5,60 Meter reichten für Zweibrücker Stabhochspringer nicht zum Deutschen Meistertitel. Der 18-Jährige Bo Kanda Lita Baehre war gestern besser. LAZ-Sprinterin Sina Mayer wurde am Samstag wegen eines Fehlstarts disqualifiziert.

Erfurt. Der amtierende Vize-Weltmeister Raphael Holzdeppe vom LAZ Zweibrücken ist vier Wochen vor den Titelkämpfen in London noch nicht in WM-Form. Bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften verpasste der 27-Jährige überraschend den Sieg, Holzdeppe meisterte in Erfurt nur 5,60 Meter und musste sich mit Rang zwei begnügen. Den Titel sicherte sich der erst 18-Jährige Bo Kanda Lita Baehre (Leverkusen), der ebenfalls 5,60 Meter überquerte – allerdings ohne Fehlversuch.

Holzdeppe griff gestern als letzter der elf Finalteilnehmer ins Geschehen ein. Die 5,10 Meter ließ er ebenso aus wie die 5,30 und die 5,40 Meter. Und dann ging es gut los für den Zweibrücker: Der Weltmeister von 2013 meisterte seine Anfangshöhe von 5,50 Metern gleich im ersten Versuch. Das bedeutete die zwischenzeitliche Führung. Doch dann kam Stabhochsprung-Teenager Lita Baehre: Er nahm die 5,60 Meter gleich auf Anhieb und führte somit den Wettbewerb an. Denn bei Holzdeppes erstem Versuch über die gleiche Höhe blieb die Latte nicht liegen, obwohl der Zweibrücker eigentlich schon drüber schien.

Nun war Holzdeppe gefordert. Und er zeigte sich zunächst nervenstark: Im dritten und letzten Versuch schaffte auch er die 5,60 Meter. Ein erleichtertes Lächeln huschte über seine Lippen. Der Titelträger von 2015 ballte die Fäuste. Und da Tobias Scherbarth (Leverkusen) unmittelbar nach dem LAZ-Springer seinen dritten Versuch über die 5,60 Meter riss, war Holzdeppe die Silbermedaille nicht mehr zu nehmen. Doch mehr sollte es eben auch nicht werden für den Zweibrücker. Als er seinen dritten Versuch über die 5,70 Meter knapp riss, war der der Wettbewerb entschieden: Teenager Lita Baehre hatte dem Favoriten den Titel überraschend weggeschnappt. Allerdings: Die WM-Norm von 5,70 Meter schaffte der Leverkusener nicht. Die hat in dieser Saison neben Holzdeppe, der sogar schon 5,80 Meter gemeistert hat, von den Deutschen bislang nur Torben Laidig (Schwäbisch Hall) geknackt.

Einen bitteren Samstag erlebte die LAZ-Sprinterin Sina Mayer. Denn für die zuletzt extrem formstarke Zweibrückerin war der Wettkampf in Erfurt schon vorbei, bevor er überhaupt begonnen hatte: Im dritten Vorlauf über die 100 Meter unterlief der 22-Jährigen ein Fehlstart. Damit wurde sie disqualifiziert. „Es ist sehr traurig“, sagte Mayer gestern auf der Heimfahrt nach Zweibrücken. „So etwas ist mir noch nie passiert. Das war mein erster Fehlstart.“ Und das ausgerechnet bei den Deutschen Meisterschaften. Vor einem Monat war Mayer in Regensburg noch eine neue Bestzeit gelaufen. Die 11,25 Sekunden hätten in Erfurt nicht nur locker für die Finalteilnahme, sondern im Endlauf sogar für Bronze gereicht: Hier gewann Gina Lückenkemper (Dortmund) in 11,10 Sekunden vor Rebekka Haase (LV 90 Erzgebirge) mit 11,22 Sekunden und Tatjana Pinto (Paderborn) mit 11,27 Sekunden.

Über die Ursachen für den ersten Fehlstart ihrer Karriere konnte Mayer gestern nur spekulieren: So seien über die 100 Meter der Damen kurzfristig die Halbfinals gestrichen worden. Dadurch ging es im Vorlauf direkt um die Finalteilnahme: „Anscheinend habe ich mir zu viel Druck gemacht“, mutmaßte die 22-Jährige. Gestern hatte sie ihren Fauxpas allerdings schon wieder abgehakt. Immerhin folgt ihr persönlicher Saisonhöhepunkt erst noch: Am morgigen Dienstag geht es nach Polen, wo Mayer ab Donnerstag bei den U23-Europameisterschaften am Start ist.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
08.–09.07.2017 Deutsche Meisterschaften 2017 Erfurt (Deutschland)