Rheinstetten. Die Stabhochsprungschule des LAZ Zweibrücken hat definitiv schon bessere Zeiten erlebt: Bei der Hallen-DM am Wochenende in Karlsruhe gab’s keine Medaille für einen LAZ-Springer. Aber der dort arbeitende Frauen-Bundestrainer Andrei Tivontchik, 1996 Olympiadritter in Atlanta, bleibt gelassen, strahlt Ruhe aus und macht eine für die Situation typische Handbewegung: Er zeichnet Wellen nach. Will heißen: Es ist ein Auf und Ab.

Daniel Clemens war gestern mit 5,35 Meter der beste Zweibrücker auf Platz vier, Weltmeister Raphael Holzdeppe produzierte bei der Einstiegshöhe von 5,45 Meter einen „Salto nullo“ , die nach schwerer Verletzung ins Training zurückgekehrte Kristina Gadschiew startete gar nicht.

Die Aufregung der Öffentlichkeit um Holzdeppes Fehlversuche mag groß sein, Tivontchik versucht sie zu dämpfen. „Ich weiß, dass das viele nicht verstehen. Ich verstehe es aber, weil ich Raphael täglich im Training sehe. Das Potenzial ist da. Er muss sein Sprunggefühl wieder entwickeln, das ist gerade nicht da“, sagte der Coach. „Er kann das nur finden mit springen, springen, springen. Im Training und in Wettkämpfen. Ich finde es sehr gut, dass er sich stellt.“

Holzdeppe sagte im RHEINPFALZ-Interview: „Ich bin enttäuscht, aber nicht frustriert. Im Moment ist der Wurm drin.“ Auch er strahlt ziemliche Gelassenheit aus, weil er wusste, dass diese Hallensaison Höhen und Tiefen bringen wird. Ihm fehlt aufgrund der Verletzung des vergangenen Jahres noch die Konstanz und Sicherheit. Immer wieder als Weltmeister angekündigt zu werden, sieht Holzdeppe dabei nicht als Belastung: „Es ist eher Motivation für mich, man will den Zuschauern was zurückgeben. Es ist ärgerlich, wenn es nicht zum Absprung oder zum Versuch kommt.“ Und eine „Kopfsache“ sind die derzeitigen Probleme aus seiner Sicht auch nicht: „Nein, es ist eine Trainingssache. Dort legt man die Basis, dass im Wettkampf alles funktioniert. Ich bin gut am Trainieren.“ Die Hallen-Europameisterschaft in 14 Tagen in Prag hat er sich allerdings abgeschminkt: „Das ist vorbei. Ich wäre bei entsprechender Höhe wieder gerne international gestartet, aber ich weine dem verpassten Ticket nicht hinterher. Ich freue mich umso mehr auf die Weltmeisterschaft im Sommer in Peking.“

Ziemlich sauer war Daniel Clemens (22). „Das war sch ... Ein schwarzer Tag. Die Anfangshöhe von 5,35 war kein Problem, auch wenn der Sprung keine Schönheit war. Ich ging das gelassen an nach dem guten Einspringen. Dann war ich im ersten bei 5,45 Meter im Anlauf einfach zu passiv, im zweiten und im dritten war der Stab zu weich. Zum Kotzen“, meinte der EM-Dritte von Tampere. „Jetzt werde ich mir am Samstag in unserer Halle in Zweibrücken den Frust von der Seele springen“, sagte Clemens.

„Schade für ihn“, sagte Tivontchik über Clemens. Im Sommer 2014 hatte er den dritten Platz bei den deutschen Meisterschaften in Ulm belegt, gestern reichte es nur zu Platz vier mit übersprungenen 5,35 Meter. „Daniel kann mehr, im Training passt alles. Sein Problem ist, dass er im Wettkampf noch nicht umsetzen kann, was er im Training zeigt.“

Im Frauen-Sprint stellte sich Sina Mayer, die sich im vergangenen Jahr durch sehr gute Leistungen als deutsche Staffelersatzläuferin die Reise zur U20-WM nach Eugene verdient hatte, dem Starter über 60 Meter und blieb im Vorlauf mit 7,72 Sekunden hängen. „Die Nervosität war zu groß, der Start eine Katastrophe“, machte die 20-Jährige eine klare Ansage. Ihre Hoffnung, ein Start im Zwischenlauf, erfüllte sich nicht. Die Hallensaison ist nun für sie vorbei, am Samstag beim Hallenstürmer-Cup wird sie die Leitung des Essenund Getränkestandes übernehmen. Beim LAZ absolviert sie seit August ihr Freiwilliges Soziales Jahr und arbeitet im Kindertraining, in dem das LAZ eine Kooperation mit der Hilgard-Grundschule eingegangen ist.

LAZ-Stabhochspringer Daniel Clemens landete bei der Hallen-DM auf dem undankbaren vierten Platz. Er selbst fand seinen Wettkampf und die Platzierung schlichtweg „zum Kotzen“.
LAZ-Stabhochspringer Daniel Clemens landete bei der Hallen-DM auf dem undankbaren vierten Platz. Er selbst fand seinen Wettkampf und die Platzierung schlichtweg „zum Kotzen“. (Foto: Kunz)

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
21.–22.02.2015 Deutsche Hallenmeisterschaften 2015 Karlsruhe (Deutschland)
06.–08.03.2015 Hallen-Europameisterschaften 2015 Prag (Tschechien)