Zweibrücken. Wenn Sprinter Jonas Klein am Sonntag in Sindelfingen bei den deutschen Hallen-Meisterschaften der Jugend ab 11.35 Uhr mit seinen Spikes für den Vorlauf in den Startblock steigt, ist der Rheinland-Pfalz-Meister über 200 Meter im Glaspalast der einzige Starter des LAZ Zweibrücken in der U20-Altersklasse. Seine Ziel: eine neue Bestzeit laufen. Seine wahre Passion ist aber eine ganz andere: Der Saalstadter hat sich, etwas regionuntypisch, dem Windsurfen verschrieben, im vergangenen Jahr sogar die Lizenz als Surflehrer bestanden.

Der 18-Jährige hat klare Vorstellungen von seinem Auftritt in Sindelfingen: „Ich will eine neue Bestzeit über 200 Meter in etwa 22,50 Sekunden laufen“, sagt der Schüler der Klasse 12 des Zweibrücker Hofenfels-Gymnasiums mit den Leistungsfächern Sport, Mathematik und Englisch, der im kommenden Jahr Abitur macht. Und von Wollen ist dabei eigentlich gar keine Rede. „Das muss gehen!“, sagt er energisch mit Blick auf seinen bisherige Bestmarke von 22,74 Sekunden. Am Mittwochmorgen habe er mit seinem Trainer Karl-Heinz Werle noch mal Starts geübt, das habe gut geklappt. Klein fühlt sich wieder topfit, vergangene Woche war er gesundheitlich ein wenig angeschlagen.

Er weiß allerdings: „Ins A- oder B-Finale reinzukommen, wird schwierig. Da muss man wohl schon eine Zeit unter 22 Sekunden laufen. Aber die Erfahrungen, die ich dort mache, bringen mich trotzdem weiter.“ Über 60 Meter hatte er die DM-Qualifikation (7,15 sec) nur knapp um zwei Hundertstelsekunden verpasst. LAZ-Trainer W erle schätzt die Atmosphäre im Sindelfinger Glaspalast und hofft, dass sein Schützling das nutzen kann. „Die Zuschauer sitzen sehr dicht an der Bahn, was für eine gute Stimmung sorgt. Außerdem ist die Halle immer noch eine der schönsten in Deutschland. Das kann Jonas zum Abschluss der Hallensaison zu einer guten Zeit treiben.“ Kurios: Werle hatte 1982, vor 35 Jahren, bereits Jonas’ Vater Klaus Klein in Sindelfingen als Sportler betreut. Papa Klein wurde damals Deutscher Vizemeister über 1500 Meter.

Das mit dem Laufen wurde Jonas Klein also quasi in die Wiege gelegt. „Papa hat mich von klein auf immer mitgenommen, ich war anfangs auch bei ihm in der Laufgruppe“, erzählt er. Danach habe er eine Zeit lang Mehrkampf gemacht, es unter dem damaligen LAZ-Coach Todd Henson sogar mal mit dem Zehnkampf versucht. Nach einer Verletzung beim Stabhochsprung konzentrierte er sich ab Ende 2014 ganz auf den Sprint. „Da fühle ich mich wohl“, sagt Klein. Seit etwa einem Jahr hat er den Führerschein, kann jetzt selbst die rund 20 Minuten von Zuhause nach Zweibrücken fahren. Oft nutzt er aber auch schulische Freistunden zum Training oder geht direkt nach Unterrichtsschluss in die LAZ-Halle.

Mit Blick auf die Leichtathletik und auf sein zweites großes Hobby, das Windsurfen, sagt Klein: „Man muss bei beidem sehr viel Ehrgeiz mitbringen und viel Arbeit reinstecken. Und sich bei jedem Start, egal ob auf dem Land oder auf dem Wasser, wieder voll konzentrieren.“ Surfen sehe vom Strand oft so leicht aus, aber allein das Stehen auf dem kippeligen Brett sei ganz schön schwierig. Eine gute Zeit im Sprint oder ein neuer Trick auf dem Brett, „das gibt dir ein Glücksgefühl, dass man sonst fast nirgends haben kann“, findet er.

Auch aufs Surfbrett stieg Jonas Klein bereits als Dreikäsehoch. „Wir fahren schon, seit ich denken kann, im Sommer an die Nordsee, auf die Insel Föhr.“ Mit sechs Jahren habe er sich dort für die Surfer interessiert. „Ich durfte damit aber erst anfangen, als ich schwimmen konnte. Ich hab’ dann im Winter alle Schwimmkurse gemacht und im nächsten Sommer den ersten Surfkurs.“ Das sei auf jeden Fall eine Herausforderung gewesen. „Das war nach der ersten Klasse, ich konnte gerade so lesen und schreiben. Und ich musste ja auch eine Theorieprüfung ablegen“, meint Klein lachend.

Danach ging’s Jahr für Jahr wieder aufs Wasser, Kurs folgte auf Kurs. Im vergangenen Jahr legte er auf Föhr sogar die lange herbeigesehnte Prüfung zum lizenzierten Windsurf-Lehrer ab. „Vor vier Jahren hab’ ich auch eigenes Material bekommen“, erzählt er. Aus einem Brett und einem Segel wurden zwischenzeitlich zwei Bretter und fünf Segel für diverse W indstärken. Manchmal fährt er auch im Winter („wenn’s stürmt“) zum Surfen an den saarländischen Bostalsee, ansonsten macht er W indskating auf dem Radweg von Saalstadt nach Weselberg. „Das kann man hier auf der Höhe gut machen. Und auf dem Skateboard kann man Tricks viel besser lernen als gleich auf dem Wasser.“

Nach dem Abitur will Klein mit einem Kumpel aus Bayern auf Surftour. „Auf jeden Fall nach Südafrika, aber auch nach Spanien oder Fuerteventura“, ein bisschen Geld verdienen mit der Surflizenz. Aber erstmal geht’s am Wochenende noch nach Sindelfingen.

Info:

In der lockeren Serie „Doppelpass, doppelt Spaß“ wollen wir in Zukunft Sportler der Region vorstellen, die in zwei Sportarten gleichermaßen zuhause sind. Was treibt sie an, warum betreiben sie doppelt Sport? Was liegt ihnen mehr, und gibt es eine Präferenz? Wo sind Gemeinsamkeiten, wo Unterschiede der Sportart

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
25.–26.02.2017 Deutsche Jugend-Hallenmeisterschaften 2017 Sindelfingen (Deutschland)