Meine Frau macht sich ja immer lustig darüber, wie neugierig ich sei. Berufskrankheit, sage ich dann immer. Natürlich wollte ich gestern wissen, wiees im Spa(so steht's über der Tür) so ist. Am eigenen Leib verspüren, ob Bernhard zu viel versprochen hatte. Das Angebot: eine Stunde massieren für stolze 390 Yuan (55 Euro). War mir zuviel, eine ganze Stunde. Ich bin dann in der halben Stunde komplett weggedöst, die Massage war solide und seriös, das Drumherum mit den freudig-aufgeregten Mädels einfach nur lustig. Als ich sie fotografieren wollte, quietschten sie sich weg, als sie dann ein Selfie mit mir machten, war das offenbar ein Schatz für ewig. Wissen Sie, wie junge Chinesen, die kein Englisch sprechen und ein Handy haben, kommunizieren? Sie schreiben ihre Frage auf chinesisch ins Handy, das die Frage auf Englisch ausspuckt, ich antworte dann Englisch, und sie lesen das dann in ihren Schriftzeichen. Woher ich komme und ob ich wieder komme, wollten sie wissen. Vielleicht, antwortete ich, sie machten so etwas wie „bitte, bitte“ und gaben mir das Kärtchen mit der Telefonnummer mit.

Mal sehen, ob ich noch mal eine Massage brauche. Essen ist da schon wichtiger, und die Neugier macht natürlich auch davor nicht halt. Wieder haben wir was Neues entdeckt, ein zweigeschossiges Shopping-Center namens Xin’ao unter dem Olympiapark. Auf dem Weg dahin saßen im Schatten unter Bäumen ein Dutzend Männer und spielten an mehreren Tischen Mahjong, den chinesischen Brettspielklassiker. Und zum ersten Mal sind mir auch zwei Radfahrer aufgefallen, die ihre Vögel im Käfig auf der Lenkstange spazieren fahren.

30 klimatisierte Restaurants, die die Auswahl verdammt schwer machten, gibt’s im Xin’ao. Hängen blieben wir, weil’s dort am vollsten war, bei den Dumplings, einer chinesischen Spezialität, mit Fleisch oder Gemüse gefüllte Teigtaschen, die so was von gut waren. Dorthin werde ich sicher nochmal gehen.

Die viel gesündere Neugier treibt einen natürlich immer wieder am Vormittag ins Stadion, auch wenn keine Entscheidungen fallen, und in die Interviewzone. Nicht alles kann man verwerten, was man dort hört, aber es ist interessant, wie sich Athleten erklären. Stabhochspringerin Silke Spiegelburg, die enttäuscht war nach ihrem Ausscheiden, schmollte und lief einfach an uns vorbei, wobei ich nicht falsch verstanden werden will: Das ist ihr gutes Recht. Andere wie die gescheiterten Weitspringerinnen Lena Malkus und Sosthene Moguenara blieben stehen. Lena machte sich Luft und schilderte ihre Gefühle vor und nach dem dritten Versuch. Gefühle zwischen „Anspannung, Aufregung, jetzt zählt’s, jetzt muss alles passen“ und „man kann es gar nicht glauben, dass es wirklich vorbei ist, wenn man die ganze Saison darauf hinfiebert“. Sosthene machte es da kürzer, aber auch prägnanter: „Das war ein scheiß Wettkampf, mehr gibt’s dazu nicht zu sagen“. Ihr hatte das Daumendrücken ihres Freundes Raphael Holzdeppe nicht geholfen.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
22.–30.08.2015 Weltmeisterschaften 2015 Peking (China)