LAZ-Stabhochspringer Raphael Holzdeppe darf doch bei den Olympischen Spielen in Rio an den Start. Obwohl er die Norm nicht geschafft hatte, wurde er gestern nominiert. Ebenso LAZSpeerwerferin Christin Hussong und Judoka Jasmin Külbs.

Zweibrücken. Aufatmen bei Raphael Holzdeppe. Seine Hoffnungen haben sich erfüllt: Der Stabhochspringer des LAZ Zweibrücken hat nun doch noch ein Ticket für die Olympischen Spiele in Rio in der Tasche. Der 26-Jährige ist gestern in der dritten Nominierungsrunde des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) benannt worden. Und das, obwohl der Vize-Weltmeister die Norm von 5,70 Metern im Freien in dieser Saison nicht übersprungen hatte. "Es war ein riesiger Befreiungsschlag für ihn“, erklärt der sportliche Leiter des LAZ, Alexander Vieweg, nach einem Telefonat mit seinem Freund Raphael Holzdeppe.

"Es ist erstaunlich, wie eine solche Entscheidung alle vier Jahre auch einen solch erfahrenen und erfolgreichen Athleten noch mitnehmen kann.“

Eine Ausnahmeregelung macht dem Zweibrücker den Start in Rio möglich. Er profitiert davon, dass bei drei Startplätzen nur die beiden Leverkusener Karsten Dilla und Tobias Scherbarth überhaupt die Qualihöhe gemeistert hatten. "Wir freuen uns über diese Chance, mit der der DLV und der DOSB die bisher erreichten Leistungen von Raphi gewürdigt haben“, betont Vieweg, der Holzdeppe auch nicht abschreiben würde. "Wir haben jetzt noch sieben Wochen und suchen nun den ein oder anderen Wettkampf, wo Raphael vorher noch mal springen kann.“

Nach seinem mehrfachen Bänderriss im Fuß Ende Februar versucht Holzdeppe, sich zurückzukämpfen. Den eigentlich geplanten Saisonauftakt beim heimischen HimmelsstürmerCup musste er Anfang Juni absagen. Danach den DM- und EM-Start, weil trotz der Auskurierung der eigentlichen Verletzung anhaltende Probleme mit dem Oberschenkelbeuger aufgetreten waren. Für Rio, wo die Stabhochsprung-Quali am Samstag, 13. August, das Finale am Montag darauf stattfinden wird, zeigte sich der Zweibrücker aber zuversichtlich. "Er ist ein Weltklasse-Athlet, der aufgrund seiner Verletzung derzeit nicht in der Lage ist, Höchstleistungen abzurufen. Wir glauben, dass er bis Rio dazu in der Lage ist“, begründete Dirk Schimmelpfennig, DOSB-Vorstand Leistungssport, die Nominierung.

Nach 2008 in Peking (Platz acht) und 2012 in London (Bronze) sind es für Holzdeppe bereits die dritten Olympischen Spiele. Neben dem 26-Jährigen ist gestern auch Speerwerferin Christin Hussong offiziell vom DOSB nominiert worden. Ihr Ticket hatte die 22-Jährige mit ihrem Wurf auf 66,41 Meter zum DM-Sieg gesichert. "Es ist schön, dass wir erstmals mit zwei Athleten bei Olympischen Spielen dabei sind, die in diesen Sphären mitmischen können“, betont Vieweg. Bereits in der letzten Nominierungsrunde wurde Judoka Jasmin Külbs vom 1. JC Zweibrücken vom DOSB benannt.

Insgesamt wurden gestern 247 Sportlerinnen und Sportler benannt. Namentlich noch nicht nominiert wurden die Aufgebote im Fußball (Frauen/ Männer), Handball (Männer) sowie im Pferdesport. In den Mannschaftssportarten erfolgt die Kaderbenennung am morgigen Donnerstag, bei den Reitern nach dem bis Sonntag laufenden Chio in Aachen.

"Wir haben eine gute Mannschaft. Ich bin optimistisch, dass wir das Ergebnis von London 2012 wieder erreichen“, sagte DOSB-Vorstands-Chef Michael Vesper. Wir haben damals mit 44 Medaillen ein glänzendes Ergebnis erreicht. Es wäre großartig, wenn wir das wiederholen könnten.“

Wie immer gab es auch Härtefälle. Prominentester Olympia-Zaungast ist Speerwurf-Weltmeisterin Katharina Molitor. Die Titelträgerin von 2015 musste ihrer Vorgängerin Christina Obergföll das Rio-Ticket überlassen. "Für den Verband war es ein Luxusproblem, für die Athletin ist es tragisch, nicht bei Olympia dabei zu sein“, sagte Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Molitor erwägt nun rechtliche Schritte. "Ich werde mir juristischen Rat holen und schauen, ob ich gegen diese Entscheidung klagen kann“, sagte die 32-Jährige Leverkusenerin der "Rheinischen Post“. Entscheidend für die Nominierung von Obergföll war, dass die Olympia-Zweite von 2012 und Weltmeisterin von 2013 in diesem Jahr mit 64,96 und 63,96 Metern zweimal weiter als Molitor geworfen hatte. Molitor gelang ihr weitester Wurf bei der EM in Amsterdam, wo sie mit 63,20 Meter Vierte wurde.

AUF EINEN BLICK

Unter den 425 Nominierten sind auch 14 rheinland-pfälzische Anwärter auf olympisches Edelmetall, die es geschafft haben sich zu qualifizieren.

Dem „Team Rio Rheinland-Pfalz“ gehören an:

Peter Joppich (Fechten/ Florett/CTG Koblenz) Raphael Holzdeppe (Leichtathletik/Stabhochsprung/LAZ Zweibrücken) Christin Hussong (Leichtathletik/ Speerwurf/LAZ Zweibrücken) Kai Kazmirek (Leichtathletik/Zehnkampf/LG Rhein-Wied) Denis Kudla (Ringen/ Greco/VfK Schifferstadt) Jasmin Külbs (Judo/+ 78 kg/1. JC Zweibrücken) Moritz Moos (Rudern/ Leichtgewichts-Doppel- zweier/Mainzer Ruder- Verein von 1878) Jason Osborne (Rudern/ Leichtgewichts-Doppel- zweier/Mainzer Ruder- Verein von 1878) Lisa Ryzih (Leichtathletik/Stabhochsprung/ABC Lud- wigshafen) Richard Schmidt (Rudern/Achter/Ruderverein Treviris 1921 Trier) Jürgen Spieß (Gewichtheben/- 105 kg/ AV 03 Speyer) Almir Velagic (Gewichtheben/+ 105 kg/AV 03 Speyer) Julian Weber (Leichtathletik/Speerwurf/USC Mainz) Miriam Welte (Radsport/Bahn/1. FC Kaiserslautern).

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)