Raphael Holzdeppe vom LAZ Zweibrücken sah sich als Medaillenkandidat, dann scheiterte der frühere Stabhochsprung-Weltmeister in Rio bereits in der Qualifikation. In der Heimat litten etwa ein Dutzend hartgesottener Fans zu nachtschlafender Zeit mit dem 26-Jährigen mit.

Rio de Janeiro/Zweibrücken. Raphael Holzdeppe zuckte nur kurz mit den Schultern, der einstige Stabhochsprung-Weltmeister trug den neuerlichen Tiefpunkt seines Seuchenjahres mit Fassung und wechselte in den Touristen-Modus. „Jetzt bleibe ich noch bis zum Ende der Spiele hier und mache mit meinen Freunden Sightseeing“, sagte Holzdeppe nach seinem kläglichen Qualifikations-Aus in Rio de Janeiro: „Danach werde ich erst mal nichts machen und alles sacken lassen.“

Sacken lassen muss er einiges, denn der Holzdeppe von Rio ist nur ein Schatten des Stab-Überfliegers, der seit Bronze bei Olympia 2012 in London praktisch eine Medaillenbank gewesen war, 2013 WM-Gold und 2015 Silber geholt hatte.

„Ein guter Sprung ist mir gelungen“, sagte der 26-Jährige nach dem Aus in Rio. Den dritten Versuch über 5,45 Meter meinte Holzdeppe, mit dem er sich noch einmal im Wettbewerb hielt, ehe er dann dreimal an 5,60 Meter scheiterte. Sechs Sprünge, fünf Nieten: Symptomatisch für eine Saison, in der Holzdeppe nach hartnäckigen Verletzungsproblemen nie in Form gekommen war.

„Natürlich bin ich enttäuscht. Wenn man so ein Finale verpasst, ist die Stimmung schlecht“, sagte er. Dabei hatte Holzdeppe noch kurz vor den Spielen öffentlich Medaillenambitionen geäußert. „Ich will in diesem Jahr auf dem Treppchen stehen, mir keine Grenzen setzen und das Maximum rausholen“, hatte er gesagt.

Umso bitterer nun das Scheitern bereits in der Qualifikation – auch für etwa ein Dutzend hartgesottener Fans, die sich in Zweibrücken in der Dieter-Kruber-Halle in der Nacht von Samstag auf Sonntag (Wettkampfbeginn war um 1.40 Uhr) versammelt hatten, um Holzdeppe gemeinsam zu unterstützen und mitzufiebern. „Netter Abend, scheiß Wettkampf“, fasste der sportliche Leiter des LAZ, Alexander Vieweg, wortkarg zusammen, was jeder zu denken schien. Nicht nur wegen Holzdeppes völlig verkorksten Wettkampfes scheint offenkundig, dass sich der deutsche Stabhochsprung, zuletzt 20 Jahre lang eine Domäne, auf dem Weg in die Krise befindet. Auch die Leverkusener Tobias Scherbarth und Karsten Dilla kamen in Rio nicht über 5,45 Meter hinaus. Das olympische Finale am Montag ist das erste seit 1992, das ohne deutsche Beteiligung über die Bühne geht.

Nur mit Mühe hatte der DLV überhaupt ein Stab-Trio für die Rio-Reise zusammenbekommen, Holzdeppe durfte sogar ohne Normerfüllung mit. Vorbei die Zeiten, in denen sich die Springer der Höhenkategorie 5,80 bis 6,00 m in Deutschland auf den Füßen standen: Danny Ecker, Michael Stolle, Tim Lobinger, Lars Börgeling, Malte Mohr oder Björn Otto, der 2012 in London vor Holzdeppe Olympia-Silber geholt hatte – die Reihe ließe sich fortsetzen.

Einzig Hoffnung macht, dass Holzdeppe mit seinen 26 Jahren immer noch ein junger Springer ist. Und sich selbst noch lange nicht abschreibt: „Ab Herbst bereite ich mich auf London vor.“ Dort findet 2017 die WM statt, dort holte er 2012 Olympia-Bronze. Es kann kaum einen besseren Ort für einen Neustart geben.

Als letzte der drei Zweibrücker Olympia-Starter absolviert LAZ-Speerwerferin Christin Hussong in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ihre Qualifikation, die um 1.35 Uhr deutscher Zeit beginnt. Das Speerwurf-Finale beginnt in der Nacht von Donnerstag auf Freitag um 2.10 Uhr.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)