Ich mag es ja gar nicht leugnen und will mich gerne zu diesem emotionalen Moment bekennen: Ja, auch ich habe drangegriffen an die weiße Fackel, hatte aber die Schweizerin Françoise Zweifel, die 20 Jahre mit Juan Antonio Samaranch im IOC arbeitete, vorher gefragt, ob ich dürfe. Gehört sich einfach so. Dann übernahm sie, aufgeregt in diesem großen Moment, das Olympische Feuer für 200 Meter, gab es weiter, und wir suchten ein Taxi und machten uns auf den Weg ins Pressezentrum und an die eigentliche Arbeit.

War alles so nicht geplant. Aber so ist Olympia: spontan, überraschend, unberechenbar, anstrengend, zuweilen nervig. Dann etwa, wenn ich wieder in einer unendlich langen Schlange durch diese unsäglichen Sicherheitskontrollen durch muss.

Der Wecker hatte schon um 6 geklingelt. Duschen und Frühstücken im Schnelldurchgang, rein ins Taxi, raus an den Strand. Es war 7.15 Uhr. Oh verdammt, Badehose vergessen! Ach quatsch, habe ja einen Termin. Pressekonferenz mit dem Fahnenträger. Um 9 Uhr. Zum Glück hatte ich am Abend noch eine DOSB-Mail gelesen, in der stand, dass man morgen ins Deutsche Haus wegen des Fackellaufs nicht von vorne reinkommt, sondern nur von hinten. Da aber erstreckt sich der Lagoa de Marapendi parallel zur Strandstraße. Das Problem: Wir brauchten ein Boot.

Dem Taxifahrer zeigten wir die Straße Av. Pref. Dulcidio Cardoso und die Hausnummer 3230, die schrieb er sich in die Hand, fand sie aber nicht in der Wirklichkeit. Zum Glück hatte Rios Bürgermeister Paes kurzerhand den Donnerstag und den Freitag zum Feiertag erklärt, deshalb herrschte kaum Verkehr.

Da endlich der Bootsanlegesteg. Ein Wasserwildschwein erschrak, wir auch, dann tuckerten wir rüber ins Deutsche Haus. Kaum war um 9.30 die Pressekonferenz vorbei, standen Präsident Hörmann und Fahnenträger Boll mit einem deutschen Fähnchen in der Hand draußen und warteten. Zehn Minuten, 20, 30. Mir lief die Zeit davon. Wann soll ich meine Texte schreiben? Ich klappte auf der Straße den Laptop auf, draußen auf dem Meer ein Schiff der Marine sozusagen als Begleitschutz der Fackel. Für uns das sichere Zeichen, dass sie jetzt bald kommt. Ausgelassene Stimmung wie bei der Tour de France, ein Werbetross, Polizei und all der Kram. Blauer Himmel, Samba-Tänzer. Einfach klasse!

Die ganze Warterei hat sich gelohnt. Nur: Um 12 Uhr erst war ich zurück im Pressezentrum und per W-LAN wieder mit der Welt verbunden, vornehmlich mit unserem Redaktionssystem. 12 Uhr in Rio ist 17 Uhr in Ludwigshafen. Und genau das ist das Problem. Der Zeitunterschied wird uns noch sehr viel Freude (haha, ironisch gemeint) bereiten.

Und um 16 Uhr Ortszeit, alle Texte waren geschrieben, war’s für mich wie an Weihnachten: Ich holte mit bei Ute Maag, der Geschäftsführerin des Deutschen Sportjournalisten-Verbandes, eine der für deutsche Journalisten knappen Eintrittskarten für die Eröffnungsfeier ab. Juhuuu!

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)