Zweibrücken. Holzdeppe siegte mit 5,81 Metern vor Piotr Lisek (5,71). Rang vier ging an den Zweibrücker Daniel Clemens, der mit 5,61 Metern die EM-Norm übersprang. „Ein geiles Gefühl“, sagte Clemens. Holzdeppe machte es spannend, benötigte bei seiner Einstiegshöhe drei Versuche. Dann lief es aber. Der 28-Jährige steigerte seine Jahresbestleistung um 15 Zentimeter. „Schön, dass es mit meinem ersten Heimsieg und vor allem mit dieser Höhe geklappt hat“, sagte der Ex-Weltmeister.

Mit Jaqueline Otchere als Siegerin des Stabhochsprungmeetings hatte vor dem Wettkampf niemand gerechnet. Nicht einmal die 22-Jährige selbst. „Das kam für mich total überraschend“, sagte sie, nachdem sie mit neuer persönlicher Bestleistung von 4,40 Metern gewonnen hatte. Otchere siegte damit vor höher gehandelten Athletinnen wie Friedelinde Petershofen (SC Potsdam/4,30 m) oder Katharina Bauer (TSV Bayer Leverkusen/4,20). Otchere und Petershofen scheiterten an der Norm für die Heim-EM in Berlin (4,45 m), die bislang mit Anjuli Knäsche nur eine deutsche Athletin gemeistert hat.

Doch Otchere will „diese fünf Zentimeter zwar schnellstmöglich draufpacken“, zufrieden war sie trotzdem. Und das konnte sie auch sein. Vor der Freiluftsaison 2017 lag ihre Bestleistung bei 3,71 Meter, Otchere war in der Jugend zumeist an den Qualifikationsnormen für die deutschen Nachwuchsmeisterschaften gescheitert. Aber sie zeigte sich geduldig, holte sich das sportliche Selbstvertrauen, das für diese Höhen, die sie mittlerweile meistert, nötig ist. Und steigerte sich im Vorjahr um über einen halben Meter auf 4,30 Meter. Mit dem Sprung in Zweibrücken hat sie sich nun in den Kreis derer katapultiert, denen man die Norm für Berlin zutrauen kann. „Ich will diese fünf Zentimeter jetzt natürlich noch draufpacken“, sagt Otchere. Sie betonte: „Die EM ist und bleibt ein Traum.“

Ähnlich positiv an den Sport geht Katharina Bauer heran. Bei ihr schien es dieses Jahr nach einer schweren Verletzung an der Hand 2016 bergauf zu gehen – im Winter holte sie sich den Titel der deutschen Hallenmeisterin. Doch Bauer leidet schon seit der Kindheit an Problemen mit dem Herzen. Die Probleme haben sich verschlimmert, am 17. April bekam sie einen Defibrillator eingesetzt – und kehrte vor wenigen Wochen auf die Wettkampfbühne zurück, übersprang 4,25 Meter – hat also die Heim-EM im Blick. „Ich darf nicht so ungeduldig sein“, sagt Bauer nach ihren 4,20 Metern in Zweibrücken. An 4,30 Metern scheiterte sie knapp – was Saisonbestleistung gewesen wäre. Aber Bauer ist natürlich ganz Leistungssportlerin, will schnellstmöglich wieder in Höhenbereiche von 4,50 Metern: „Dabei ist es eigentlich ein Wunder, dass ich wieder springen kann. Es ist ein großes Geschenk.“ Die gebürtige Mainzerin ist die einzige Stabhochspringerin weltweit, die mit einem Defibrillator springt.

Bauer nimmt dies gelassen. Sie will nicht als die Athletin gesehen werden, die immer mit Verletzungen oder Krankheiten zu kämpfen hat – sondern als ein Vorbild für Menschen, die ebenfalls einen Defibrillator tragen müssen – oder sonstige (Herz)Probleme haben. „Ich kann anderen Leuten helfen“, sagt die 28-Jährige: „Da eröffnen sich wahnsinnige Möglichkeiten für mich.“ Sie will zeigen, dass man mit einem Defibrillator sogar Sport machen kann.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
16.–17.06.2018 Himmelsstürmer-Cup 2018 Zweibrücken (Deutschland)