Rheinstetten. Wow! In 7,97 Sekunden ist der 18 Jahre alte Florian Lickteig auf Platz fünf der deutschen Bestenliste über die Männerhürden gelaufen und holte sich den süddeutschen Hallenmeistertitel über 60 Meter Hürden in Rheinstetten bei Karlsruhe. Silber gewannen Natasha Montgomery (LAZ Zweibrücken) im Stabhochsprung und Imran Ahmed (TSG Grünstadt) im Dreisprung, Bronze 200-Meter-Sprinter Christian Kiemstedt (ABC Ludwigshafen).

Eine Sieben vor dem Komma, das kennt Florian Lickteig ja schon. Vor zwei Jahren war er 7,99 Sekunden über die 91 Zentimeter hohen B-Jugend-Hürden gelaufen, vor einem Jahr 7,81 Sekunden über die 99 Zentimeter hohen A-Jugend-Hürden. Seine 7,97 Sekunden von gestern aber haben eine ganz andere Qualität.

Die Männerhürde ist 106,7 Zentimeter hoch. Ein Hindernis mit Angstfaktor, sollte man meinen. Zumindest für einen Jugendlichen, der dabei ist, sich frühzeitig und konsequent mit der Männerhürde anzufreunden. Fünf Männerhürden sind fünf echte Prüfungen, aber der Abiturient aus Dudenhofen absolvierte sie dynamisch und scheinbar spielerisch. „Erst leuchtete 8,00 auf, das war schon riesig, dann 7,97 Sekunden. Unglaublich. Der Lauf hat sich richtig geil angefühlt. Mit dieser Zeit habe ich heute nicht gerechnet, aber sie bestätigt unseren Weg“, sagte Lickteig. Seinen Weg geht er sehr eng mit seinem Vater und Trainer Thomas, alles läuft da nach Plan. Nichts wird dem Zufall überlassen.

Lickteigs Zeit war sicher die überragende Leistung des gestrigen zweiten Tages der Meisterschaften in der neuen Leichtathletik-Arena. Die blaue Bahn, auf der vor zwei Jahren die EM in Göteborg stattfand und auf der in zwei Wochen die nationalen Titelkämpfe über die Bühne gehen, ist wirklich sehr schnell, aber auch recht schwierig zu laufen. Das trifft vor allem auf die Rundbahn zu. „Man wird aus der Kurve richtig rausgetragen, und die Bahnen sind auch schmäler, man muss verdammt aufpassen“, sagte Christian Kiemstedt, der in 21,88 Sekunden Platz drei über 200 Meter belegte. „Mein Trainer meinte, ich hätte den Sieg verschenkt, weil ich nicht aggressiv genug war“, gab der 22 Jahre alte Student an der Uni Mainz die Meinung von Juri Tscherer wieder und war selbst nicht zufrieden mit sich.

Auch Imram Ahmed, der 16 Jahre alte Dreispringer der TSG Grünstadt, der 2014 deutscher Schülermeister gewesen war, haderte in der U18 mit sich. Zu gerne wäre er endlich die 14 Meter gesprungen, ließ aber „nur“ 13,93 anschreiben. Trainer Rainer Drechsler sagte: „Er war geschockt, dass Benjamin Gassioui, den er vergangenes Jahr besiegt hatte, gleich im ersten Versuch 14,55 Meter vorlegte. Ich war aber zufrieden mit ihm. Wir wollen ihn langsam aufbauen und legen momentan viel wert auf Koordination.“

Auf der Anlage zurück ist Natasha Montgomery (früher Benner), die nach längerer Pause seit einem Jahr wieder trainiert und gestern mit 3,90 Meter die einzige Medaille ans LAZ Zweibrücken holte. „Dafür, dass ich seit zwei Jahren keine Höhe stehen habe, bin ich zufrieden“, sagte sie.

Viel Pech hatte Ricarda Lobe, die vom TV Nußdorf zur MTG Mannheim und Hürdentrainer Rüdiger Harksen wechselte. Sie war wohl so schnell wie noch nie unterwegs trat in die vierte Hürde und scheiterte. „Ich war echt gut drauf, das ist sehr schade“, meinte die Südpfälzerin traurig. Den Titel vor Augen hatte auch die Startgemeinschaft „Sprintteam Pfalz“ über 4x200 Meter. Stefan Estelmann mit einer tollen Runde, Florian Hochdörffer und Felix Schulze legten gut vor, führten mit zehn Meter Vorsprung, dann lief Robert Schumacher etwas zu früh los. Disqualifikation, der Titel war futsch.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
21.–22.02.2015 Deutsche Hallenmeisterschaften 2015 Karlsruhe (Deutschland)
07.–08.02.2015 Süddeutsche Hallenmeisterschaften 2015 Karlsruhe (Deutschland)
01.–03.03.2013 Hallen-Europameisterschaften 2013 Göteborg (Schweden)