Berlin. Als der Diskus noch über die blaue Bahn hüpfte, sank Robert Harting auf die Knie, streckte beide Fäuste zur Hallendecke und ließ sich wenig später auf der Ehrenrunde von fast 13.000 Fans feiern. Im letzten Versuch hatte sich der Berliner beim Istaf Indoor noch den Sieg gesichert – ein großes Comeback nach fast anderthalbjähriger Leidenszeit.

So avancierte Olympiasieger Harting noch zum Star eines unterhaltsamen Leichtathletik-Abends, der aus deutscher Sicht noch einen weiteren Höhepunkt bot: Die Weitspringerin Alexandra Wester landete bei unglaublichen 6,95 Metern – und träumt nun mit 21 Jahren schon von Olympia.

Nach Rio de Janeiro will im Sommer natürlich auch Robert Harting. Der Olympiasieger von 2012 triumphierte mit 64,81 Metern und war seinem jüngeren Bruder Christoph beim Heimspiel in der Mercedes-Benz-Arena damit 47 Zentimeter voraus. „Ein geileres Comeback gibt es eigentlich nicht“, sagte der 31-Jährige nach seinem Sieg bewegt. „Es ist ein Tag, den ich nie vergessen werde. Das bleibt immer im Herzen“, gestand der Lokalmatador und bedankte sich bei den Fans.

Der dreimalige Weltmeister hatte Anfang September 2014 seinen bis dato letzten Wettkampf bestritten und sich kurz darauf das Kreuzband gerissen. Sein großes Ziel sind die Sommerspiele in Rio, und der überraschende Sieg am Samstag gab Harting mächtig Auftrieb. „Klar“, sagte der Modellathlet mit Vollbart, „jetzt gehe ich mit einem Lächeln in mein Programm“.

Weitsprung-Shootingstar Wester kann sich ebenfalls Hoffnungen auf einen Olympia-Start machen. Die 21-Jährige stammt aus Saulheim und kam vor sieben Jahren zum USC Mainz. Sie war dann gleich deutsche Meisterin und hielt den deutschen Schülerinnenrekord im Siebenkampf, im Winter wechselte sie zum ASV Köln und wird von Dreisprung-Weltmeister (1999) Charles Friedek trainiert. Mit 6,95 Meter überbot sie die Jahresweltbestleistung gleich um elf Zentimeter. „Das ist schwer zu realisieren. Mein Ziel war es eigentlich, die WM-Norm von 6,75 Meter zu knacken“, sagte sie.

Besser als Wester waren in der Halle überhaupt erst zwei deutsche Weitspringerinnen: Rekordfrau Heike Drechsler (7,37 Meter/1988) und Helga Radtke (7,09/1985). Olympiasiegerin Drechsler war vor 20 Jahren letztmals bei einem Hallenmeeting weiter gesprungen (6,96 Meter). Wester bedankte sich bei dem Publikum, das „Hammer mitgemacht hat“.

Eine Überraschung gab es beim Stabhochsprung: Der Brasilianer Thiago Braz da Silva schlug den Top-Favoriten dort ein Schnippchen und sicherte sich den Sieg mit Südamerika-Rekord von 5,93 Metern. Gleich um 17 Zentimeter steigerte der 22-Jährige seine persönliche Bestleistung. Olympiasieger Renaud Lavillenie musste sich als Zweiter mit 5,85 Metern ebenso geschlagen geben wie Ex-Weltmeister Holzdeppe vom LAZ Zweibrücken mit 5,77 auf Rang drei.

Weltmeisterin Dafne Schippers setzte das Sprint-Glanzlicht des Abends: Sowohl im Vorlauf (7,04 Sekunden) als auch im Finale (7,00) rannte die 200-Meter-Weltmeisterin Jahresweltbestzeit – zugleich Landesrekord für die Niederländerin. „Sprint-Opa“ Kim Collins (39) gewann zum dritten Mal in Serie den Männersprint beim Hallen-Istaf in 6,53 Sekunden.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
13.02.2016 ISTAF Indoor 2016 Berlin (Deutschland)