Zweibrücken. Früh war die Saison in diesem Jahr für Daniel Clemens gelaufen. Der Stabhochspringer des LAZ Zweibrücken riss sich im Juni drei Bänder im Fuß, jegliche Chance auf einen EM-Start war dahin. Dabei wäre die Möglichkeit in diesem Jahr da gewesen, weil sich die gesamte deutsche Stabhochsprung-Konkurrenz schwer tat. Doch der 24-Jährige blickt nach vorne, will nach dem Auskurieren der Verletzung in der nächsten Sommersaison wieder angreifen und die 5,70-Meter-Marke knacken, wie er im Gespräch mit Merkur-Redakteur Martin Wittenmeier erklärte.

Herr Clemens, im Juni haben Sie sich im Training drei Bänder im Fuß gerissen, zudem wurde ein Knorpelschaden im Sprunggelenk festgestellt. Wie ist der Heilungsprozess seitdem verlaufen?

Daniel Clemens: Meine Reha ist mittlerweile beendet und ich fange jetzt so langsam wieder an, den Fuß ein bisschen mehr zu belasten. Wir schauen aktuell, was mein Fuß verträgt und was nicht.

An Wettkämpfe ist derzeit aber noch nicht zu denken?

Clemens: Ich befinde mich ja erst wieder im Aufbau. Deshalb haben mein Trainer (Andrei Tivontchik; Anm. d. Red. ) und ich entschieden, dass ich die Hallensaison mit Wettkämpfen noch nicht angehen werde, sondern langsam wieder reinkomme, um dann im Sommer anzugreifen. Es würde absolut keinen Sinn machen, sofort wieder Vollgas zu geben. Das würde erstens der Fuß nicht verkraften, und zweitens kommen dann vielleicht noch andere Verletzungen dazu. Die Hallensaison ist ohnehin nicht so wichtig, die Konzentration liegt daher auf dem Sommer.

Wie frustrierend war es, bei den Großereignissen wie Europameisterschaft und Olympischen Spielen im Sommer nur zuschauen zu können?

Clemens: Im ersten Moment ist eine kleine Welt für mich zusammengebrochen. Es war halt auch noch olympisches Jahr und man hat sich da schon Hoffnungen gemacht – gerade mit Blick auf die EM und Olympia. Meine Form war richtig gut. Ich hab‘ in allen Zubringerleistungen Bestwerte aufgestellt und in meinen Augen war es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch im Stabhochsprung der Schalter umlegt und ich endlich wieder Bestleistung springe. Von daher war es eine extrem bittere Pille.

Gerade weil die nationale Konkurrenz in diesem Jahr geschwächelt hat?

Clemens: Wenn man sich vor Augen hält, dass sich nur zwei über die Höhe für die EM qualifiziert haben und Raphi (Raphael Holzdeppe; Anm. d. Red. ) mitfahren durfte, weil er die Leistungen schon in der Halle erbracht hatte, ist das schon bitter. Vor allem wenn man weiß, was man eigentlich hätte springen können. Wären drei die Höhe gesprungen, wären diese dann auch zur EM gefahren. Aber es gehört zum Leistungssport dazu, sich auch mal zu verletzen. Dass es gerade in diesem Jahr passiert ist, ist halt dumm gelaufen. Aber es ist auch meine erste größere Verletzung, von daher will ich mich gar nicht groß beschweren.

Durchläuft der deutsche Stabhochsprung gerade ein Tief?

Clemens: Ja, schon ein wenig. Florian Gaul ist dieses Jahr Bestleistung gesprungen mit 5,77 Metern, leider hat er die Norm für die EM und Olympia jeweils eine Woche zu spät erfüllt. Der hat schon gezeigt, was er kann. Tobias Scherbarth ist auch Bestleistung gesprungen, der war gut unterwegs. Raphael hat sich in der Hallensaison verletzt und ist deswegen im Sommer nicht richtig zurückgekommen. Damit ist das Aushängeschild der letzten Jahre, das den deutschen Stabhochsprung repräsentiert hat, ausgefallen. Björn Otto hat jetzt aufgehört und dahinter kommt noch nicht so richtig was nach. Woran das liegt, ist schwer zu sagen. Aktuell gibt es einige Stabhochspringer, die hinter ihren Leistungen bleiben. Ich denke, das wird mit der Zeit auch wieder anders werden. Es gab schon Jahre, da ist man bei deutschen Meisterschaften mit 5,80 Metern Fünfter geworden. Davon sind wir derzeit sehr weit weg.

Motiviert sie diese Situation? Mit 5,70 Metern wären Sie in Deutschland aktuell ganz vorne mit dabei.

Clemens: Ja. Es ist mein Ziel, die 5,70 Meter und Bestleistung zu springen. Derzeit ist es in Deutschland so, das, wenn man konstant 5,70 Meter springt, bei allen internationalen Wettkämpfen dabei ist. Da will ich hin, dafür trainiere ich.

Alexander Vieweg, der sportliche Leiter des LAZ, betont immer, Sie hätten diese Höhen im Training locker drauf. Warum klappt es dann im Wettkampf nicht?

Clemens: Das ist schwer zu sagen. Ich glaube, im Wettkampf fehlt mir oft so ein bisschen die Lockerheit, die ich im Training habe. Da bin ich dann zu verbissen, will alles noch besser machen – und dann bricht das irgendwie in sich zusammen. Ich müsste eigentlich nur so springen, als wäre ich im Training. Aber das ist halt leichter gesagt als getan.

Ihr Teamkollege Raphael Holzdeppe ist ein Vollprofi, kann vom Stabhochsprung leben. Wie schwierig ist es für Sie, den Leistungssport zu finanzieren und zu organisieren?

Clemens: Bei mir ist es verhältnismäßig einfach. Ich habe das Glück, in der Sportfördergruppe der Bundeswehr zu sein und das diese Förderung auf das nächste Jahr verlängert wurde und ich dadurch wieder für ein Jahr abgesichert bin. Etwas größer sind da die organisatorischen Probleme. Ich mache parallel noch ein Fernstudium (Internationales Management an der Hochschule Ansbach; Anm. d. Red. ). Dass dann mit dem Sport, Trainingslagern, Wettkämpfen und der Bundeswehr unter einen Hut zu bekommen, ist nicht immer ganz einfach. Aber es gibt in meinem Umfeld viele Sportler, die haben’s da schwieriger mit einem Vollzeitstudium, keinen Sponsoren und eigentlich keinem Geld. Da ist der Stabhochsprung im Endeffekt schon ein teures Hobby.

Auch Ihre LAZ-Disziplinkollegen Raphael Holzdeppe und Anna Felzmann mussten im Sommer die Saison aufgrund von Verletzungen abbrechen. Versucht man diese Rückschläge gemeinsam zu meistern oder fokussiert sich jeder auf sich selbst?

Clemens: Natürlich tauscht man sich aus und versucht, sich gegenseitig aufzubauen. Man begleitet ja den anderen auf seinem Weg zurück und macht ihm Mut. Aber am Ende sind wir Einzelsportler und da muss dann jeder auch selbst durch. Man kann dem anderen nicht alles abnehmen, das geht nicht.

In der Hallenrunde wird Daniel Clemens noch keine Wettkämpfe be- streiten. Sein Fokus liegt auf der Sommersaison.
In der Hallenrunde wird Daniel Clemens noch keine Wettkämpfe be- streiten. Sein Fokus liegt auf der Sommersaison. (Foto: Birkenstock/pma)