Frankfurt/Main. Der Deutsche Olympische Sportbund hat Vertrauen in Raphael Holzdeppe (26), den Olympia-Dritten von London, Weltmeister von 2013 und WM-Zweiten von 2015. Gestern hat der DOSB dem Zweibrücker Stabhochspringer in der letzten Nominierungsrunde auch ohne übersprungene Norm das Ticket für Rio de Janeiro ausgestellt. Holzdeppe ist einer von 451 deutschen Athleten bei den Olympischen Spielen vom 5. bis 21. Juli.

„Die deutsche Olympiamannschaft ist kleiner als erwartet und erhofft. Wir sind aber optimistisch, dass wir mit einer leistungsstarken Mannschaft nach Brasilien fliegen“, sagte gestern der Vorstandsvorsitzende des DOSB und Chef der Mission in Rio, Michael Vesper. Alle Nominierten haben vor ihrer Berufung die vom DOSB verabschiedete Athletenvereinbarung unterschrieben und die Nada-Prüfung über Regelverstöße gegen Dopingbestimmungen bestanden. „Wir wollen keinen schmutzigen Lorbeer und keinen Erfolg um jeden Preis“, sagte Vesper.

Unter den 451 Athleten sind 26 sogenannte „Alternative Athleten“, die als Ersatzleute bereitstehen und, sofern Platz ist, im Olympischen Dorf schlafen dürfen. Noch nicht namentlich gemeldet wurden die Handball-, Fußball- und Reiterteams. Das muss bis Montag geschehen sein. Dirk Schimmelpfennig, der DOSB-Vorstand Leistungssport, rechnete mit den Sportfachverbänden 44 Medaillen hoch. „Wir haben uns da an London orientiert“, sagte er. Vesper ergänzte: „Im Prinzip wollen wir ja besser werden, aber die anderen Nationen pennen ja nicht. Der Medaillenkuchen wird nicht kleiner, aber die, die daran essen, werden immer mehr.“

Gestern hat der DOSB weitere 264 Athleten aus 19 Nationen nominiert, darunter den Ringer Denis Kudla (VfK 07 Schifferstadt) und die Gewichtheber Jürgen Spieß und Almir Velagic (AV 03 Speyer) .

Das größte Team stellt der Deutsche Leichtathletik-Verband mit 92 Athleten. Der Mainzer Speerwerfer Julian Weber hat den Sprung ebenso geschafft wie die Mannheimer MTG Athletinnen Shanice Craft, Nadine Gonska, Alexandra Burghardt und Yasmin Kwadwo, die Weitspringerin Malaika Mihambo (Oftersheim) und die Stabhochspringerin Lisa Ryzih (ABC Ludwigshafen). Christin Hussong, die Speerwerferin aus Herschberg, war als deutsche Meisterin bereits nominiert. Mit ihr nach Rio fliegen Linda Stahl und Christina Obergföll. Zuhause bleiben muss Weltmeisterin Katharina Molitor. „Es war sehr schwierig. Allen Beteiligten war klar, dass die Entscheidung, egal für wen sie getroffen wird, von hoher Tragik für die nichtnominierte Athletin ist“, sagte DLV-Cheftrainer Idriss Gonschinska. So wie Obergföll am Sonntag ankündigte, bei einer Nichtnominierung rechtliche Schritte einzuleiten, so sagte nun Molitor, sie wolle das Prozedere rechtlich überprüfen lassen.

„Wir haben uns auf die Empfehlung des DLV verlassen. Raphael Holzdeppe ist nachweislich ein Weltklasseathlet, der nun Zeit hat, seine muskulären Probleme auszukurieren. Wir sehen die Möglichkeit, dass er seine Leistung entwickeln kann. Er nimmt keinem anderen Stabhochspringer einen Platz weg“, sagte Dirk Schimmelpfennig. Auch Holzdeppes Freundin Sosthene Taroum Moguenara(Saarbrücken),die einen Bänderriss ausheilen lassen musste, wurde nominiert.

„Wir sind sehr zuversichtlich, dass es stimmungsvolle Spiele in Rio werden. Die Brasilianer sind für ihre Lebensfreude und ihre Improvisationskunst bekannt“, sagte Vesper. Das Zika-Virus werde ernst genommen,aber es sei kein unkalkulierbares Risiko.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)