Zwei Speerwurf-Weltmeisterinnen, aber nur noch ein Rio-Ticket: Entweder Christina Obergföll oder Katharina Molitor muss sich Olympia im Fernsehen anschauen. Ärger ist da vorprogrammiert.

Amsterdam. Weltmeisterin gegen Ex-Weltmeisterin, Katharina Molitor gegen Christina Obergföll – es kann nur eine geben. Der Kampf um das letzte Olympia-Ticket im Speerwurf spitzt sich zu. Eine absolute Hochkaräterin muss sich Rio im Fernsehen anschauen. Zoff ist da programmiert. Vor dem Tag der Entscheidung ist Obergföll öffentlich vorgeprescht und hat den Druck auf den deutschen Cheftrainer Idriss Gonschinska erhöht. "Im direkten Duell mit Molitor sehe ich mich mit der Nase vorne“, sagte die 34-Jährige, die in London 2012 Olympia-Silber und vier Jahre zuvor Bronze gewonnen hatte: "Alle Fakten sprechen für mich.“ Ihre Saisonbestleistung liegt mit 64,96 Metern über der von Molitor (63,20).

Gonschinska steht vor einer kniffligen Entscheidung. Es werde eine "enge Entscheidung“ geben, sagte Gonschinska. Die Wahl zwischen zwei Weltklasse-Werferinnen sei ein "Luxusproblem“. Der DLV beriet sich gestern, die endgültige Entscheidung trifft dann der DOSB heute.

Die Stimmung im Lager der Werferinnen ist gereizt. Einzig die deutsche Meisterin Christin Hussong (LAZ Zweibrücken) hat ihr Ticket bereits sicher, zudem scheint Linda Stahl (65,25/Leverkusen) nach ihrem EM-Silber gesetzt zu sein. Molitor muss nach ihrem vierten Platz von Amsterdam bangen. Die Zahlen sprechen auf den ersten Blick für Obergföll, die Nummer sieben der Welt. Molitor rangiert nur auf Platz 16. Aber sie warf ihre Saisonbestleistung erst am Wochenende, scheint immer besser in Form zu kommen. Obergfölls Wurf auf 64,96 Meter liegt schon fast zwei Monate zurück. Für den Fall einer Nichtnominierung kündigte Obergföll an, sich "juristische Unterstützung“ zu holen: "Ich werde meinen Platz einfordern.“

Obwohl Stabhochspringer Raphael Holzdeppe vom LAZ Zweibrücken die Norm (5,70 Meter) für Olympia in Rio nach seiner Verletzung nicht abhaken konnte (wir berichteten), kann der 26-Jährige heute dennoch auf eine Nominierung hoffen. Da mit den beiden Leverkusenern Tobias Scherbarth und Karsten Dilla nur zwei DLV-Athleten überhaupt die Quali-Höhe gemeistert haben, theoretisch aber drei Springer in Brasilien starten dürften, könnte es eine Sonderbehandlung für den Vize-Weltmeister geben. Cheftrainer Idriss Gonschinska betonte im Vorfeld der Nominierung jedenfalls, dass man im Falle eines freien Startplatzes im Sinne des Athleten entscheiden könnte.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)