Nürnberg. Der Weltmeister hat endlich auch seinen ersten nationalen Titel gewonnen: Dem überragenden Zweibrücker Stabhochspringer Raphael Holzdeppe (25) genügten gestern drei Anläufe und drei gültige Versuche, um als vielumjubelter Star der deutschen Leichtathletik-Meisterschaften erhobenen Kopfes das Nürnberger Grundig-Stadion zu verlassen.

5,60, 5,70 und 5,94 Meter, alles im ersten Versuch – das waren Meisterschaftsrekord, Bestleistung und eine Kampfansage an Weltrekordhalter Renaud Lavillenie. „Ich bin mehr als zufrieden. Bei einer Meisterschaft persönlichen Rekord zu springen, ist ein unglaubliches Gefühl. Ich wäre auch zufrieden gewesen, nur Meister geworden zu sein. Aber so war es ein perfekter Tag.“

Holzdeppe, der als letzten Vorbereitungswettkampf auf Peking nur noch das Meeting in Jockgrim am 5. August vor sich hat, wird da wohl die Massen elektrisieren. Vielleicht wird er dann erneut die 6,02 Meter als deutschen Rekord auflegen lassen können, an denen er gestern scheiterte.

Der Pfälzer sieht die bisherige Saison als eine Genugtuung an. Er hatte nach seinem WM-Titelgewinn 2013 eine schwierige Zeit. Mit der Rückkehr zu seinem alten Trainer Andrei Tivontchik ging es wieder aufwärts. „Andrei hat einen großen Anteil daran. Ich bin eher übermotiviert, er schafft es, mich runterzuholen und die nötige Ruhe in das ganze System hineinzubringen“, sagte Holzdeppe.

Zeitgleich warf auf der anderen Seite des Stadions seine LAZ-Vereinskollegin Christin Hussong ihren Speer auf 61,19 Meter und wurde damit Vierte. Es siegte Katharina Molitor mit 65,40 Meter vor Weltmeisterin Christina Obergföll (64,11) und Linda Stahl (62,57). Die U23-Europameisterin Hussong konnte damit, nur zwei Wochen nach ihrem großen Erfolg in Tallinn, sehr gut leben.

„Ich bin echt zufrieden, auch wenn die Serie nicht der Brüller war. Klar hätte ich gerne eine Medaille gehabt, aber ich kenne meine Fehler, die ich gemacht habe. Ich weiß, dass ich mehr drauf habe und baue nun neu auf für Peking. Darauf freue ich mich“, sagte die 21-Jährige aus Herschberg.

„Meine Saisonbestleistung war das Ziel, ich habe einen guten Wurf gezeigt, es gibt nichts zu hadern“, sagte die nach einer Babypause zurückgekehrte Obergföll. Siegerin Molitor meinte: „Es gibt Selbstvertrauen, dass ich Christinas Versuch kontern konnte.“

Nach Hürdenläufer Matthias Bühler am Samstag schaffte gestern auch 800-m-Läuferin Christina Hering in 1:59,54 Minuten als Zweite hinter Lokalmatadorin Fabienne Kohlmann (1:59,28) die WM-Norm. Was auch Dreispringerin Kristin Gierisch auf den letzten Drücker gelang. Im letzten Versuch überflog sie die Norm von 14,20 Meter um 18 Zentimeter, auch ihr winkt das Peking-Ticket. „Es hat im letzten Versuch alles gepasst, das ist fürs Publikum super, für mich auch.“ Die Norm sei ihr egal gewesen: „Ich bin immer Normen hinterhergesprungen. Man rennt und rennt und es wird nichts, man wird schlechter. Deshalb sagten meine Trainer und ich: Wir lassen die Norm sein.“ Und siehe da, schon hat’s geklappt.

Weltmeister David Storl hat die Kugel auf 21,47 Meter gestoßen und monierte, der Wettbewerb sei etwas untergegangen. Julian Reus (20,42) und Rebekka Hasse (22,95) holten sich die Titel über 200 Meter. Ein seit langem bekannter Name tauchte in der Siegerliste über 400 Meter Hürden auf: In 57,18 Sekunden siegte mit einer Sekunde Vorsprung Jackie Baumann (20), die Tochter von Isabelle und Dieter Baumann, dem 5000-Meter-Olympiasieger von 1992.

Die Tochter eines anderen berühmten Namens, Katharina Mögenburg, belegte im Hochsprung, wo auch ihr Vater Dietmar tätig war, Platz zwei mit 1,84 Metern hinter Marie-Laurence Jungfleisch. Diese überflog 1,95 Meter und sagte: „Ich bin zufrieden, aber 1,98 Meter hätten es auch mal sein können“. Die Höhe hebt sie sich für Peking auf: „Da will ich auf alle Fälle ins Finale.“

Der Zweibrücker Raphael Holzdeppe jubelt nach seiner neuen Bestleistung von 5,94 Metern.
Der Zweibrücker Raphael Holzdeppe jubelt nach seiner neuen Bestleistung von 5,94 Metern. Foto: Kunz
Katharina Molitor gewinnt einen spannenden Speerwurfwettbewerb.
Katharina Molitor gewinnt einen spannenden Speerwurfwettbewerb. Foto: Kunz
Florian Orth (rechts) liegt über 1500 Meter eine Hundertstelsekunde vor Sebastian Keiner.
Florian Orth (rechts) liegt über 1500 Meter eine Hundertstelsekunde vor Sebastian Keiner. Foto: Kunz

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
25.–26.07.2015 Deutsche Meisterschaften 2015 Nürnberg (Deutschland)