Beim Blick aus dem Fenster, ich saß recht gut ausgeschlafen beim Frühstück, fielen mir die leeren Straßen sofort auf: Ach ja, Freitag, klar. Der wöchentliche Feiertag der Muslime. Für mich (scheinbar) die beste Gelegenheit, die abgebrochene Fahrt in die Stadt am Donnerstagabend nachzuholen. Weil die Marathonstrecke an der Corniche vorbereitet wurde, an der mehrere Kilometer langen Strandpromenade um die Halbkreisbucht, die mit der Copacabana in Rio wirklich nicht mithalten kann, ging gar nichts. Der Taxifahrer fluchte.

Ich diktierte ihn zurück und traf die Kollegen der Deutschen Presse-Agentur beim Syrer. Hey, das war vielleicht ne gute Entscheidung. Wunderbares Kebab gegessen. Mit ganz scharfen Peperoni.

Freitag dann wie im Flug in der Stadt: Sechs Kilometer in 10 Minuten für umgerechnet fünf Euro. Nur: Wie bekloppt muss man denn sein, um zwölf Uhr mittags loszuziehen? Mein Taxifahrer aus Bangladesh schaute ungläubig, als ich meine Ziele nannte. Seit drei Jahren lebt er in Doha. Und ist unglücklich. Gastarbeiter hätten es hier nicht gut, sagte er, und rieb Zeigefinger und Daumen aneinander. „But Germany good country“, sagte er noch. Ein gutes Land. In zwei Jahren will er in die Heimat zurück.

Die Straßen menschenleer, das Museum für Islamische Kunst noch geschlossen, ein paar Wenige lümmelten unter den Palmen am Hafen. Meine Rettung war ein Automat, an dem ich mir für 25 Cent eine Flasche Wasser ziehen konnte.

Der Souq Waqif wie ausgestorben. Erst nach dem Freitagsgebet öffneten wohl ein paar wenige Verschläge. Aber es roch gut. Nach Gewürzen und süßlichem Tabak. Da will ich noch mal hin, scheint mir noch ziemlich ursprünglich zu sein. Doch wann? Das Gute: Erstmals finden bei einer Weltmeisterschaft vormittags keine Wettkämpfe statt. Verschafft den Journalisten Luft. Ein bisschen wenigstens.

Über vier Runden im Hotel-Swimmingpool nahm ich Kurs ins Stadion. Erster Eindruck: imposant. Und die Düsen bliesen tatsächlich, was das Zeug hielt. Ohne Mütze, Jacke und Schal geht da nichts auf der Tribüne.

Es ging ein wenig hektisch zu. Unsere Plätze noch nicht reserviert, das Internet lahm. Aber die Stimmung im halbvollen Rund echt sehr gut. In mein Handy hatte ich mir vor Tagen schon eine Notiz gemacht: Lisa 31! (Zum Janichtvergessen). Zuhause hatte ich mir drei Geburtstagskarten bestellt. Eine für Lisa Ryzih, und eine für Raphael Holzdeppe, der am Samstag, ebenfalls bei der Stabhochsprung-Qualifikation, 30 wird. Die dritte ist noch nicht vergeben. Ich ließ Lisas Karte von ein paar Kollegen unterschreiben und überreichte sie ihr in der Mixed Zone. Die Freude war groß.

Wir kennen uns halt schon lange. Ich erinnere mich, dass sie sechs war und in der Weitsprunggrube saß, als ihre Schwester Nastja bei den deutschen Meisterschaften 1994 in Erfurt sprang. Lang lang ist’s her. Papa Wladimir sagte damals: „Lisa wird noch besser als Nastja!“

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
27.09.–06.10.2019 Weltmeisterschaften 2019 Doha (Katar)