Wenn die Kaiserslauterer Bahnradweltmeisterin Miriam Welte zu Bett geht, weiß Adams, wo sie schläft. Adams kennt Arbeitszeiten und Arbeitsort, weiß, wo und wann sie trainiert. Adams ist kein Mensch, sondern das „Anti-Doping Administration and Management System“, eine Datenbank der Welt-Anti-DopingAgentur Wada. Wer es im Sport nach oben schaffen will, kommt an Adams oft kaum vorbei.

Immerhin 2000 Sportler sind in Deutschland bei Adams registriert. Seit Jahren stellt die Wada das System allen Anti-Doping-Organisationen zur Planung und Durchführung von Dopingkontrollen zur Verfügung. Mit Adams soll die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) immer wissen, wo sie einen Athleten mit einer Kontrolle überraschen kann.

„Wir nutzen Adams nur rudimentär“, erklärt Lars Mortsiefer, Chefjustiziar der Nada. Adams habe zwar mehr Module, in Deutschland erfasse man aber nur die „Whereabouts“, die Aufenthaltsorte der Athleten. Das hat auch mit Datenschutz zu tun, denn der Adams-Server steht in Kanada. Für das Löschen der Daten ist die Wada, nicht die Nada, zuständig. Medizinische Daten etwa speichere man daher in eigenen Nada-Datenbanken.

Für Athleten wie Miriam Welte oder Kristina Gadschiew, Stabhochspringerin beim LAZ Zweibrücken, stellt Adams eine Herausforderung dar – auch in abgespeckter Form. Viermal im Jahr müssen sie für das nächste Vierteljahr eintragen, wo sie sich regelmäßig aufhalten und übernachten. Welte muss dazu täglich eine Stunde angeben, in der sie für Kontrolleure erreichbar ist. „Die Auflagen sind härter als für einen verurteilten Straftäter“, klagt sie. Bei ihr schätzt die Nada das Dopingrisiko als hoch ein. Das liegt nicht an Welte als Person. Alle Bundeskadersportler werden in einen von drei Testpools eingeteilt: hohes, mittleres und niedriges Dopingrisiko. In welchem Pool ein Sportler landet, hängt davon ab, welchem Kader er angehört. Und davon, wie hoch die Nada das Dopingrisiko für seine Sportart einstuft. Gehört ein Sportler dem Pool für hohes oder mittleres Risiko an, ist Adams Pflicht.

Adams’ Datenhunger ein Vierteljahr im Voraus zu befriedigen, ist für die Sportler nicht einfach. „Oft weiß ich noch nicht, welche Termine ich habe, und die Wettkämpfe stehen noch nicht fest“, sagt Welte. Immerhin: Über eine App kann sie kurzfristig noch den Kalender aktualisieren, das funktioniere gut. Aber selbst dann „ist man immer auf eine Internetverbindung angewiesen“. Im Ausnahmefall hilft nur eine SMS an die Nada.

„Wir beugen uns dem System, sonst dürfen wir nicht starten“, sagt Kristina Gadschiew.

„Man muss sich für alles abmelden“, erzählt Kristina Gadschiew: „Das ist, als ob man jemanden um Erlaubnis bitten muss, wenn man ausgehen möchte.“ Zwischen Unistress und Training habe sie mal vergessen, Adams zu aktualisieren. Der Kontrolleur war da, sie nicht. Konsequenz: ein Missed Test. Wer in einem Jahr drei davon kassiert, wird gesperrt.

Es ist ein Dilemma, in dem viele Sportler stecken. Sie wollen den sauberen Sport. Adams wird als notwendiges Übel akzeptiert. „Wir beugen uns dem System, sonst dürfen wir nicht starten. Außerdem ist es wichtig für einen sauberen Sport“, sagt Gadschiew. „Ich kenne niemanden, der sich Adams verweigert. Man würde sich ins eigene Fleisch schneiden“, meint sie: „Es geht ja nicht anders.“

Vielleicht doch. Derzeit laufen Tests für eine Weiterentwicklung von Adams: Eves, eine Art Sportler-Ortungssystem. Die Idee stammt von einem Athleten. Findet ein Kontrolleur den Sportler trotz Adams nicht, soll er ihn über ein kleines Modul ausfindig machen können.

Die Nada unterstützt Eves. Das System soll als Ergänzung zu Adams und ausschließlich freiwillig genutzt werden. „Sicherlich polarisiert Eves noch“, sagt Mortsiefer. „Manche finden das gut und wichtig, andere sagen, dass es sie unverhältnismäßig einschränke.“ Auch Welte spricht von einem „extremen Eingriff“, sieht aber auch Vorteile: „Es kann nicht mehr passieren, dass man einen Missed Test bekommt.“ Gadschiew aber hat sich entschieden: „So kannst du keinen Schritt mehr tun, ohne dass man rausfinden kann, wo du bist. Dann lieber die Aufenthaltsorte angeben.“

Nils fragt: Was ist die Nada?

Vielleicht hast du schon einmal von Doping gehört. Im Sport ist das leider ein sehr bekanntes Thema. Doping bedeutet, dass ein Sportler zum

Beispiel Medikamente nimmt, um besser zu werden. Mit diesen Mitteln kann er dann schneller rennen oder weiter springen. Denn die Medikamente sorgen dafür, dass die Muskeln eines Sportlers besser arbeiten. Oder dass er weniger Schmerzen empfindet. So kann er seinen Körper noch weiter an seine Grenzen treiben.

Wer Dopingmittel nimmt, hat einen Vorteil gegenüber denjenigen, die das nicht tun. Das ist nicht fair. Schon deshalb ist Doping verboten. Aber es gibt noch einen weiteren wichtigen Grund: Doping ist gefährlich. Viele Medikamente haben Nebenwirkungen. Das heißt, sie machen einen Sportler nicht nur schneller oder ausdauernder, sondern können seinem Körper auch schaden. Es gibt sogar Sportler, die schon an den Folgen von Doping gestorben sind.

Trotzdem gibt es immer wieder Athleten, die dopen. Einige von ihnen hoffen, dass sie so mehr Wettkämpfe gewinnen, berühmter werden und mehr Geld verdienen.

Die Nada will verhindern, dass Sportler dopen. Nada ist eine Abkürzung und steht für Nationale Anti-Doping-Organisation. Die kümmert sich darum, dass Sportler überprüft werden, ob sie Dopingmittel nehmen oder nicht. Das ist schwierig, weil viele Mittel nicht so leicht nachzuweisen sind. Deshalb beauftragt die Nada dafür Experten. Die kontrollieren die Athleten bei Wettkämpfen oder im Training. Die Sportler müssen etwas Blut oder Urin für eine Probe abgeben. Das wird dann in einem Labor untersucht. Wann und wie oft sie kontrolliert werden, wissen die Sportler übrigens nicht – das macht’s noch schwieriger zu schummeln.