Zweibrücken. Das rhythmische Klatschen der rund 1000 Zuschauer geht in einen kollektiven Jubelschrei über, als Menno Vloon die 5,85 Meter hoch liegende Latte makellos überquert. Der 23-jährige Holländer legte auf der Matte mit hochgerissenen Armen noch einige Hüpfer nach. Mit großen ungläubig blickenden Augen nahm der neue niederländische Rekordhalter im Stabhochsprung stellvertretend für die ganze Welt den Moderator des 6. Zweibrücker Himmelsstürmer-Cups Michael Wehrlein in die weit ausgebreiteten Arme.

„Das ist ein Wahnsinn“, schüttelte Trainer Richard Cote den Kopf, ob der Leistung seines Schützlings. „Das ist der größte Sieg meiner Karriere“, meinte der glückstrahlende Sieger. Dabei verschmerzte Vloon, dass er nach den 5,85 Metern dreimal an der neuen Weltjahresbestmarke von 5,91 Meter gescheitert war. Mit 5,85 Metern verbesserte er seine persönliche Bestmarke. Die Höhe ist neben dem holländischen auch Meetingrekord. „Damit habe ich nicht gerechnet“, sagte Vloon. „Ich wollte die 5,70 Meter angreifen.“ Die Qualifikationshöhe für die Weltmeisterschaft in London.

Schon seine bisherige Bestmarke hatte Vloon in Zweibrücken beim Hallenstürmer-Cup im Februar aufgstellt. „Zweibrücken ist ein guter Platz für mich“, sagte der Holländer. „Das ist auch eine tolle Atmosphäre. Ein tolles Publikum und tolle Musik.“

Die Zuschauer begleiteten schon vom ersten Sprung von Lilli Schnitzerling kurz nach vier Uhr über vier Meter an bis kurz nach neun Menno Vloon die Springerinnen und Springer mit rhythmischem Klatschen. Nur nach dem dritten Fehlversuch des Lokalmatadoren vom LAZ Zweibrücken, Raphael Holzdeppe, über seine Anfangshöhe von 5,50 Metern herrschte kurze Zeit Stille, die dann von einem aufmunternden Beifall beendet wurde. Das frühe Ausscheiden tat der Begeisterung der Zuschauer keinen Abbruch.

„Ich war beim Einspringen gut drauf. Es fehlten nur ein paar Kleinigkeiten“, analysierte Holzdeppe seine Sprünge, bei denen der Ex-Weltmeister die Latte jeweils bereits klar überquert hatte, bevor er sie beim Weg nah unten riss. „Es ist halt schade, wenn das vor dem Heimpublikum passiert.“ Mit Blick auf die anstehenden Aufgaben sprang Holzdeppe erstmals wieder aus einem längeren Anlauf. „Das Experiment“ funktionierte noch nicht. „Aber um große Höhen zu springen, muss ich aus dem längeren Anlauf springen.“ Bis zur Deutschen Meisterschaft am 8./9. Juli habe er aber noch Zeit. Spätestens dann möchte Holzdeppe auch die WM-Norm in der Tasche haben. Die jungen Autogrammjäger störte das Ausscheiden des Idols nicht. Er nahm sich auch die Zeit, die Wünsche zu erfüllen. Wie später auch der Sieger. „Das passiert mir sonst nicht“, sagt er lachend.

Die 5,70 Meter übersprang im Westpfalzstadion neben Vloon auch der Franzose Kevin Menaldo im dritten Versuch. Danach ließen der Holländer und der Franzose nach einer kurzen Pokerrunde statt 5,75 Meter gleich 5,85 auflegen. Für Menaldo, der in der vergangenen Woche 5,83 Meter hoch gesprungen war, war die Höhe nach dem Sensationssprung des fliegenden Holländers am Samstag zu hoch.

Neben Holzdeppe scheiterten auch die anderen deutschen Spitzenathleten Karsten Dilla, Hendrik Gruber, Tobias Scherbarth oder Florian Gaul an der WM-Qualifikationshöhe. Für den LAZ-Athleten Daniel Clemens waren die5,20 Meter nach der langen Verletzungspause und der gerade überstandenen Magen-Darm-Erkrankung in Ordnung. „Ich wollte zwar die 5,35 Meter (Qualifikationshöhe für die Deutsche Meisterschaft). Aber ich habe noch Zeit.“ Den dritten versuch über 5,35 Meter musste Clemens wegen eins Krampfes abbrechen. Doch der gelungene Sprung über 5,20 nähre die Hoffnung auf weitere Steigerungen.

Bis zur Höhe von 4,45 Meter legte Anjuli Knäsche von der SG Kronshagen/Kiel bei den Frauen einen lupenreinen Wettkampf hin. Alle Höhen übersprang die 23-Jährige im ersten Versuch. Bei den 4,45 Metern half dann aber auch die lautstarke Unterstützung der Zuschauer nicht mehr. „Zwei Versuche waren ganz knapp. Die Qualifikationshöhe für die WM (4,55 Meter) hätte ich schon gerne geschafft“, sagt die Siegerin. Denn die Weltmeisterschaft in London ist das große Ziel der Studentin. Die Universiade sei zwar eine besondere Veranstaltung. Aber „der Traum“ ist die WM. Da fahre sie auf jeden Fall hin. Ob als Zuschauerin oder Athletin, kündigte Knäsche an.

An dem Ziel hält auch noch die deutsche Rekordhalterin Silke Spiegelburg(4,82Meter)fest.„BeimEinspringen habe ich mich gut gefühlt. Im Wettkampf hat es dann nicht gepasst“, meinte sie. Spiegelburg riss dreimal 5,20 Meter. Nach einjähriger Wettkampfpause bedingt durch Verletzungen und Krankheiten startete sie zu Beginn des Jahres ein Comeback. Doch eine Muskelverletzung warf sie zurück. „Was ich jetzt brauche, sind viele Wettkampfsprünge“, meinte sie eine halbe Stunde nach dem Springen. Da war das Lächeln wieder zurückgekehrt. Nach dem letzten Fehlversuch war ihr die Enttäuschung noch sehr deutlich anzusehen.

Keine Spur von Enttäuschung gab es beim Veranstalter. Der LAZ-Vorsitzende Bernhard Brenner und Stellvertreter Alexander Vieweg strahlten noch nach der Siegerehrung über beide Ohren. „Es war heute rundum perfekt. Es ist dieses Mal wirklich alles reibungslos verlaufen“, sagt Brenner mit Blick auf das Wetter und die Zuschauerkulisse, die sich die Stimmung auch vom frühen Ausscheiden der Lokalmatadore nicht vermiesen ließ. Und Vieweg fügt an: „Es war gerade bei den Männer auch einfach extrem hochklassiger Sport.“

Info Sechster Zweibrücker Himmelsstürmer-Cup

Männer:

  1. Menno Vloon 5,85 Meter
  2. Kevin Menaldo 5,70
  3. Valentin Lavillenie 5,60
  4. Karsten Dilla und Hendrik Gruber 5,60
  5. Stanley Joseph 5,60
  6. Dominik Alberto 5,60
  7. Florian Gaul 5,50
  8. Tobias Scherbarth 5,50
  9. Bo Kanda Lita Baehre 5,35
  10. Daniel Clemens 5,20
  11. Malte Mohr 5,20
  12. Raphael Holzdeppe ohne gültigen Versuch.

Frauen:

  1. Anjuli Knäsche 4,40 Meter
  2. Friedelinde Petershofen 4,30
  3. Lisa Gunnarsson 4,30
  4. Victoria Van Eynatten 4,20
  5. Regine Kramer 5,00
  6. Lilli Schnitzerling und Silke Spiegelburg ohne gültigen Versuch.
Über 1000 Zuschauer feuerten am Samstag die Stabhochspringer beim Himmelsstürmer-Cup im Westpfalzstadion an.
Über 1000 Zuschauer feuerten am Samstag die Stabhochspringer beim Himmelsstürmer-Cup im Westpfalzstadion an. (Foto: Marco Wille)
Bei den Frauen setzte sich Anjuli Knäsche mit 4,40 Metern durch. Mit ihrer Höhe war sie allerdings nicht ganz zufrieden.
Bei den Frauen setzte sich Anjuli Knäsche mit 4,40 Metern durch. Mit ihrer Höhe war sie allerdings nicht ganz zufrieden. (Foto: Marco Wille)
Sieger Menno Vloon schreit nach dem Sprung über 5,85 Meter – und damit niederländischem Rekord – seine ganze Freude heraus.
Sieger Menno Vloon schreit nach dem Sprung über 5,85 Meter – und damit niederländischem Rekord – seine ganze Freude heraus. (Foto: Marco Wille)
Etwas ratlos: Für Raphael Holzdeppe ist der Wettkampf schnell beendet.
Etwas ratlos: Für Raphael Holzdeppe ist der Wettkampf schnell beendet. (Foto: Marco Wille)

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
10.–11.06.2017 Himmelsstürmer-Cup 2017 Zweibrücken (Deutschland)