Zweibrücken. „Natürlich nehme ich Stäbe mit!“ Kristina Gadschiews Antwort auf die Frage, ob sie mitfährt ins Trainingslager des Top-Teams des Deutschen Leichtathletik-Verbandes und Stabhochsprungstäbe mitnimmt, kommt spontan. Selbstverständlich ist das aber nicht, wenn man bedenkt, dass sich die 30-Jährige noch im Juni einen Achillessehnenabriss zugezogen hat. Der Heilungsverlauf war aber so gut, dass sie gestern doch abhob in Richtung Südafrika.

Zweieinhalb Wochen trainiert Gadschiew dort ab heute bei besten äußeren Bedingungen („Ich hab nachgeschaut, die haben 30 Grad“) zusammen mit ihren Vereinskollegen, den Stabhochspringern Raphael Holzdeppe und Daniel Clemens, Frauen-Bundestrainer Andrei Tivontchik und Speerwerferin Christin Hussong. Holzdeppe war schon oft in Stellenbosch, eine Stunde von Kapstadt entfernt, Gadschiew erst einmal. Die Stäbe nimmt die 14. der Weltmeisterschaft 2013 von Moskau deshalb mit, weil sie wieder springen kann. „Nur aus sechs Schritten und mit ganz weichen Stäben“, erklärt sie. Der behandelnde Arzt habe ihr aber vor einigen Wochen signalisiert, dass sie es probieren darf.

Gadschiew hat eigentlich mit einem deutlich längeren Verlauf bei ihrer Genesung gerechnet. „Ich bin echt froh, dass das jetzt so schnell gegangen ist“, meint sie, rückblickend auf den Trainingstag am 18. Juni, als sie sich beim Durchlaufen über die Stabhochsprungmatte die Verletzung am linken Bein zugezogen hatte. Sie war nach dem Achillessehnenabriss aber ganz schnell wieder im Training, mühte sich selbst mit Gipsmanschette am Bein schon bei gymnastischen Übungen. Wenn man sie heute durch Zweibrücken joggen sieht, läuft sie noch ein klein wenig unrund. „Aber ich selbst habe gar nicht das Gefühl, dass es so ist“, sagt sie. Das Bein sei noch ein bisschen steif und „zieht nicht so mit“, viel Muskelmasse habe sie auch verloren, aber „Schmerzen spüre ich überhaupt nicht“. Über Krafttraining und das Laufen hat sie sich langsam wieder ans Springen herangetastet.

Gadschiew ist glücklich, wenigstens ein bisschen springen zu können. „Mitzufahren nach Südafrika und gar nicht zeigen zu können, was ich kann, wäre für mich schwierig gewesen. Da hätte ich schon Gewissensbisse gehabt.“ Nun dauere es eben, bis neben der Kraft und dem technischen Vermögen auch das Vertrauen wieder da ist. „Ich muss halt aufpassen, dass ich nicht in mein altes Muster verfalle. Ich denke jetzt schon häufig wieder: Das ist doch viel zu niedrig.“ Trainer Andrei Tivontchik bremse ihren Ehrgeiz dann hin und wieder, „und ich muss einfach auch drauf hören“. Einen kleinen Vorteil hatte die Verletzung aber auch: Gadschiew hat im Sommer ihr Lehramtsstudium in Chemie und Sport beendet. „Mitte August hatte ich meine letzte Prüfung in Sportmedizin und die abgeschlossen, so gut es ging“, macht sie klar, dass ihr der Sport als Ausgleich zum Lernen in dieser Zeit durchaus fehlte. In Chemie war die Hornbacherin bereits Mitte März fertig. „Ich versuche, wieder voll fit zu werden“, hofft sie. Im Frühjahr 2015 will sie sich dennoch für einen Referendariatsplatz im August in der Südwestpfalz bewerben. „Wenn ich eine Stelle bekäme, würde ich sie nehmen – vor allem auch nach der Verletzung. Sonst muss ich eineinhalb Jahre warten.“ Dann würde eben der Sport um den Beruf herumgebaut.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
10.–18.08.2013 Weltmeisterschaften 2013 Moskau (Russland)