Vieles im Sport ist Kopfsache. Um immer wieder Höchstleistungen abzurufen, immer voll auf der Höhe zu sein, braucht es nicht nur einen gesunden, leistungsstarken Körper und große Disziplin, sondern auch eine starke Psyche. Neben den ausgeklügelten Trainingsmethoden und den schweißtreibenden Einheiten vertrauen Sportler neben dem Mentaltraining immer wieder auch abergläubischen Abläufen vor und während eines Wettkampfs. Für LAZ-Stabhochspringerin Kristina Gadschiew waren es lange Zeit die Hello-Kitty-Socken. In anderen Fällen wird der Energydrink zur Gewohnheit. 68 Prozent der Jugendlichen zwischen zehn und 18 Jahren trinken solche Aufputschgetränke, 30 Prozent der Erwachsenen. Jeweils jeder Zweite davon auch beim Sport, wie Dr. Matthias Stopp am Montagabend beim Merkur-Sportstammtisch erklärte. Das von der Werbung suggerierte Gefühl von Power und Vitalität versprechen sich die meisten einer Befragung zufolge davon. Ein Trugschluss. Wissenschaftliche Belege dafür gibt es keine. Der Verzehr von Energydrinks puscht nur kurzfristig durch den hohen Koffeinund Zuckergehalt, eine Leistungssteigerung ist dadurch kaum zu erwarten. Das darin enthaltene Koffein schiebt Ermüdungserscheinungen beiseite, wirklich auflösen, kann es sie nicht. Zwar sind die Energydrinks nicht für jeden gesunden Menschen gleich gefährlich, aber nutzen tun sie auch nichts. Im Gegenteil. Zu viel davon kann Angstgefühle erzeugen – kontraproduktiv für einen Wettkämpfer. Auch der Puls kann künstlich erhöht werden. Dabei trainieren gerade Spitzensportler diesen herunter. Aus welchem Grund sollte ich dann Energydrinks konsumieren? „Es gibt eigentlich keine rationalen“, sagt Stopp. Am Geschmack kann es auch nicht liegen – davon habe ich mich am Montag nach dem Anschmecken einiger ausgewählter Produkte aus der großen Palette überzeugt.

Es scheint reine Kopfsache. Wie bei vielen anderen Riegelchen und Pülverchen, die es als Energiespender, zum Muskelaufbau, für Power und Vitalität gibt. Es gelingt dabei vielleicht, die Psyche auszutricksen, den Körper nicht. Das Marketinginstrument, vor allem in Verbindung mit sportlicher Höchstleistung, funktioniert. Sicher gibt es auch Sportgetränke und Sportlernahrung, „die mit hochwissenschaftlichem Ansatz so zusammengestellt sind, dass sie dem Körper das zurückgeben, was er bei der Belastung verliert“, betont Stopp. Dagegen sei nichts einzuwenden. Für Marathonläufer, Triathleten und extreme Ausdauersportler teilweise sogar nicht wegzudenken. Der Energydrink gehört da aber sicher nicht dazu. Er ist kein Sportgetränk. Wichtiger seien neben dem Training die gesunde Ernährung – und viel Flüssigkeit. Mir wird es nicht schwerfallen, weiterhin zur Apfelschorle zu greifen – auf den süßen Gummibärchengeschmack zu verzichten. Und brauche ich für meine Psyche doch einen Aberglauben, dann greife ich lieber weiter auf das Ritual zurück: Zuerst die linke Socke vor der rechten, den linken Sportschuh vor dem anderen anzuziehen. Zum Siegen verhilft mir das sicher auch nicht – gesünder ist es aber allemal.