Am Wochenende kämpfen die Leichtathleten in Erfurt um DM-Titel und WM-Normen. Das LAZ Zweibrücken ist mit Raphael Holzdeppe, Christin Hussong und Sina Mayer stark vertreten.

Zweibrücken. Gleich drei heiße Eisen hat das LAZ Zweibrücken an diesem Wochenende bei den deutschen Meisterschaften der Leichtathleten im Feuer. Mit der Speerwurf-Titelverteidigerin Christin Hussong und Stabhochspringer Raphael Holzdeppe melden gleich zwei davon sogar Ansprüche auf den Sieg an. Für Sprinterin Sina Mayer soll es in Erfurt bei der Generalprobe zur U23EM über die 100 Meter mit dem Sprung ins A-Finale klappen.

Dass Holzdeppe am Sonntag mit dem Selbstbewusstsein antritt, „natürlich gewinnen“ zu wollen, ist als Führender der deutschen Jahresbestenliste mit 5,80 Metern zwar verständlich, allerdings hat auch der 27-Jährige nicht unbedingt den perfekten Start in die Saison erwischt. Die zudem nach Erkrankung, Stabbruch und technischen Problemen weiter mit Höhen und Tiefen verläuft. Erst am Donnerstagabend musste sich der Zweibrücker beim Diamond-League-Meeting in Lausanne (Schweiz) wieder mit 5,53 Metern und Rang zehn begnügen. Während die Konkurrenz um den diesjährigen Überflieger Sam Kendricks aus den USA und den höhengleichen Polen Pawel Wojciechowski auf 5,93 Meter davonflogen. Nach dem gültigen Versuch gleich im ersten Anlauf über die Anfangshöhe ließ Holzdeppe die 5,63 Meter aus, scheiterte danach aber dreimal an den 5,73. „Perfekte Form, perfekte Bedingungen, aber leider nur 5,53 Meter. Es sollte einfach nicht sein“, lautet die nüchterne Bilanz des Weltmeisters von 2013. „Einfach am Sonntag in Erfurt besser machen“, geht sein Blick aber optimistisch nach vorne. Was die Höhe angeht, müsse man abwarten, wie die Bedingungen sein werden. Aber gewinnen will der 27-Jährige, der nach seinem ersten DM-Titel vor zwei Jahren bei der vergangenen Auflage verletzt passen musste, auf jeden Fall.

Mit Blick auf die deutsche Konkurrenz geht Holzdeppe, der als Einziger in diesem Jahr die 5,80 Meter überquert hat, auch als Favorit in die DM. Mit dem überraschenden Norm-Erfüller Torben Laidig (5,70 m, WGL Schwäbisch Hall) haben erst zwei die Qualihöhe für die WM Anfang August in London gemeistert. So kann der Zweibrücker recht entspannt und ohne Druck in die nationalen Titelkämpfe gehen. Einige Stab-Artisten wie der WM-Siebte und DM-Titelverteidiger Tobias Scherbarth, Karsten Dilla oder Team-Europameister Hendrik Gruber (alle TSV Bayer Leverkusen) werden aber alles geben, die WMNorm noch zu meistern und Holzdeppe den DM-Titel streitig zu machen.

In die Rolle der Gejagten schlüpft in diesem Jahr Speerwerferin Christin Hussong. Die Titelverteidigerin, die sich im vergangenen Jahr mit ihrem fulminanten Wurf auf 66,41 Meter die deutsche Meisterschaft gesichert und sich in der Weltrangliste weit nach vorne geschoben hatte, hat in dieser Saison zwar ebenfalls mit Problemen zu kämpfen, will ihren „Titel aber natürlich verteidigen“. Den Druck, die WM-Norm (61,40 m) noch meistern zu müssen, hat die 23-Jährige recht früh in der Saison von den Schultern nehmen können. Mit ihren 61,91 Metern aus Halle liegt sie in der deutschen Jahresbestenliste allerdings hinter Weltmeisterin Katharina Molitor (62,26 m) und wartet noch auf den Ausreißer nach oben. „Ich hatte in den vergangenen Wochen mit technischen Problemen zu kämpfen“, erklärt Christin Hussong. Aber die Unstimmigkeiten im Timing sowie beim Stemmschritt habe sie gemeinsam mit ihrem Vater und Trainer Udo Hussong pünktlich vor der DM ausgebügelt. „Ich weiß, was ich drauf habe und glaube fest daran, wieder weiter werfen zu können“, betont die U23-Europameisterin. „Ohnehin zählt in diesem Jahr nur, was in London passiert“, blickt Hussong bereits auf den Saisonhöhepunkt voraus. Dort dürfte sie unabhängig vom Ausgang der DM dabei sein. Denn nach dem Karriereende von Christina Obergföll und Linda Stahl ist der Kampf um die WM-Tickets im Vergleich zu denen für die Olympischen Spiele im vergangenen Jahr deutlich entschärft. Den Druck macht sich, wenn überhaupt, die Werferin selbst, die sich zum Ziel gesetzt hat, als beste deutsche Werferin zur WM nach London zu reisen.

Obwohl es, sollte in Erfurt alles optimal für die Sprinterin des LAZ Zweibrücken laufen, sogar für Sina Mayer eine Minimalchance auf ein WM-Staffelticket gibt, ist dieses nicht ihr vorrangiges Ziel. Die deutschen Meisterschaften sind für die 22-Jährige vielmehr die Generalprobe für ihren Saisonhöhepunkt, die U23-Europameisterschaften kommende Woche in Polen. „Es ist eine gute Vorbereitung“, erklärt Mayer, die allerdings nicht ganz ohne Ziel nach Erfurt reist. Das Erreichen des A-Finales über 100 Meter sowie eine 11,30er Zeit sollen schon drin sein. Dieser Anspruch kommt für die LAZ-Athletin nicht von ungefähr. Immerhin fährt sie mit ihrer neuen Bestzeit von 11,25 Sekunden als Dritte der deutschen Jahresbestenliste zur DM. „In Erfurt starten wir erstmals in dieser Saison alle zusammen unter den gleichen Bedingungen – ich bin gespannt zu sehen, was dann dabei herauskommt“, gibt sich Sina Mayer, die sich nach ihrer Fußverletzung aus dem vergangenen Jahr stark zurückgemeldet hat, zurückhaltend.

Im Vergleich zu der schnellen Bahn in Mannheim, auf der sie am vergangenen Wochenende bei der Junioren-Gala 11,38 Sekunden lief, „soll die in Erfurt nicht so gut sein. Meist herrscht hier Gegenwind“. Doch die Bedingungen seien dann ja für alle, auch für die Favoritinnen Gina Lückenkemper (Dortmund, 11,04 sec) und Rebekka Haase (LV 90 Erzgebirge, 11,06 sec), absolut gleich. Doch Druck machen will sich Sina Mayer für Samstag nicht. Es wäre schon, wenn es in allen drei Rennen gut läuft, entscheidend ist für die LAZ-Sprinterin allerdings ein gutes Abschneiden bei der U23-EM ab Donnerstag in Bydgoszcz.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
08.–09.07.2017 Deutsche Meisterschaften 2017 Erfurt (Deutschland)