„Der Druck ist größer geworden für mich, aber das bringt der Erfolg mit sich“, sagte gestern die Weltjahresbeste im Kugelstoßen, Christina Schwanitz, die heute zum Auftakt der Leichtathletik-Weltmeisterschaften der deutschen Mannschaft die erste Medaille bescheren könnte. Vielleicht sogar Gold?

„Jeder Tag, an dem nicht gelacht wird, ist ein verlorener Tag.“ Mit diesem herrlichen Motto geht Christina Schwanitz durchs Leben. Im Lachen ist sie schon Weltmeisterin, im Kugelstoßring will sie es werden. „Ich wünsche mir, dass ich ganz oben stehen werde und tue alles dafür“, sagte die 29 Jahre alte Chemnitzerin. Ihre Bestleistung von 20,77 Meter stieß sie am 20. Mai diesen Jahres in Peking.

Nach der verletzungsbedingten Absage der mehrfachen Weltmeisterin Valeri Adams ist die Chinesin Gong Lijiao (20,34 Meter) ihre schärfste Konkurrentin. „Ich finde es jetzt schwieriger als in Moskau vor zwei Jahren, als ich Zweite wurde. Damals hatte ich auf Platz vier oder fünf gehofft und machte einen Befreiungsstoß zu Silber, jetzt bin ich die Gejagte, das ist ein Unterschied“, sagte Schwanitz, die nicht gleich im ersten Versuch einen raushauen, sondern schauen will, was die Konkurrenz macht, um eventuell kontern zu können.

Das Knie sei dran, sagte sie grinsend auf die Frage nach ihrem Gesundheitszustand, mit ein wenig Adrenalin und der Stimmung im Stadion werde es „schon gutgehen“.

Ganz anders David Storl, das zweite heiße Eisen der Deutschen an diesem Wochenende. „Ich versuche direkt einen vorzulegen und Feuer zu geben“, ist die Devise des 25 Jahre alten Weltmeisters von 2011 und 2013, der wie Schwanitz bei Sven Lang trainiert. Sein Handicap einerseits: Der Amerikaner Joe Kovacs geht mit der Jahresbestweite von 22,56 Meter in den Ring und hat fünf Mal über 22 Meter gestoßen, war also sehr konstant, Storl hat 22,20 Meter stehen mit Luft nach oben und eventuell einen Joker im Ärmel. „Es ist für Sonntag schlechtes Wetter vorausgesagt, ich freue mich auf Regen“, meinte er ganz trocken. Warum? Weil Kovacs ein Drehstoßer ist und in einem nassen Ring wohl etwas mehr Probleme bekäme. Und als Dreher wohl ein, zwei Versuche bräuchte, um auf einen ersten starken Versuchs Storls zu reagieren.

Die beiden aus der Abteilung Kugel haben stellvertretend für die anderen 64 deutschen Athleten die Auftaktpressekonferenz bereichert. Sie haben dem Kugelstoßen längst ein besseres Image gegeben. Genervt zeigten sie sich von den Dopingdiskussionen. „Ist mal wieder typisch, der Hype zu diesem Zeitpunkt. Einerseits ist es zwar gut, dass die Menschen erfahren, dass eine WM stattfindet, andererseits sagen sie auch gleich, die sind eh alle gedopt“, monierte Schwanitz. Und Storl meinte, wohl auch mit Blick auf den verletzten Robert Harting, der daheim gegen den Anti-DopingKampf stänkerte: „Es ist schwieriger für uns hier, unmittelbar vor einem Wettkampf damit umzugehen, als daheim in Deutschland zu sitzen und Zeit zu haben.“

Am heutigen ersten Tag werden zwölf deutsche Athleten an den Start gehen, darunter auch aussichtsreich die Siebenkämpferinnen. „Wir haben in unserem Vorbereitungslager auf der südkoreanischen Insel Jeju an der Teambildung gearbeitet, die Athleten sind sehr fokussiert“, sagte Chef-Bundestrainer Idriss Gonschinska.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
22.–30.08.2015 Weltmeisterschaften 2015 Peking (China)