Es gibt keine Chance, die Ganztagsschulen wegzudiskutieren“, erklärte Dieter Krieger, Schulsportreferent der ADD in Neustadt und Vizepräsident Bildung des Sportbundes Pfalz, beim Merkur-Sportstammtisch. Damit wollte er zum Ausdruck bringen, dass bei allen Vorbehalten verschiedener Sportvereine gegen die Schulform, sie sich mit ihr auseinandersetzen, sich mit ihr arrangieren müssen. Dabei wollte der Referent nicht verkennen, dass es zu Überschneidungen beim Übungsangebot kommen kann.

Doch sieht er darin gleichzeitig eine Chance, dass Schule und Verein Kooperationen eingehen können. Damit wären zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Einerseits könnte der Sportverein den Übungsleiter stellen und andererseits gleichzeitig Werbung für sich selbst machen. Wie der Leiter der Zweibrücker Hilgardschule, Christian Weppler, in seiner Ganztagsschule festgestellt hat, ist ein Gros seiner Schüler in keinem Verein Mitglied.

Doch worin liegt der Vorteil einer Ganztagsschule und für die Sportvereine? Die Ganztagsschulen, wie etwa die Hilgardschule seit diesem Schuljahr, die Pestalozzi-Schule seit 2004 und die Hauptschule Nord seit 2002, sind vordergründig dem Willen und den Wünschen der Eltern nachgekommen. Wie keine andere Schulform beherbergt sie die Kinder an vier Tagen in der Woche bis 16 Uhr. Das bietet berufstätigen Eltern eine große Sicherheit und nach Schulschluss haben die Schüler ihre Hausaufgaben bereits gemacht.

Noch wichtiger erscheint: In den Ganztagsschulen sind täglich die Elemente Sport, Spiel und Bewegung spielerisch eingegliedert. Dieses „gute Bewegungsangebot“, wie es Dieter Krieger bezeichnete, ist vielen Sportvereinen ein Dorn im Auge. Sie fürchten, dass der Nachwuchs den vereinseigenen Sportstunden fernbleibt, wenn er sich bis in den späten Nachmittag in den Ganztagsschulen körperlich ertüchtigt hätte.

Doch diese Befürchtungen sind bisher mit keinerlei Zahlenmaterial belegt. Vielmehr gelte es in den Sportvereinen zu überdenken, ob ihre Übungsleiter qualitativ entsprechend ausgebildet sind, dass sie allen Anforderungen gerecht werden. Und das wurde in der Diskussion beim Merkur-Sportstammtisch deutlich, dass, ob nun Ganztagsschule oder Sportverein, die Qualität der Übungsleiter eine herausragende Rolle spielt. Das bestätigte auch der Präsident der VT Zweibrücken, Otto Graßhoff. Während in vielen Vereinen darüber geklagt wird, „dass ihnen die Turner weglaufen“, kann er in seinem Verein von einem regelrechten Boom sprechen. Ausschlaggebend sind für den ehemaligen stellvertretenden Schulleiter des Hofenfels-Gymnasiums die engagierten Trainerinnen Sonja Rayer und Birgit Becker-Geib bei den Mädchen und Trainer Andreas Bischof bei den Jungen. Diese ausgezeichnete Vereinsarbeit spiegelt sich auch in den Kooperationen mit Helmholtz- und Hofenfels-Gymnasium wider. Sichtbares Zeichen war in der vergangenen Woche der Sieg der beiden Riegen beim Landesfinale im Gerätturnen beim Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ in der Wettkampfklasse (WK) IV (Jahrgänge 1997 bis 2000) in Edenkoben. Bei den Mädchen gelang sogar ein Zweibrücker Doppelsieg, da das Helmholtz-Gymnasium (HHG) Zweiter wurde. In der WK II (1992 bis 1994) siegte die Mannschaft des Helmholtz-Gymnasiums beim Landesfinale in Ramstein-Miesenbach. „Wir müssen den Vereinen, wie der VTZ und der VT Contwig, dankbar sein. Wir als Schule wären gar nicht in der Lage, diese Arbeit zu leisten“, zollte Ulrike Rohnert, Fachbereichsleiterin Sport am HHG, höchstes Lob. Ähnliche Erfolge verzeichnen das HHG auch im Handball bei der Kooperation mit dem SV 64, und beim HFG sind die Tischtennisspielerinnen eine feste Größe beim Bundesfinale in Berlin. Den Schulen obliegt quasi nur noch die Betreuung ihrer Mannschaften.

Doch sollten diese Beispiele der erfolgreichen Kooperationen die Sportvereine auch bezüglich der Ganztagsschulen beflügeln, selbst aktiv zu werden. Hier sollte zumindest versucht werden, durch die Leitung der Übungsstunden aktiv zu werden und Talente zu sichten. Das stellt zweifellos eine große Herausforderung für die Sportvereine dar, wobei an die pädagogischen Qualifikationen hohe Anforderungen gestellt werden. Gleichzeitig sieht Ulrike Rohnert darin aber auch wieder „eine Chance für die Vereine“. Sie könnten mit einem attraktiven Angebot Nutzen aus den Ganztagsschulen ziehen, wie Christian Weppler, Leiter des Karateclubs Dojo-Kyohan, erkannt hat. In der Schule kann das Interesse für das Angebot in den Sportvereinen geweckt werden, wie er erkannt hat.

Das sieht auch Karl-Peter Henrich, Schulleiter der Hauptschule West in Bubenhausen, so: „Wir müssen die Kompetenz der Vereine nutzen“. Er unterhält beispielsweise eine Kooperation mit den Ringern aus Erbach.

Doch all die Anstrengungen gelten nur für den Breitensport, denn der Spitzensport unterliegt anderen Gesetzmäßigkeiten. Doch ist sich der Vorsitzende des LAZ Zweibrücken, Josef Scheer, sicher, dass auch sein Verein die Chance in den Ganztagsschulen „nicht verpennen“ dürfe.