Rehlingen/Zweibrücken. Die Zuschauer können sich am Pfingstmontag beim traditionellen Leichtathletik-Sportfest des LC Rehlingen auf 15 erstklassig besetzte Disziplinen freuen. Sechs bei den Frauen (100, 400 und 800 m, 400 m Hürden, Hochsprung, Stabhochsprung) und neun bei den Männern (100, 400, 800, und 1500 m, 400 m Hürden, 3000 Meter Hindernis, Stabhochsprung, Diskus, Speer). Es werden insgesamt etwa 200 Athleten aus rund 30 Nationen im Hauptprogramm an den Start gehen.

Die Mischung aus ambitionierten Lokalmatadoren, nationaler Spitze und internationalen Topathleten zum Anfassen hat einen Reiz, der die Leichtathletik-Veranstaltung im Bungertstadion beinahe einzigartig macht. Doch längst nicht alle der bisher 52 Auflagen des Meetings sind in Erinnerung geblieben. Die Macher des Pfingstsportfestes, einst Ludwin Klein, heute Lutwin Jungmann und sein Team, kämpfen Jahr für Jahr um Attraktivität und Fortbestand. Mal fehlte ein leistungsstarker Lokalmatador, einer aus der Mitte des Publikums, der konkurrenzfähig ist und dem die Herzen gehören, mal fehlten die Stars, die man nur aus dem Fernsehen kennt. Mal lag der Pfingsttermin ungünstig in der Saisonplanung, mal war das Wetter durchwachsen, und über allem hing die Frage: Wie hoch ist der Etat? Wen können wir uns leisten, wen nicht?

Und dann gibt es Jahre, in denen scheinbar alle Parameter zusammenpassen. Wie 2017. Es kündigt sich das beste Rehlingen seit Jahrzehnten an. Auf jeden Fall das beste seit 1984. „Damals waren erstmals DDR-Sportler zu Gast, was uns mehrere Olympiasieger gebracht hat“, erinnert sich Meeting-Direktor Lutwin Jungmann. Heute zahlt sich der Termin besonders aus. „Im Vorjahr war der Pfingstmontag am 16. Mai, da waren viele Athleten noch gar nicht in die Saison gestartet. Von daher ist es jetzt für uns sehr günstig“, sagt Jungmann. Auch eine zusätzliche Unterstützung des Innen- und Sportministeriums wirkt sich aus, der Etat ist auf 160 000 Euro angehoben worden. Mit dabei sind bei der 53. Auflage am Montag auch die beiden Stabhochspringer des LAZ Zweibrücken, Raphael Holzdeppe und Daniel Clemens. Für Holzdeppe geht es in den anstehenden Wettkämpfen darum, die Norm von 5,70 Metern für die Weltmeisterschaften im August in London zu meistern. Beim Diamond-LeagueMeeting in Eugene (USA) leistete sich der Weltmeister von 2013 einen „salto nullo“, scheiterte an seiner Einstiegshöhe von 5,41 Metern (wir berichteten). Bislang hat der 27-Jährige 5,50 Meter aus dem Wettkampf in Shanghai vor zwei Wochen stehen.

Dennoch bleibt er zuversichtlich, die Quali für London noch zu knacken. Bisher sei das Training sehr gut gelaufen und er fühle sich topfit. „Daher hoffe ich natürlich schon auf Höhen im Bereich von 5,70 Meter“, sagt Holzdeppe, der sich nach seinen beiden Wettkämpfen in Shanghai (China) und Eugene (USA) auf das erste von zwei Heimspielen in der kommenden Woche – zunächst in Rehlingen, am darauffolgenden Samstag dann beim Himmelsstürmer-Cup des LAZ – freut. „Wenn man in zwei Wochen für die ersten beiden Wettkämpfe einmal um die ganze Welt reisen muss, dann ist es schön, mal nur 30 Minuten von zu Hause aus zu brauchen“, sagt der Vize-Weltmeister, der einer der international erfolgreichsten deutschen TopAthleten in Rehlingen ist. Messen muss sich der Zweibrücker am Montag unter anderem mit dem polnischen Sechsmeter-Springer Piotr Lisek. Neben dem Hallen-Europameister ist wie beim Himmelsstürmer-Cup auch, die gesamte deutsche Spitze um Florian Gaul (VfL Sindelfingen), dem deutschen Meister Tobias Scherbarth, Karsten Dilla, U18-Vize-Europameister Bo Kanda Lita Baehre (alle TSV Bayer 04 Leverkusen) und Malte Mohr (TV Wattenscheid 01) versammelt. Auch LAZ-Springer Daniel Clemens versucht, sich am Montag nach seinem gelungenen Saisoneinstieg nach seiner knapp einjährigen Verletzungspause weiter zu steigern. Am hochkarätigsten besetzt ist in Rehlingen wie schon im Vorjahr der Speerwurf der Männer. Mit dem Kenianer Julius Yego hat sich dort der amtierende Weltmeister und Olympia-Zweite angekündigt. Er trifft in Rehlingen auf die drei deutschen WM-Kandidaten Johannes Vetter (LG Offenburg), Andreas Hofmann (MTG Mannheim) und Lars Hamann (Dresdner SC 1898), die nach ihren jüngsten Steigerungen auf den Positionen zwei, drei und sieben der Weltjahresbestenliste stehen.

Besonders stolz sind die Organisatoren des LC um Sportwart Ludwig Jungmann über die Verpflichtung von Diskuswerfer Robert Harting (SCC Berlin). Bei seinem Saisoneinstieg trifft der dreimalige Weltmeister und Olympiasieger von London auf den Olympia-Dritten Daniel Jasinski (TV Wattenscheid 01), den WM-Dritten Robert Urbanek (Polen) und den deutschen Jahresbesten Martin Wierig (SC Magdeburg), der als einziger DLV-Werfer schon die WM-Norm von 65,00 Metern bereits überboten hat. Ein echtes Heimspiel ist das Pfingstsportfest für Sprinterin Laura Müller, die seit Anfang 2016 das Trikot des LC Rehlingen trägt. Zum Saisoneinstieg hakte sie in Tübingen auf Anhieb die Einzelnormen über 100 und 200 Meter für die U23-EM ab.

Info:

Das Programm beim Pfingstsportfest Das 53. Pfingstsportfest im Rehlinger Bungertstadion beginnt am Montag um 13 Uhr mit dem Stabhochsprung-Wettbewerb der Frauen und den Vorprogramm, das aus 800-Meter-Läufen verschiedener Alterklassen besteht. Nach den Vorläufen über 100 Meter Männer und Frauen beginnt das Hauptprogramm. Die offizielle Eröffnung ist um 15 Uhr. Danach geht es bis 18 Uhr Schlag auf Schlag. Die Disziplinen bei den Männern: 100 Meter, 400 Meter, 800 Meter, 1500 Meter, 400 Meter Hürden, 3000 Meter Hindernis, Stabhochsprung, Diskuswurf und Speerwurf. Die Disziplinen bei den Frauen: 100 Meter, 400 Meter, 800 Meter, 400 Meter Hürden, Hochsprung und Stabhochsprung.