Zweibrücken. „Es ist sicher die am schwersten erkämpfte meiner bisherigen Olympia-Teilnahmen“, gibt Raphael Holzdeppe unumwunden zu. Am 7. August hob der Stabhochspringer des LAZ Zweibrücken nach Brasilien ab, um nach Peking 2008 und London 2012 an seinen dritten Olympischen Spielen teilzunehmen. Heute Nacht gilt es in der Qualifikation. Und obwohl die Freiluftsaison nach langer Verletzungspause bisher alles andere als gut verlief, sagt der 26-Jährige: „Ich habe das Ziel, in Rio um Medaillen mitzuspringen. Ich bin überzeugt, dass ich die Form dazu habe.“

So selbstbewusst heute Abend um 20.20 Uhr Rio-Zeit, Sonntag 1.20 Uhr bei uns, in Rio de Janeiro in die Qualifikation zu starten, ist nach dem bisherigen Saisonverlauf nicht selbstverständlich. Nach der Fußverletzung Ende Februar bei der Hallen-DM und der anschließenden Operation hatte sich der Bronzemedaillen-Gewinner von London 2012 mit viel Arbeit zur Sommersaison zurückgekämpft. Aber dann bremsten ihn muskuläre Probleme im Oberschenkel immer wieder aus. Der vereinseigene Himmelsstürmer-Cup Mitte Juni – warm gemacht, abgebrochen. Die deutsche Meisterschaft in Kassel eine Woche später – abgesagt. Für die EM in Amsterdam eine Woche darauf trotzdem vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) nominiert – wieder abgesagt. Es ging noch nicht.

Umso mehr hatte Holzdeppe deshalb dem Abschiedswettkampf der deutschen Olympia-Teilnehmer Ende Juli in Mannheim entgegen gefiebert. „Endlich wieder ein Wettkampf. Da hab ich mich riesig darauf gefreut, um wieder im Wettkampf Rhythmus reinzubekommen. Und ich war zu hundert Prozent fit, konnte völlig frei und ohne Bedenken springen.“ Vorsichtsmaßnahmen mussten nicht mehr eingeplant werden. Nach Holzdeppes Ergebnis in Mannheim dürfte die internationale Konkurrenz bei Olympia endgültig wieder hellhörig geworden sein: Der LAZ-Starter flog im ersten Versuch über 5,70 Meter und baute noch ein ordentliches Haus drüber – Erleichterung bei Holzdeppe und seinem Trainer Andrei Tivontchik über den endlich geglückten Saisoneinstand.

Diese 5,70 Meter, die vom DLV geforderte Norm für Olympia, hatte der Wahl-Saarbrücker Holzdeppe die ganze Saison über im Blick gehabt. Durchaus auch bangen Blickes, denn wenn außer dem Deutschen Meister Tobias Scherbarth und Karsten Dilla (beide TSV Bayer 04 Leverkusen) noch ein anderer deutscher Springer diese Höhe gesprungen wäre, wäre es nichts geworden mit dem Rio-Ticket für Holzdeppe. So aber vertraute der DLV, wie schon vor der EM in Amsterdam, letztlich dem Weltmeister von 2013 – dessen Auftritt in Mannheim gab dem Verband Recht. Holzdeppe ist dankbar für dieses Vertrauen.

Dass er fit werden würde, stand für den Optimisten aber auch außer Zweifel. „Ich habe mich vor Mannheim schon sehr, sehr gut gefühlt. Wir haben super trainieren können, Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer sind da. Seit ein paar Wochen bin ich wieder bei hundert Prozent.“ Er habe auch gemerkt, dass die in den vergangenen Jahren antrainierte Leistungsfähigkeit nach der Verletzung im Februar schnell wieder gekommen sei.

„2008 war eine Riesenüberraschung, 2012 geplant, das hier war schwer erkämpft“, weiß Holzdeppe dennoch um die Schwierigkeiten rund um seine dritte Olympia-Teilnahme nach Peking und London. Fünf volle Tage blieben ihm nach der Ankunft in Rio zum Akklimatisieren. „Das reicht“, meinte er im Vorfeld. Er wohnt im olympischen Dorf, mit dem Gastgeberland Brasilien hat er sich nach eigenem Bekunden im Vorfeld intensiv beschäftigt. Heute steigt dann die Qualifikation, zwei Tage später würde er gerne im Finale starten, um seinen Traum von einer erneuten Olympia-Medaille wahr zu machen. „Ich bin überzeugt, dass ich die Form habe“, sagt er.

Und nach dem Wettkampfstress? „Ich hab das große Glück, diesmal noch eine Woche Zeit zu haben. Da werde ich schauen, was ich mir noch für andere Sportarten angucken kann.“ Ansonsten sei er auch der typische Tourist. „Copacabana, Christus-Statue, Zuckerhut“, zählt er auf, wohin er gerne möchte. Sicher am liebsten mit einer Medaille im Gepäck.

Zur Person:

Raphael Holzdeppe

  • Geboren: am 28. September 1989 in Kaiserslautern

  • Disziplin: Stabhochsprung

  • Beruf: Profi

  • Verein: LAZ Zweibrücken, 2000 bis 2012, seit 12/2014

  • Trainer: Andrei Tivontchik

  • Bestleistung: 5,94 Meter im Jahr 2015 (5,84 Meter in der Halle, 2016)

  • Größte Erfolge: Deutscher Meister 2015 mit neuer Bestleistung (5,90 m), Vize-Weltmeister 2015, Weltmeister 2013, Olympia-Bronze 2012, Platz acht 2008 bei Olympia in Peking, Junioren-Weltmeister 2008 (5,50 m).

Info:

Das LAZ Zweibrücken lädt für heute Nacht, um 1 Uhr, zu einem außergewöhnlichen Public Viewing ein. Unter Fachleuten ist die Stabhochsprung-Qualifikation der Männer an einer Beamer-Wand in der Dieter-Kruber-Halle zu verfolgen. Das LAZ lädt alle Leichtathletik-Freunde kostenlos dazu ein.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)