Ein Achillessehnenriss heilt nicht von heute auf morgen. Diese leidvolle Erfahrung musste auch Kristina Gadschiew im vergangenen Sommer machen. Aber die Stabhochspringerin vom LAZ Zweibrücken hat sich zurückgekämpft, kann inzwischen wieder schmerzfrei trainieren. Mit Merkur-Redakteurin Svenja Kissel hat sich die 30-Jährige über ihre unfreiwillige Zwangspause unterhalten.

Frau Gadschiew, wie geht es Ihrem Fuß gut ein halbes Jahr nach dem Achillessehnenriss im Juni?

Kristina Gadschiew: Eigentlich ganz gut. Der Fuß ist zwar noch nicht ganz verheilt, aber ich kann schon ziemlich viele Dinge machen.

Wie sah das Aufbautraining nach der Operation aus? Wann haben Sie damit begonnen?

Gadschiew: Ich habe mit dem Aufbau ziemlich früh angefangen. Joggen war natürlich noch nicht drin. Damit habe ich im Oktober begonnen – das war aber eher ein Gehjoggen (lacht). Im November habe ich dann begonnen, aus zwei Schritten zu springen. Davor habe ich vor allem Krafttraining und sau viele Stabis gemacht, damit nicht alle Muskeln drum herum komplett verschwinden. Die linke Wade war ganz weg, für den Oberschenkel habe ich immer schon ein bisschen was gemacht, damit ich nachher nicht ganz ohne Muskelmasse dastehe, wenn ich sage: ‚Hallo, hier bin ich wieder, ich steige dann mal wieder ein’ (lacht).

Das ging recht flott für eine solch schwere Verletzung.

Gadschiew: Ja, das war echt schnell. Es war das Optimum, von dem vorher nicht klar war, ob das zu diesem Zeitpunkt schon möglich ist. Laut Ärzten braucht die Heilung normalerweise ein gutes halbes Jahr, das wäre dann genau jetzt.

Sind Sie ein eher geduldiger Mensch oder ist es Ihnen schwer gefallen, trotz des guten Heilungsverlaufs nicht zu früh wieder einzusteigen?

Gadschiew: Ich bin der ungeduldigste Mensch ever. Es ist mir super schwer gefallen, Geduld zu bewahren. Ich musste mich auch total oft mit den Ärzten absprechen, die mir gesagt haben, dass ich nur das tun soll, was sie empfehlen. Die haben schnell gemerkt, dass sie bei mir überdimensional aufpassen müssen. Wenn es dann mal angeschwollen war und die Ärzte fragten, ob ich doch schon trainiert habe, war meine Antwort: ‚Ein bisschen’. Und die Ärzte: ‚Ein bisschen ist bei ihnen, wie bei einem normalen Menschen normales Training.’ Das musste ich dann zugeben. Wenn die nicht immer zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen und so auf mich aufgepasst hätten, dann wäre die Sehne nach drei Monaten wahrscheinlich wieder komplett gerissen. So ist es mittlerweile echt gut verheilt.

Sie waren Anfang Dezember bereits mit dem DLV-Team für dreieinhalb Wochen im Trainingslager in Südafrika. Konnten Sie dort bereits zum Stab greifen?

Gadschiew: Ja. Die Verletzung war im Juni, im Juli habe ich zu den Ärzten gesagt: ‚Im November möchte ich übrigens mit ins Trainingslager. Dazu müsste ich aber mindestens aus vier bis acht Schritten Anlauf springen können.’ Die haben mich vielleicht angeschaut. Aber ich habe es durchgezogen, war mit und bin auch gesprungen. Zwar mit weicheren Stäben und ’nur’ aus acht Schritten, aber sonst wäre das für mich auch kein Trainingslager gewesen. Dieses Ziel zu haben, war auf jeden Fall auch eine große Motivation. Das Team zu sehen, sich auszutauschen, Sommer und Sonne zu haben. Da hat man dann Lust aufs Trainieren. Im dunklen Winter in Deutschland ist das anders.

Wie läuft das Training derzeit? Bei wie viel Prozent der früheren Leistungsfähigkeit sehen Sie sich?

Gadschiew: Ich bin noch lange nicht bei 100 Prozent – sagen wir mal so bei 40 bis 50. Ich fühle mich psychisch auch noch nicht so weit. Große Belastungen kann ich den Fuß noch keinen aussetzen. Es gibt im Training immer wieder Ups und Downs – Tage, da geht es echt gut, und andere, da geht gar nichts. Ich muss mich herantesten, sehen, wie es weiter läuft.

Hatten Sie nach der Verletzung keinerlei Gedanken ans Aufhören verschwendet?

Gadschiew: Wenn du auf dem OP-Tisch liegst, dann denkst du schon daran. Hätte mich gleich nach der Verletzung jemand gefragt, machst du weiter Leistungssport, hätte ich gesagt: ‚Auf gar keinen Fall, das tue ich mir nicht noch mal an.’

Wo nimmt man dann die Motivation her, sich nach Rückschlägen und Verletzungen immer wieder zurückzukämpfen

Gadschiew: Ganz ehrlich? Keine Ahnung. Ich kam von der Operation zurück, dachte daran, dass ich Erfolge und Misserfolge hatte, dass ich es gut sein lassen könnte. Aber dann, ich weiß nicht was, aber irgendetwas treibt dich an, dass dir sagt: ‚Du bleibst jetzt nicht liegen, du stehst wieder auf und machst weiter.’

Sie sind also wieder aufgestanden. Sind Sie denn nun beim Training auch schmerzfrei?

Gadschiew: Ja, schmerzfrei bin ich, springe mittlerweile aus zwölf Schritten. Aber es ist ein komisches Gefühl. Der Fuß ist recht steif, das ist man nicht gewohnt. Obwohl auch die Schwellung und die von außen genähte Wunde gut verheilen, ist es einfach komisch.

Müssen Sie manchmal einfach auf Körper und Kopf hören?

Gadschiew: Nein, am besten auf keines von beiden, denn die haben keine Ahnung (lacht).

Die Hallensaison ist für Sie kein Thema oder ist der erste Wettkampf schon in Planung?

Gadschiew: Nein, es gibt noch keinen Termin. Eigentlich wird die Halle wohl kein Thema sein. Wenn, dann würde ich es nochmal im Sommer versuchen. Ich muss sehen, wie die Trainingsverläufe sind, es ist schwer, nach so einer Verletzung ein Datum festzusetzen. Ich lasse mir einfach alles offen und mache mir keinen Druck.

Setzen Sie sich für die Sommersaison irgendein Ziel?

Gadschiew: Die Hauptsache ist es, nochmal springen zu können.

Sie haben im vergangenen Jahr auch Ihr Lehramts-Studium abgeschlossen. Gibt es schon Pläne, wie es beruflich für Sie weitergeht?

Gadschiew: Im August hatte ich die letzte Prüfung, die musste ich aufgrund der Verletzung verschieben, was etwas deprimierend war. Der Plan war es aber sowieso mich für Sommer 2015 für einen Referendariatsplatz im Landkreis zu bewerben. Seit zwei Wochen arbeite ich nun als Aushilfslehrerin am Hofenfels-Gymnasium, worauf ich mich beworben hatte. Zum Glück brauchten die dringend jemanden für Chemie, sodass ich nun das Halbjahr dort bin. Das ist gut, um Erfahrungen zu sammeln.

Wenn Sie im Sommer einen Platz bekommen, wollen Sie dem Stabhochsprung-Sport aber auf jeden Fall noch erhalten bleiben?

Gadschiew: Ich werde abwarten, wie die Saison bis dahin verläuft. Das Referendariat würde ja erst Ende August beginnen. Bislang sieht es gut aus im Training, und ich bin total positiv. Aber ich möchte nichts ausschließen.