Ein Lokalmatador, der scheinbar mühelos seinen ersten Titel im „Heimspiel“ einfährt und eine junge Finnin, die mit unglaublichen Weltrekordsprüngen verblüfft: Der 4. Hallenstürmer-Cup des LAZ Zweibrücken geizte gestern nicht mit Top-Leistungen – ganz zur Freude von über 1000 Fans in der rappelvollen Dieter-Kruber-Halle.

Zweibrücken. Endlich hat es auch im eigenen „Wohnzimmer“ geklappt: Raphael Holzdeppe hat gestern Abend die vierte Auflage des LAZ-Hallenstürmer-Cups gewonnen. Dem amtierenden Vizeweltmeister reichte dafür in der Dieter-Kruber-Halle ein gültiger Versuch. Scheinbar mühelos überquerte Holzdeppe 5,71 Meter direkt beim ersten Mal. Zu diesem Zeitpunkt waren überhaupt nur noch der Pole Robert Sobera und der Franzose Kevin Menaldo im Wettbewerb. Als beide an den von Holzdeppe gemeisterten 5,71m – Menaldo pokerte und ließ 5,77m auflegen – scheiterten, konnte der Zweibrücker ganz entspannt 5,87m auflegen lassen. Das wäre für ihn persönliche Hallen-Bestleistung gewesen. Der Zweibrücker steigerte sich bei seinem Heimspiel von Versuch zu Versuch – vor allem der dritte Sprung war sehr knapp. Am Ende musste er sich dann aber doch mit seiner Einstiegshöhe begnügen. Zufrieden war Holzdeppe trotzdem. „Ich wäre gerne die 5,87 Meter gesprungen, aber es hat leider nicht ganz gereicht. Aber auch so war es ein guter Wettkampf. Ich wollte unbedingt auch einmal in Zweibrücken gewinnen“, sagte er nach der Siegerehrung und betonte selbstbewusst: „Die sechs Meter bleiben mein Ziel. Die sollen in dieser Saison endlich fallen.“

Ein durchweg positives Fazit zog auch der sportliche Leiter des LAZ, Alexander Vieweg. „Phänomenal, auch wenn uns die Zuschauer heute überrannt haben. Wir haben im Vorverkauf alle 1000 Karten abgesetzt, das zeigt, welchen Stellenwert unser Meeting inzwischen genießt. Und was die Athleten, besonders die Damen, abgeliefert haben, ist einfach hammergeil. Besser geht’s ja gar nicht.“

Dass es in der Dieter-Kruber-Halle richtig hoch hinaus geht, zeigten zuvor schon die Frauen. Allen voran Wilma Murto aus Finnland. Die erst 17-Jährige verbesserte nicht nur den Meetingrekord, sondern stellte auch gleich noch einen U20-Weltrekord auf. Mit der Schweizerin Nicole Büchler lieferte sich Murto ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel. Bis zur Rekordhöhe von 4,65 Metern lagen beide Athletinnen gleichauf, lieferten einen hochklassigen Wettkampf ab. Dann schlug die Stunde der jungen Finnin. Mit langen Schritten nahm Murto Anlauf, katapultierte sich in die Luft und blickte Augenblicke später ungläubig hoch zur Latte. Die lag nämlich noch da, wo sie im Idealfall immer liegt: auf beiden Holmen der Stabhochsprunganlage. Als Murto realisiert hatte, was für ein Satz ihr da gelungen war, rutschte sie lässig von der Matte und schenkte den jubelnden Zweibrücker Fans ihr breitestes Grinsen. Schließlich hatte sie soeben mit 4,71 Metern nicht nur einen neuen Meetingrekord, sondern gleichzeitig auch U20-Weltrekord aufgestellt. Danach ließ die 17-Jährige 4,77 Meter auflegen – nach zwei Versuchen brach sie den Wettkampf jedoch ab. Ihrer Freude tat das aber keinen Abbruch. „Ich hätte nicht geglaubt, dass ich die 4,71 heute drauf habe. Aber die tolle Stimmung in der Halle und der Blick beim Anlauf auf die olympischen Ringe haben mich unheimlich gepusht. Jetzt bin ich einfach nur happy“, sprudelte es aus der Siegerin heraus. Als einzige deutsche Athletin war Silke Spiegelburg am Start. Die Siegerin des Himmelsstürmer-Cups 2015 landete mit der deutschen Jahresbestleistung von 4,45m auf Rang vier.

Höhenflüge schon am Samstag

Bevor sich die Weltklasseathleten um Lokalmatador Raphael Holzdeppe gestern die Ehre gaben, gab es am Samstag die B-Wettkämpfe bei Männern und Frauen, bei denen bereits starke Leistungen gezeigt wurden. Anjuli Knäsche (SG TSV Kronhagen/Kieler TB) und Annika Roloff (MTV Holzminden) stellten dabei eine neue deutsche Jahresbestleistung auf. Den Anfang machten am Samstag die Damen, wobei sich Knäsche und Roloff ein erstklassiges Duell lieferten, das erst bei der Höhe von 4,53m sein Ende fand, an der beide Athletinnen nur knapp scheiterten. Mit übersprungenen 4,43m stellten beide jedoch eine neue deutsche Jahresbestleistung auf. Anjuli Knäsche siegte letztendlich, weil Roloff sich einen einzigen Fehlversuch geleistet hatte. Rang drei ging mit 4,33m an die Portugiesin Maria Ribeiro Tavares vor der höhengleichen Friedelind Petershofen. Einen französischen Doppelsieg feierten Jerome Clavier und Baptiste Boirie bei den Männern. Beide übersprangen, wie auch Florian Gaul (VfL Sindelfingen), die Höhe von 5,53m. Auch hier entschied die Anzahl der Fehlversuche den Wettbewerb. Clavier war bis 5,53m ohne Fehler durchgekommen, Boirie hatte einmal gerissen, Gaul dreimal. Trotz des Sieges zeigte sich der Franzose aber nicht ganz zufrieden. „Bis zur letzten Höhe war der Wettkampf gut, mit der Höhe bin ich aber nicht so zufrieden“, sagte er hinterher.

Ergebnisse vom 4. Hallenstürmer-Cup des LAZ Zweibrücken

A-Feld Männer:

  1. Raphael Holzdeppe (Deutschland) 5,71 Meter, 2. Robert Sobera (Polen) 5,61m, Kevin Menaldo (Frankreich) 5,61m, 4. Daniel Clemens (Deutschland) 5,51m, 5. Tobias Scherbarth (Deutschland) 5,51m, 6. Stanley Joseph (Frankreich) 5,31m, 6. Mitch Greeley (USA) 5,31m, 8. Valentin Lavillenie (Frankreich) 5,31m, 9. Marquis Richards (Schweiz) 5,21m.

A-Feld Frauen:

  1. Wilma Murto (Finnland) 4,71 Meter, Meeting- und U20-Weltrekord, 2. Nicole Büchler (Schweiz) 4,65m, 3. Minna Nikkanen (Finnland) 4,45m, 4. Silke Spiegelburg (Deutschland) 4,45m, 5. Marion Lotout (Frankreich) 4,35m, 6. Marion Fiack (Frankreich) 4,25m.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
30.–31.01.2016 Hallenstürmer-Cup 2016 Zweibrücken (Deutschland)