Karlsruhe. Endlich wieder Frauen-Stabhochsprung beim Karlsruher Indoor Meeting – das ist für die Europameisterschaftszweite Lisa Ryzih (28) vom ABC Ludwigshafen die beste Nachricht überhaupt. Warum? Weil das Sportfest sozusagen vor ihrer Haustür liegt und sie nicht von weit her anreisen muss und weil sie weiß, wie wichtig eine vernünftige Wintersaison für den Sommer ist.

27 Trainingssprünge in der Halle absolvierte Lisa Ryzih am Montag, und gestern hängte sie ein intensives Athletik-Freilufttraining dran. „Im November und Dezember wird die Basis für die neue Saison gelegt, und ich arbeite schon sehr intensiv“, sagte Ryzih, die auf ihre bisher beste Saison zurückblickt, auch wenn es in Rio de Janeiro mit 4,50 Meter und Platz zehn nicht ganz nach ihrenWünschen lief.

Dass nach ein paar Jahren Männer-Stabhochsprung in Karlsruhe nun wieder die Frauen dran sind, ist international begründet, denn zum zweiten Mal ist Karlsruhe Teil der im Vorjahr gegründeten „World Indoor Tour“, bei der der Frauen-Stabhochsprung eine von elf Disziplinen ist.

Die World Indoor Tour beginnt am 28. Januar in Boston, nach Düsseldorf am 1. Februar und Karlsruhe am 4. Februar geht es am 10. Februar in Torun (Polen) und am 14. Februar in Birmingham weiter. Pro Disziplin sind für den Gesamtsieger 20.000 US-Dollar ausgesetzt. Außerdem erhält er eine Wildcard für die Hallen-WM 2018. Weitere Starts bei der Tour konnte Lisa Ryzih gestern noch nicht bestätigen.

Das Karlsruher Indoor Meeting stand zuletzt zweimal auf der Kippe, wie viele andere Meetings in Deutschland und Europa auch, die dann auch tatsächlich aus dem Kalender gefallen sind: zum ersten Mal, als die Europahalle wegen der Brandschutzbestimmungen geschlossen wurde und das Meeting in die Messe Karlsruhe nach Rheinstetten ausweichen musste, und dann in diesem Jahr, weil die Stadt Karlsruhe nach einem Gemeinderatsbeschluss den Zuschuss reduzierte – von 820.000 auf 550.000 Euro. Der Gesamtetat beträgt etwas über eine Million Euro, die Hälfte davon fließt in die Infrastruktur einer eigentlich nackten Messehalle.

Aber das 33.Meeting ist eben Tradition, und Sportdirektor Alain Blondel sowie Martin Wacker von der Karlsruhe Event GmbH sind unermüdliche Kämpfer in der Sache. Sie wissen um das Interesse am Meeting, der spürbare Rückenwind, der vom Leichtathletik-Weltverband kommt, hilft ihnen sehr. Dennoch weiß nach immer neuen Dopingenthüllungen auch Blondel: „Die Situation ist überall viel schwieriger geworden. Geldgeber für ein solches Meeting zu motivieren, ist nicht einfach.“

Lisa Ryzih, die die EM im März in Belgrad als Hallensaison-Höhepunkt ansieht und einmal mehr den deutschen Rekord von 4,76 Meter angreifen will, bewertet die Doping-Enthüllungen in ihrem Geburtsland Russland als positiv. „Je mehr Licht in die Sache kommt, desto besser ist das für uns. Ich bin froh, dass hart durchgegriffen wird“, sagte sie gestern. Sie baut künftig auf dieselbe Ausgangslage aller. Im Rückblick weiß sie allerdings nicht, ob sie in ihrer Laufbahn „ein paar Plätze durch Gedopte verloren“ hat.