Amsterdam. Der Zweibrücker Stabhochspringer Raphael Holzdeppe hat seine Teilnahme an den heute beginnenden Europameisterschaften in Amsterdam kurzfristig abgesagt. Aber Christin Hussong (Zweibrücken) und Lisa Ryzih (Ludwigshafen) wollen und können im Medaillenkampf ein Wörtchen mitreden. Die beiden Pfälzerinnen stehen im 100-köpfigen Aufgebot des Deutschen Leichtathletik-Verbandes.

Es hat also doch nicht mehr für den Weltmeister von 2013 gereicht, rechtzeitig in Form zu kommen. Raphael Holzdeppe hatte sich im Februar beim Einspringen zu den Hallenmeisterschaften in Leipzig Bänder im Sprunggelenk gerissen und musste operiert werden. Seit dem hatte er nur einen gültigen Sprung, den 5,40-m-Flug vor einer Woche in Landau, gemeistert. Aufgrund von muskulären Problemen verzichtet er auf die EM. Sein Olympiastart steht in den Sternen. „Ich will ihn nicht ganz abschreiben“, sagte aber Cheftrainer Idriss Gonschinska.

Bis Sonntag werden im Olympiastadion von 1928 in Amsterdam Medaillen in 40 Einzel- und vier Staffelentscheidungen vergeben. Die Organisatoren melden eine Rekordbeteiligung von 1473 Athleten aus 50 Ländern.

Im größten deutschen EM-Team seit 18 Jahren mit einem Durchschnittsalter von 25,2 Jahren geht es vor allem darum, Schwung für die Olympischen Spiele zu holen. Zumindest für die Arrivierten. Für die Jungen, für die Rio vielleicht noch zu früh kommt, heißt es Wettkampfkompetenz zu erlangen. „Wir freuen uns auf dieses Turnier“, sagte Gonschinska.

Am Dienstag werden die Leichtathleten vom Deutschen Olympischen Sportbund in Frankfurt für Rio nominiert.Sicher in Rio dabei ist Speerwerferin Christin Hussong (22) aus Herschberg, die mit ihrem Meisterwurf von Kassel auf 66,41 Meter auf Platz in Europa und in der Welt hinter Olympiasiegerin Barbora Spotakova (66,87 m) liegt. Ihre Ziele liegen auf der Hand: die Bestleistung steigern und mindestens ein Platz besser sein als vor zwei Jahren in Zürich, wo sie Siebte gewesen war bei ihren ersten großen Titelkämpfen bei den Frauen.

Aber auch Stabhochspringerin Lisa Ryzih darf ans Kofferpacken für Rio denken.Sie hat mit 4,65 Meter in Kassel ihre Klasse nachgewiesen, sie kann höher springen, das weiß sie. In Amsterdam wäre der rechte Moment gekommen. Die beiden Pfälzerinnen starten ziemlich parallel, aber zumindest in der Qualifikation nicht am gleichen Ort. Während Ryzih morgen früh im Stadion versucht, sich fürs Finale am Samstag zu qualifizieren, wirft Hussong in aller Öffentlichkeit – auf dem Museumplein vor dem Van-Gogh-Museum und dem Rijksmuseum. Auch ihr Finale ist am Samstag.

„Es ist spannend und eine sehr mutige Entscheidung, das bei einer EM zu machen. Ich finde es toll, dass sich die Leichtathletik so präsentiert“, sagte Speerwerfer Thomas Röhler schon bei den deutschen Meisterschaften in Kassel. Und da hatte er die Anlage noch gar nicht gesehen. Er ist bereits heute, wie die Diskuswerferinnen, auf dem Museumplein an der Reihe.

Er und die Kugelstoßerin Christina Schwanitz, die Weltmeisterin von Peking und Sportlerin des Jahres 2015, sind die beiden einzigen Deutschen, die die europäische Jahresbestenliste anführen. Schwanitz ist auch Titelverteidigerin, während Röhler bisher noch keine einzige internationale Medaille vorweisen kann. Damit soll in diesem Jahr Schluss ein. Seine 91,28 Meter von Turku sind ein Wort, aber letztlich gegen die starken Finnen keine Sieggarantie.

Einer der EM-Höhepunkte wird ganz sicher der Auftritt der Niederländerin Dafne Schippers über 100 und 200 Meter vor eigenem Publikum sein. Neu bei diesen Europameisterschaften ist die Entscheidung im Halbmarathon, wo es sowohl eine Einzel- wie eine Teamwertung gibt.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
06.–10.07.2016 Europameisterschaften 2016 Amsterdam (Niederlande)