Dortmund. Welch eine Geburtstagsfete für Konstanze Klosterhalfen! Auf 15 Hallenrunden spendeten ihr 4000 Zuschauer in der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle Dauerbeifall, in den letzten beiden stehend und mit ohrenbetäubendem Jubel, und dann sangen sie ihr ein Ständchen. Auch für den deutschen Rekord über 3000 Meter.

8:36,01 Minuten – ein Traumlauf auf Ansage, ohne zu zögern und mit so viel Mumm. 5,78 Sekunden war sie schneller als DDR-Läuferin Kathrin Ullrich 1988 und 15 Sekunden schneller als sie selbst vor einem Jahr in Karlsruhe. „Koko“ ließ Sabrina Mockenhaupt, Irina Mikitenko und Gesa Krause und Corinna Harrer, Spitzenläuferinnen in den letzten zehn Jahren, in der ewigen Bestenliste hinter sich. Und sie genoss Runde 16, die Ehrenrunde. „Es ist der schönste Geburtstag, den ich mir machen konnte. Ein tolles Gefühl, bei dem zu sein, was ich gerne mache und mit Menschen, die ich gerne habe“, sagte sie an ihrem 21. Wiegenfest und gestand, die Zeit noch gar nicht zu kennen.

Sie hatte die La Ola zwar gespürt, aber trotzdem ist sie in ihrem Tunnel geblieben und hat dabei „auch vergessen, dass ich Geburtstag habe“. „Aber es ist wirklich schön, dies zu erleben mit so vielen Leuten“, sagte sie und erzählte mit unendlich viel Geduld und schweren Beinen, vielleicht vier Minuten nach dem Lauf, so, als habe sie gerade keine Mühe gehabt.

Es war ein sehr emotionales Finale der beiden Hallen-Meisterschaftstage von Dortmund, wo Raphael Holzdeppe seinen Titel mit 5,68 Meter verteidigte und die einzige Goldmedaille in die Pfalz holte. Silber gewannen Lisa Ryzih (ABC Ludwigshafen) am Samstag mit dem Stab und gestern 1500-m-Läuferin Hanna Klein aus Edenkoben hinter Diana Sujew in einem taktischen Rennen, Bronze ging an die 19 Jahre alte Leonie Reuter aus Landau im Hochsprung, die 1,83 Meter sprang, höhengleich mit Siegerin Laurence-Marie Jungfleisch.

„Ich bin wirklich zufrieden heute. Die Titelverteidigung war das Hauptziel. Ich hatte mir ein paar Tage Ruhe genommen, weil ich auf die Signale meines Körpers hörte, heute fehlte mir anfangs etwas der Rhythmus“, sagte Raphael Holzdeppe, „aber es ging um das Gefühl für den Wettkampf. In sieben Tage starte ich in Clermont-Ferrand, und dann kommt die Höhe in Birmingham zur richtigen Zeit“. Er möchte definitiv eine Medaille gewinnen und fühlt sich in der Lage, noch höher als die 5,88 Meter zu springen. Seine Trainingskollegen Karsten Dilla und Daniel Clemens, der Bestleistung sprang, wurden mit 5,58 Meter Zweiter und Vierter.

Ein neues Gesicht auf dem höchsten Treppchen ist Nadine Gonska. „Es war schon hart. Ich war sehr aufgeregt den ganzen Morgen und während des Aufwärmens, denn ich wollte den Titel unbedingt holen. Wenn man die Favoritenrolle hat, ist es noch mal anstrengender für den Kopf“, sagte die neue deutsche Meisterin, die in 52,84 Sekunden ihre Bestzeit um eine Hundertstelsekunde steigerte.

Vor fünf Jahren stand sie an gleicher Stelle am 60-m-Start. Seitdem feierte sie vier deutsche Freiluft-Meistertitel mit der Mannheimer MTG-Staffel, jetzt kam die 28 Jahre alte Lehramtsanwärterin (Grundschule Ladenburg) über die 200 Meter auf die 400 Meter. Sie träumt bei der Hallen-WM in Birmingham vom Halbfinale, und mit ihr ihr Trainer Rüdiger Harksen, für den diese Pech-Meisterschaften nach Ricarda Lobes und Lisa Mayers Ausfall am Samstag doch noch freudvoll endeten. „Nadine ist taktisch hervorragend gelaufen“, lobte der 63 Jahre alte Meistertrainer.

Zu den ganz Glücklichen gehörte gestern auch Mateusz Przybylko: „Hallen-Bestleistung und Titel, was willst du mehr“, sagte der fast 26-Jährige, „ich habe alles in diesen 2,30-m-Sprung reingelegt, jetzt bin ich total erleichtert“. Die 2,33-m-WM-Norm schaffte er nicht, dennoch: „Ich bin sie im letzten Jahr gesprungen, mit 2,30 bin ich jetzt Top zwölf in der Welt, und die werden eingeladen. Ich bin auch einer, der immer alles mitnehmen will. In Birmingham rechne ich mit der gleichen Zuschauerbegeisterung wie hier. Die Fans haben so richtig mitgemacht“, sagte Przybylko. Er ist eben ein sehr dankbarer Athlet.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
17.–18.02.2018 Deutsche Hallenmeisterschaften 2018 Dortmund (Deutschland)