Zweibrücken. Die Weitsprung Wettbewerbe machten gestern Abend, in Szene gesetzt auf dem Nürnberger Hauptmarkt, den Anfang. Heute und morgen setzen die besten deutschen Leichtathleten im Grundig-Stadion ihren Kampf um die Titel der Deutschen Meister fort. Mit guten Medaillenaussichten sind Stabhochsprung-Weltmeister Raphael Holzdeppe und Speerwerferin Christin Hussong dabei. Auf Bestleistungen hoffen die Zweibrücker Stabhochspringer Daniel Clemens und Anna Felzmann sowie Sina Mayer im Sprint.

„Ich habe zwar keinen Qualifikationsdruck für die Weltmeisterschaft“, meint Holzdeppe mit Blick auf seine Wildcard als Titelverteidiger. Die Vorspannung vor dem Wettkampf am Sonntag (14.10 Uhr) komme eher von der eigenen Erwartungshaltung: „Ich war jetzt dreimal Zweiter. Ich fahre nach Nürnberg, um die deutsche Meisterschaft endlich mal zu gewinnen“, meint der 25-Jährige, der in Saarbrücken wohnt und beim LAZ Zweibrücken, seinem Verein, trainiert. Selbstbewusstsein vermittelt ihm seine bisherige gute Saison. War er sicher, dass es nach dem Seuchenjahr wieder so gut klappen wird, oder war er über seine guten Sprünge und Höhen doch überrascht? „Von beidem ein bisschen“, gibt er zu. „Ich wollte immer zwischen 5,70 und 5,80 Meter springen. Bis auf einen Wettkampf in Paris hat das geklappt.“ Und eine neue Bestleistung wie in Baku (5,92 m) gebe „immer ein gutes Gefühl“. Er sei fit, zuletzt in Monaco 5,72 Meter gesprungen. Der Druck liegt bei der Konkurrenz: Viele der Springer, deren Saisonbestleistung als Ort häufig Zweibrücken mit dem Himmelsstürmer-Cup im Juni aufweist, wollen noch auf den WM-Flieger nach Peking (22. bis 30 August) aufspringen. „Und da weiß man natürlich nie, wer plötzlich einen raushaut“, meint Holzdeppe.

Speerwerferin Christin Hussong hatte mit ihrem Vater und Trainer Udo diese Woche bereits mit dem Aufbautraining für Peking begonnen, „dann haben wir wieder ein bisschen Dampf rausgenommen“. Mit dem U23-Gold von Tallinn und dem 65,60-MeterWurf – der zweitbesten Weite einer deutschen Frau in dieser Saison – hat die Herschbergerin klare Ambitionen, in Nürnberg aufs Treppchen zu steigen, sich auch bei den Aktiven eine Medaille abzuholen. „Das ist auf jeden Fall drin“, meint die 21 -Jährige, „ich weiß ja auch, was ich draufhabe“. Vor der Saison hätte wohl kaum einer gedacht, dass Katharina Stahl und sie die Bestenliste anführen, Experten hätte wohl eher auf Linda Stahl und Christina Obergföll getippt.

Dass ihr Goldwurf sie bekannter gemacht hat, hat sie unlängst beim Meeting in Luzern gemerkt, wo sie mal eben zusammen mit den Spitzenleuten Asafa Powell und Mo Farah vorgestellt wurde, „eine coole Erfahrung“. Im Sportstudium musste sie aufgrund der vielen Speerwurf-Termine jetzt die Tanzprüfung verschieben; vielleicht hat sie am Sonntag ab 15.45 Uhr aber Gelegenheit zum Jubeltänzchen. Daniel Clemens und Anna Felzmann, das Zweibrücker Stabhochsprung-Paar, hatte die Reise zur Universiade nach Südkorea unterschiedlich verkraftet. Felzmann hatte vor Ort mit der schlechten Matratze und nach der Heimkehr mit einem fiesen Jetlag zu kämpfen, „ich konnte erst diese Woche wieder eine gute Technikeinheit machen“. Da waren die Sprünge dann wieder technisch sauber. Heute ab 16.30 Uhr will sie mit einem härteren Stab ihre Bestleistung von 4,40 Meter angehen. „Vielleicht gibt er mir den entscheidenden Schubs nach oben auf 4,50 Meter.“

Disziplinkollege Daniel Clemens hatte vergangenes Wochenende in Püttlingen mit 5,52 Meter seine beste Höhe der Saison übersprungen. „Ich bin gut drauf und traue mir 5,60 Meter zu“, sagt der 23-jährige Mörsbacher. Wenn alles passt, kann mit einem harten Stab sogar die 5,70 Meter drin sein, glaubt er. „Ich gehe aber ganz locker ran und versuche die Sprünge abzuspulen wie im Training.“

Sina Mayer startet heute im Vorlauf über 100 Meter (14.50 Uhr). Ihre Muskelverhärtung, die die Vorbereitung auf die U23-EM in Tallinn gestört hatte, wo sie ohne Einsatz in der deutschen Staffel blieb, stört sie nicht mehr. Die LAZ-Sprinterin aus Schönenberg-Kübelberg will in Nürnberg „noch mal alles geben“ und nahe an ihre Bestzeit von 11,67 Sekunden heranlaufen. Über 200 Meter versucht die 20-Jährige unter den wachsamen Blicken ihren Trainer Karl-Heinz Werle auch am Sonntag, ihre 24,38 Sekunden zum Saisonende hin noch zu toppen.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
25.–26.07.2015 Deutsche Meisterschaften 2015 Nürnberg (Deutschland)