Rheinstetten. Die deutschen Meisterschaften in drei Wochen können kommen, die Halle 2 der Messe Karlsruhe hat beim mit 4600 Zuschauern ausverkauften Meeting ihre Feuertaufe bestanden. Vier deutsche Mittelstreckler knackten die Norm für die Hallen-EM in Prag (6.-8. März). Aber Hallenweltrekordler Renaud Lavillenie verpasste einen Sprung über sechs Meter.

Letztlich hatte ihm die Konkurrenz für ganz große Taten gefehlt. Mit seinen übersprungenen 5,86 Meter hatte der 28 Jahre alte Franzose den Sieg schon in der Tasche, es fiel ihm schwer, mitten hinein in die letzten Laufentscheidungen die 6,01 Meter zu überfliegen.

„So schlecht war das aber nicht, das Ambiente war gut, die Bahn ist sehr schnell“, meinte der Stabhochspringer versöhnlich. „Er wäre sicher gerne höher gesprungen, das will er immer“, sagte Raphael Holzdeppe. Naseputzend und hustend machte er sich auf den Heimweg, aufgrund einer „angeflogenen“ Erkältung hatte er saft- und kraftlos einen „Salto nullo“ fabriziert. Die EM-Norm von 5,65 Meter steht noch aus, sie sollte in seinen drei kommenden Wettkämpfen in Chemnitz, Berlin und Karlsruhe möglich sein.

Das aus deutscher Sicht beste Ergebnis erzielte Richard Ringer (Friedrichshafen) nach Redaktionsschluss von RHEINPFALZ am SONNTAG: Über 3000 Meter lieferte er dem Kenianer Paul Kipsiele Koech (7:45,41 min) einen großen Kampf und musste sich in 7:46,18 min knapp geschlagen geben. Aber er freute sich riesig über seine Bestzeit. Auch Florian Orth (Regensburg; 7:49,48 min) knackte die Norm, in Prag wird er deshalb über 3000 und nicht über 1500 Meter starten.

Seine 3000-m-Teamgefährtin Maren Kock (8:57,57 min) und Gesa Felicitas Krause (Frankfurt; 9:00,25 min) können ebenso für Prag planen wie Hürdlerin Cindy Roleder (Siegerin in 8,03 sek). Für Carolin Dietrich bleibt Prag vorerst noch ein erstrebenswertes Ziel. 8,21 Sekunden war die Hallen-Europameisterin (Bestzeit 7,80) vor einer Woche bei den Landesmeisterschaften in Karlsruhe gerannt, am Samstag steigerte sie sich an gleicher Stelle auf 8,19 Sekunden.

„Dieser Vorlauf war sehr ausbaufähig. Da geht noch was im Finale, dachte ich, aber das war dann nicht so gut“, sagte die knapp 30-Jährige, die nach ihren Operationen an beiden Fersen im Sommer 2013 jetzt um den Anschluss über 60-m-Hürden kämpft.

„Ich bin schmerzfrei und denke auch nicht mehr dran, aber die zwei neuen Füße müssen sich ans Laufen erst gewöhnen, die neuen Sehnen kennen die Belastung halt noch nicht so. Ich weiß, dass es mental ein schwieriger Weg ist, sich wieder reinzufinden. Ich bin noch ein wenig unorientiert. Es ist aber ein sehr schönes Gefühl, wieder da zu sein. Ich hätte nicht gedacht, dass die Fans mich so herzlich aufnehmen“, sagte die sympathische Mannheimerin, deren Vereinskollegin Verena Sailer über 60 Meter nach den 7,22 Sekunden „eine kleine Entwicklung gegenüber der letzten Woche zu erkennen“ glaubte. Aber ihr machte der Fehlstart von Dafne Schippers im Finale zu schaffen, sie fühlte sich danach etwas blockiert.

Der Stimmung nach zu urteilen, haben die Fans die vertraute Europahalle, die wegen des fehlenden Brandschutzes gesperrt ist, nicht vermisst. Auch Meetingdirektor Alain Blondel sah eine gelungene Premiere in der Messehalle: „Sie war mehr als rund.“ Und schon wird spekuliert, ob in absehbarer Zeit eine internationale Meisterschaft in Rheinstetten bei Karlsruhe denkbar sei.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
31.01.2015 IAAF Indoor Meeting Karlsruhe 2015 Karlsruhe (Deutschland)