Raphael Holzdeppe springt mit gerade mal vier Versuchen zum Erfolg beim Heim-Meeting des LAZ Zweibrücken. Daniel Clemens schafft es nach fünf Jahren endlich, seine alte Bestmarke zu knacken und hat eine Hand an einem Ticket für die Europameisterschaft in Berlin. Und der Petersberger Nico Fremgen zieht trotz „Salto nullo“ aus dem Springen mit der Elite jede Menge Motivation für die nächsten Aufgaben.

Zweibrücken. Es gäbe aus Zweibrücker Sicht nach dieser siebten Auflage des Himmelsstürmer-Cups am Samstagabend viele spannende Geschichten zu erzählen. Etwa die Geschichte von Raphael Holzdeppe (LAZ Zweibrücken), der nach einem durchwachsenen Saisonstart ausgerechnet bei seinem Heimspiel nach einem Zitterauftakt (Anfangshöhe erst im dritten Versuch gemeistert) einen klasse Wettkampf hinlegte – inklusive einer Steigerung seiner Saisonbestleistung um 15 Zentimeter auf nun 5,81 Meter.

Oder die Geschichte von Daniel Clemens (ebenfalls LAZ), der nach vielen Jahren des Anlaufes endlich seine persönliche Bestmarke von 5,60 Meter steigern konnte – und mit 5,61 Metern nicht nur eine neue Bestleistung aufstellte, sondern en passant noch die Norm (5,60 Meter) für die Heim-Europameisterschaften im August in Berlin abhakte. Und die Geschichte von Nico Fremgen, für den der Start im Elite-Feld des Stabhochsprung-Meetings so etwas wie die Erfüllung eines kleinen Traums war. Auch wenn dieser Traum dann nicht ganz so verlief, wie es sich der 20-Jährige im Vorfeld erhofft hatte.

Begonnen hatte dieser Traum vor zwei Wochen auf dem Nürburgring. Dort weilte der Petersberger beim Musikfestival Rock am Ring. Als er zwischen zwei Konzerten vor einem Dixi-Klohäuschen auf einen Kumpel wartete, schaute er mal auf sein Handy – und sah dort eine Nachricht seines Trainers Alexander Gakstädter. In der Nachricht stand, er dürfe beim Himmelsstürmer-Cup im Hauptfeld mitspringen. „Da war ich natürlich mega-aufgeregt. So richtig realisiert habe ich das allerdings erst ein paar Tage später“, erzählt Fremgen.

Er hat sich dann natürlich sehr professionell auf den Wettkampf vorbereitet – schließlich ist es für einen Athleten seiner Güteklasse nicht unbedingt selbstverständlich, in so einem Weltklassefeld mitspringen zu dürfen. „Das ist schon etwas Besonderes“, sagte Fremgen, der bei der Bundeswehr ist und bislang im fränkischen Niederstetten stationiert war. Ab heute sind seine Wege allerdings kürzer – er arbeitet nun bei der Bundeswehr in Zweibrücken.

Der Moment, in dem Nico Fremgens Traum eigentlich so richtig beginnen sollte – der Start des Wettkampfes am Samstagabend – verlief für den LAZ-Athleten dann nicht so, wie er es sich das gewünscht und im Vorfeld sicherlich erträumt hatte. Natürlich träumt man immer davon, einen sehr, sehr guten Wettkampf abzuliefern, eine neue Bestleistung zu springen. Gerade in solch einem Wettbewerb. Gut, das klappt nicht immer. Aber zumindest einen gut verlaufenden Wettkampf wünscht man sich schon. Aus Sicht von Nico Fremgen verlief der allerdings weder sehr gut noch gut. Im Gegenteil: Er verlief ziemlich enttäuschend. Fremgen scheiterte dreimal an seiner Anfangshöhe von 5,01 Metern.

Für einen Athleten seines Leistungspotenzials ist es sicherlich nicht einfach, erst bei 5,01 Metern in den Wettbewerb einzusteigen. Trotzdem wollte der 20-Jährige sich natürlich besser präsentieren und sagte deshalb hinterher: „Ich bin schon sehr unzufrieden. Wenn man die Chance einmal bekommt, in einem so tollen Feld mitzuspringen, will man sich natürlich besser präsentieren. Da ist es schon sehr ärgerlich, wenn man es so verhaut.“

Dennoch nimmt Fremgen aus dem Wettkampf auch viel Positives mit. „Die Atmosphäre war schon einzigartig“, sagt der Petersberger. Außerdem war der Himmelsstürmer-Cup ein Wettbewerb, bei dem er eigentlich nur gewinnen konnte: Erfahrung und Eindrücke zum Beispiel. „Man lernt viel aus so einem Wettbewerb.“ Und die sportlich wichtigen Wettkämpfe kommen für ihn dieses Jahr erst noch. Zum Beispiel die deutschen Meisterschaften der Altersklasse U23 in knapp zwei Wochen in Heilbronn. „Da kommt es darauf an, da will ich gut springen“, unterstreicht Fremgen. In Heilbronn will er auf jeden Fall seine Anfangshöhe schaffen. Und auch in Höhenbereiche von 5,20 Meter springen. Das wäre dann auch eine ziemlich tolle Geschichte.

Wörtlich beim Himmelsstürmer-Cup

„Raphael ist der Typ für Bluthochdruck.“

LAZ-Vorsitzender und Organisator Alexander Vieweg über den späteren Sieger Holzdeppe, der seine Anfangshöhe 5,71 Meter erst im dritten Versuch packte.

„Hinter der Latte ist schon das Brandenburger Tor.“

Meeting-Moderator Michael Werling vor einem 5,61-Versuch von Daniel Clemens, bezogen auf die Norm für die Heim-Europameisterschaft (5,60 m) in Berlin.

„Dann hat er erstmal ein Bier aufgemacht.“

Daniel Clemens – nicht ganz ernst gemeint – über den Moment, als Nico Fremgen davon erfahren hat, beim Himmelsstürmer-Cup im Elite-Feld starten zu dürfen. Fremgen war da gerade beim Musikfestival Rock am Ring.

„Die B-Note ist ganz in Ordnung.“

Moderator Werling nach einem ungültigen Sprung des Philippinen Ernest Obiena, als der eine schöne Drehung nach der Landung machte.

„Das ist schon geil. Jetzt haben wir zwei Leute im Verein mit EM-Norm.“

Vieweg nach der Normerfüllung von Daniel Clemens für die Heim-EM im August in Berlin.

„Jan Rio, mach’ die Mucke an.“

Moderator Werlings Aufforderung an DJ Jan Rio Krause vom LAZ vor dem letzten Versuch von Friedeline Petershofen.

„Das ist genial, der Underdog hat gewonnen.“

Vieweg über Frauen-Siegerin Jacqueline Otchere, die keiner auf der Rechnung hatte.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
16.–17.06.2018 Himmelsstürmer-Cup 2018 Zweibrücken (Deutschland)