Sina Mayer hat ihren Schwerpunkt verlagert. Vom beendeten Studium ganz hin zum Leistungssport. Und dazu vom Trainingsort Zweibrücken nach Paderborn. Warum sie lieber Auto als Zug fährt, wie das neue Leben der Sprinterin in Nordrhein-Westfalen aussieht, und welche sportlichen Ziele sie 2019 anpeilt, verrät sie hier.

Zweibrücken. „Das Pendeln ist auf Dauer ganz schön anstrengend für den Körper, obwohl ich wirklich gerne Auto fahre. Das lange Sitzen raubt einem aber viel Energie“, spricht Sina Mayer ihre Erfahrungen der letzten Monate mit der wöchentlichen Pendelei an. 400 Kilometer einfach sind es von ihrem Wohnort Schönenberg-Kübelberg nach Paderborn, da kamen pro Woche schnell mal 1000 Kilometer zusammen. Seit vergangenem Oktober gehört die gerade 24 Jahre alt gewordene Mayer zur Trainingsgruppe von Thomas Prange beim LC Paderborn.

Und Bahnfahren? „Mit der Bahn dauert es über fünf, sechs Stunden bis nach Paderborn, und ich müsste dabei dreimal umsteigen. Das nimmt noch viel mehr Zeit in Anspruch“, sieht sie darin keine echte Alternative. Die hat sie inzwischen aber gefunden: Am Anfang noch unter der Woche in einem WG-Zimmer wohnend, hat sie seit 1. Mai eine eigene Wohnung in Paderborn. „Einen Katzensprung vom Stadion entfernt. Da kann ich sogar mit dem Fahrrad zum Training fahren“, erklärt sie lachend.

Auf Teneriffa den Feinschliff holen

Aufs richtige wohnliche Einrichten wird die neue Bleibe allerdings vorerst noch einige Zeit warten müssen. Denn am gestrigen Tag der Arbeit hob Sina Mayer erstmal ab in deutlich wärmere Gefilde – zehn Tage Trainingslager auf der spanischen Kanareninsel Teneriffa. „Das Klima dort ist super, es sollen zwischen 24 und 26 Grad sein“, sagte Sina Mayer, die trotz ihres Ortwechsels nach Paderborn weiter für das LAZ Zweibrücken (wie früher auch schon Stabhochspringer Raphael Holzdeppe) starten will, voller Vorfreude aufs das Trainieren und den Konkurrenzkampf unter Kolleginnen.

Das war es, was sie letztlich auch nach Paderborn getrieben hatte. „In der vergangenen Saison lief es ja nicht gut. Ich wollte neue Reize haben. Und in Zweibrücken hatte ich ja nie eine starke Trainingsgruppe um mich“, sagt sie rückblickend auf ihre Zeit seit 2008 beim LAZ mit den Trainern Karl-Heinz Werle und Christian Stütze. In Paderborn ist das jetzt anders. „In der Trainingsgruppe sind allein sechs Sprinterinnen auf Top-Niveau, wie zum Beispiel die Norwegerin Ezinne Okparaebo“, fühlt sich im Training permanent gefordert. Ihren neuen Coach Thomas Prange, früher selbst Sprinter, hatte sie 2017 bei der U23-Europameisterschaft kennengelernt, als er sie dort statt des Bundestrainers betreut hatte. „Im Mai 2018 war ich schon mit seiner Gruppe im Trainingslager. Ich hatte gleich ein gutes Gefühl dabei“, unterstreicht Mayer ihr Verhältnis zu dem erfahrenen Übungsleiter.

Gut aufgehoben in Paderborn

„Das war für mich und meinen Sport die bestmögliche Entscheidung. Ich fühle mich wohl“, sagt Sina Mayer. Im Paderborner Ahorn-Sportpark sei zwar alles viel, viel größer, die Umstellung sei ihr dennoch nicht schwer gefallen. Sie sei gut aufgenommen worden. „Ich freue mich aber immer, wenn ich wieder in Zweibrücken bin, für mich selbst trainiere oder zum Beispiel mit Christin Hussong im Kraftraum stehe“, meint sie. Wenn sie in der Pfalz ist, wohnt sie bei ihren Eltern in Schönenberg-Kübelberg.

2019 setzt sie voll auf den Leistungssport. Das kann sie guten Gewissens tun: Im Februar hat sie ihr Studium des Gesundheitsmanagements in Saarbrücken nach sieben Semestern mit dem Bachelor abgeschlossen. Als Soldatin der Sportfördergruppe Mainz (seit September 2017) genießt die Hauptgefreite zudem beste Bedingungen. Ein regelmäßiges Gehalt, der Trainingsplan ist ihr Dienstplan. „Ich bin sehr froh über die Unterstützung durch die Bundeswehr und die Sporthilfe Rheinland-Pfalz. Sonst könnte ich meinen Sport nicht so leben“, weiß sie. Berufliche Ziele wie den Masters-Abschluss und vielleicht einen Job in der Gesundheitsförderung an Schulen („Ich liebe Kinder“) stellt sie erst mal hintenan.

Immer im Hinterkopf: die WM

Angreifen lautet ihre Devise vor der langen Saison dieses Jahr, die mit den späten Weltmeisterschaften in Doha/Katar (28. September bis 6. Oktober) endet. „Ich will wieder richtig rein ins Wettkampfgeschehen und den anderen zeigen: Hey, hier bin ich!“ In der Hallensaison habe die Umstellung ihres Trainings noch nicht richtig gefruchtet. „Aber mir geht es gesundheitlich gut, und im Training kündigt sich an, dass die Zeiten besser werden“, sagt die 100-Meter-Spezialistin.

Für die Staffel-WM in eineinhalb Wochen in Japan ist sie nicht vorgesehen, sie hofft aber nach Rücksprache mit Bundestrainer Ronald Stein auf Einsätze bei den European Games im weißrussischen Minsk (21. bis 30. Juni) und bei der Universiade in Neapel/Italien (3. bis 14. Juli). Und da sind natürlich auch die Weltmeisterschaften in Katar im Hinterkopf, wie sie zugibt. 11,24 Sekunden fordert der Verband als Norm, knapp unter ihrer Bestzeit (11,25) aus dem Jahr 2017. „Aber die Konkurrenz in Deutschland ist groß. Es gibt so viele, die mindestens 11,40 laufen können“, weiß sie.

Bei der Kurpfalz-Gala am 25. Mai in Weinheim will sie in die Saison starten, den übrigen Fahrplan muss sie noch mit ihrer Managerin Carina Messerschmidt genau besprechen. Und 2020 steht dann Olympia in Tokio vor der Tür, auch ein großes Ziel Mayers. „Ich brenne vor Vorfreude auf die Saison und die Wettkämpfe.“

So einen Zieleinlauf möchte Sina Mayer gerne noch mal erleben: Im Juli 2017 gewann die Sprinterin des LAZ Zweibrücken bei der U23-Europameisterschaft im polnischen Bydgoszcz Bronze über 100 Meter.
So einen Zieleinlauf möchte Sina Mayer gerne noch mal erleben: Im Juli 2017 gewann die Sprinterin des LAZ Zweibrücken bei der U23-Europameisterschaft im polnischen Bydgoszcz Bronze über 100 Meter. (Archivfoto: Hensel)