Karlsruhe. Wenn sich Oleg „Alex“ Zernikel auf seine Gefühle verlassen würde, wäre er schon längst von allen guten Geistern verlassen. „Ich bin hierher gekommen und dachte, ich lauf’ drei Mal durch und fahr nach Hause“, sagte er nach dem durchaus spannenden Stabhochsprung-Wettkampf, in dem fünf Springer über fünf Meter sprangen. Zernikel fuhr nach Hause, logisch, aber er tat’s mit einem Sieg in der Tasche. Die 5,20 Meter, die der letztjährige U20-WM-Dritte (damals mit 5,50 m) anschreiben ließ, mögen nicht sehr hoch aussehen, doch sie sind es. Denn er lief nur mit zehn Schritten an. Eben, weil er sich nicht wohlfühlte, wie er sich in der Halle sehr selten wohlfühlt. „Ich bin ein typischer Freiluftspringer, da fühle ich mich einfach freier“, sagte er grinsend und auch ein wenig stolz.

Als Zernikel am Anlauf stand, meinte sein Trainer Jochen Wetter: „Wenn er jetzt wirklich abspringt und nicht durchläuft, dann springt er auch drüber.“ Vier Schritte vor dem Absprung war sich Wetter sicher: „Der springt drüber.“ Der alte Trainerfuchs hat es also im Ansatz geahnt und gesehen, weil er vom Vermögen Zernikels total überzeugt ist. Wetter feierte gestern zwei weitere Silbermedaillen: die von Lamin Krubally (5,10 m), der den Doppelsieg für den ASV Landau bei den Männern perfekt machte, und die von Marc Philipp Gräfe bei der Jugend U18. Der 16 Jahre alte Gräfe kommt aus Wernersberg, geht in Landau zur Schule und springt bei Wetter seit zweieinhalb Jahren. Mit sehr viel Spaß – und Erfolg. „Ich habe eben versucht, alles, was ich kann, umzusetzen, so gut es geht“, meinte Gräfe. „Silber für ihn bei der Süddeutschen, das kann sich sehen lassen“, lobte Jochen Wetter seinen Schützling.

Einen zweiten Platz eroberte sich auch Leonie Reuter, die wie Zernikel 2014 bei den U20-Weltmeisterschaften in Eugene/USA war. Gerade ist sie 17 Jahre jung geworden, gerade ist sie dem Krankenlager entkommen – ihre Mutter nannte Leonie süffisant eine Rekonvaleszentin –, und schon steigerte sie ihre Hallenbestleistung auf 1,82 Meter. Ihr Trainingskollege Sebastian Schultz, der heute am zweiten Tag der „Süddeutschen“ in der Halle 2 der Messe Karlsruhe in Rheinstetten dran ist, meinte: „Für mich kommt ihre Leistung gerade unerwartet. Sie sah am Mittwoch im Training überhaupt nicht gut aus.“ Da war der grippale Infekt Reuters gerade so überstanden. Jedenfalls gratulierte „Mister Hochsprung“ Peter Schramm, der Macher des Hochsprungmeetings in Eberstadt, Reuters Trainer Werner Roth: „Das war aber eine sehr starke Vorstellung von ihr.“ Den Sieg holte höhengleich Lisa Maihöfer (Staufen).

Und noch mal Silber ging in die Südpfalz. Stefan Estelmann (TV Nußdorf) hat sich den „Titelverlust“ über 400 Meter (49,27 sec) um fünf Hundertstel zum Teil selbst zuzuschreiben, weil er auf den ersten 150 Meter einfach zu langsam anging, aber zum Teil ist auch das Kampfgericht schuld, das ihm erst kurz vor dem Start sagte, es sei kein Vorlauf (wie ausgeschrieben), sondern schon ein Zeitendlauf. Estelmanns Trainer Lothar Grimmeißen jedenfalls war sauer – über beides.

Wenn es um gute Sprintzeiten geht, ist die MTG Mannheim ganz vorne dabei in Deutschland. In Abwesenheit von Verena Sailer lief ihre MTG-Teamgefährtin Yasmin Kwadwo 7,28 Sekunden über 60 Meter und damit die Norm für die Hallen-EM in Prag, Patrick Domogala ließ sich in seiner Bestzeit von 6,67 Sekunden stoppen. Für die ABC-Ludwigshafen-Sprinter Carlotta Buckel und Martin Hahn blieben die Plätze drei und vier. Beide waren nicht zufrieden, wobei vor allem Buckel körperlich geschwächt ist und mit Schmerzen angetreten war.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
07.–08.02.2015 Süddeutsche Hallenmeisterschaften 2015 Karlsruhe (Deutschland)