Zweibrücken. Als gegen 23.30 Uhr am Samstagabend die Sprung-Show gelaufen war, die einen Athleten sich ein Bierchen gönnten, die anderen ihre Stab-Pakete rausschleppten, und die Aufräumarbeiten begannen, meinte Bernhard Brenner trocken: „Das Schönste ist: Wir können nachher einfach in Ruhe die Tür abschließen und morgen weiter machen.“ Der Vorsitzende des LAZ Zweibrücken kam gerade rechtzeitig zum Sieg des Franzosen Stanley Joseph beim dritten Hallenstürmer-Cup, den Sieg der Russin Alena Lutkovskaya zuvor (RHEINPFALZ am SONNTAG berichtete) hatte er verpasst.

Brenner hatte LAZ-Stabhochspringer Nicolas Dietz aus Bottenbach zum Länderkampf nach Lyon begleitet, wo Dietz ohne Höhe geblieben war. Gerade recht zur Herrenkonkurrenz waren die beiden zurück in der vereinseigenen Dieter-Kruber-Halle im Westpfalzstadion, in der laut LAZ-Vorstand Alexander Vieweg doch rund 500 Zuschauer die Premiere eines Stabhochsprung-Meetings miterlebten.

Abseits des Anlaufstegs war das Meeting fast ein Familientreffen der Stabhochspringer und auch sonst der Leichtathleten. Da drückte Stabhochsprung-Pionierin Andrea Müller dem ehemaligen Bundestrainer Herbert Czingon ein Küsschen auf die Wange, Natja Reiberger und Papa Vladimir Ryzih schauten ebenso zu wie Ex-LAZ-Hürdensprinter Jens Werrmann. Und gerne sangen die Zuschauer dem früheren russischen Weltklasse-Stabhochspringer Konstantin Volkov (Bestleistung 5,85 m) ein Ständchen zu dessen runden 50. Geburtstag. 70 LAZ-Helfer – unter anderem Anna Felzmann und Klaus Klein an der Kasse, Sprinterin Sina Mayer am Getränkestand und Anne Pfeiffer beim Service an den Tischen – sorgten für einen reibungslosen Ablauf.

Besagter Volkov hat von seinem Erfahrungsschatz augenscheinlich vieles weitergegeben: Mit der 18-jährigen Siegerin Alena Lutkovskaya, die im spannenden Frauen-Wettkampf mit 4,54 Meter neue Bestleistung und russischen Juniorenrekord sprang, wächst möglicherweise ein neuer, großer Stabhochsprung-Stern heran. Lokalmatadorin Kristina Gadschiew haderte nicht groß mit Platz acht nach übersprungenen 4,13 Metern. „Ich hab’ mich heute schon viel sicherer gefühlt. Außer hier vor der Heimkulisse wäre ich vor der Freiluftsaison sicher nicht mehr gesprungen“, meinte Gadschiew, die sich nach langer Verletzungspause wieder zurückkämpft. „Aber die Stimmung war voll gut, das Publikum hat mich echt gepusht.“

Vereinskollege Daniel Clemens zitterte sich ein bisschen durch den Wettkampf. Bei seiner Einstiegshöhe von 5,31 Metern benötigte er einen zweiten Versuch, ebenso bei den 5,41 Metern und auch zum Abschluss über die 5,51 Meter. „Ich bin Stäbe gesprungen, die ich zuletzt 2013 gesprungen bin“, bemerkte der 22-jährige Mörsbacher. 2013 war bislang sein bestes Jahr, daraus stammt mit 5,60 Metern seine Freiluftbestmarke. Höhen, die der Sportsoldat im vergangenen Jahr nicht mehr angreifen konnte. Das ist vergessen, 2015 läuft besser. „Ich bin ganz zufrieden, wie es gelaufen ist“, sagte er. „Der zweite Sprung über 5,61 Meter war relativ knapp“, fügte er an. Vor einer Woche hätte er mit 5,51 Metern bei den deutschen Hallenmeisterschaften noch eine Medaille gewonnen. „Es gibt so Tage“, bemerkte er im Rückblick. Sieger Stanley Joseph, aus der Trainingsgruppe um den französischen Weltrekordhalter Renaud Lavillenie, zeigte die elegantesten Sprünge: Schön sah das aus, wie er jeweils im ersten Versuch über 5,41 und 5,51 Meter flog.

Für Daniel Clemens beginnt in wenigen Tagen die Vorbereitung auf die Freiluftsaison, da will er neu angreifen. Spaß hat ihm die Teilnahme am dritten Hallenstürmer-Cup seines LAZ gemacht. „In der Westpfalzhalle hatte man kaum Platz, um sich während des Springens warm zu halten“, vergleicht er die beiden Hallen miteinander und bricht eine Lanze für die Dieter-Kruber-Halle.

Auch Raphael Holzdeppe hatte Spaß an der Atmosphäre, schrieb zahlreiche Autogramme und stand für Dutzende Selfies zur Verfügung. „Die Sprünge haben sich eigentlich ganz gut angefühlt“, meinte der Weltmeister auf Formsuche zu den drei Fehlversuchen über 5,41 Meter. „Ich hätte natürlich schon gerne eine Höhe angeboten“, sagte er. Jetzt sind erst einmal zehn Tage Pause, bevor es dann für die LAZ-Athleten am 18. März heißt: ab ins Trainingslager nach Südafrika.

Einwurf: Ordentliches Debüt

Das war ein sehr ordentliches Debüt, das das LAZ Zweibrücken bei seinem erstmals in der eigenen Dieter-Kruber-Halle ausgetragenen Hallenstürmer-Cup am Samstag hingelegt hat. Vieles war neu: der Ort, das Datum und der erstmals erhobene Eintritt. Stabhochsprung-Fans aus der Komfortzone der Innenstadt ins Westpfalzstadion zu locken, war durchaus ein Wagnis. „Ich habe heute aber keinen getroffen, der gesagt hat, es hätte ihm in der Westpfalzhalle besser gefallen“, meinte LAZ-Vorstand Alexander Vieweg mit Blick auf die Zuschauer.

Einige Zuschauer mehr hätte sein Vorstandskollege Bernhard Brenner allerdings schon gerne noch in der Halle begrüßt, viele der Biertisch-Garnituren waren frei geblieben. Quasi ein Familientreffen im eigenen Wohnzimmer, wo der ein oder andere Onkel doch gefehlt hat. Sei’s drum: „Die Terminfindung war schwierig wegen der Hallen-EM. Ich hoffe, nächstes Jahr wird die Halle noch voller“, sagt Brenner zuversichtlich.

Sportlich gab es eine Woche vor der Hallen-EM dagegen nichts zu meckern: Die Frauen stachen die Männer klar aus, boten einen klasse Wettkampf, der U20-Weltrekord von Siegerin Alena Lutkovskaya wäre das i-Tüpfelchen auf die gelungene Veranstaltung gewesen.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
21.–22.02.2015 Deutsche Hallenmeisterschaften 2015 Karlsruhe (Deutschland)
06.–08.03.2015 Hallen-Europameisterschaften 2015 Prag (Tschechien)
28.02.2015 Hallenstürmer-Cup 2015 Zweibrücken (Deutschland)