-Doping-Kampf nicht mehr mittragen wollte. Wer also nach dem Sinn dieser Hallen-WM fragt, findet ihn genau hier: Ein Heer von Athleten kämpft für die Zukunft seiner Sportart.

In Abwesenheit der Rio-Hoffnungen wie den Kugelstoß-Assen David Storl und Christina Schwanitz sowie Hürdensprinterin Cindy Roleder ist die erst zweite Hallen-WM ohne deutsche Medaille kein zwangsläufiges Szenario. Um Edelmetall bewirbt sich aus dem 14-köpfigen deutschen Aufgebot insbesondere Alexandra Wester. Die Weitspringerin, die sich 2016 um 36 Zentimeter auf 6,95 Meter verbesserte, reist als Nummer eins der Welt zu ihrem ersten großen Titelkämpfen an diesem Wochenende. „Ein Traum wird wahr“, sagt die Kölnerin.

Nicht nur Wester hat das Zeug zur Überraschung: Für 60-Meter-Sprinterin Tatjana Pinto ist hinter der übermächtigen Niederländerin Dafne Schippers vieles möglich, und auch die Dreispringer Kristin Gierisch und Max Heß kämpfen an einem Sahnetag um Medaillen. Namhafte Athleten wie Raphael Holzdeppe oder Silke Spiegelburg mussten verletzungsbedingt absagen.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
17.–20.03.2016 Hallen-Weltmeisterschaften 2016 Portland, Oregon (Vereinigte Staaten von Amerika)