Leichtathletik: Nach einem trotz Olympia-Teilnahme verletzungsbedingt schwierigen Jahr 2016 greift Stabhochsprung-Profi Raphael Holzdeppe wieder an: Der 27-jährige Weltmeister von 2013 und Vize-Weltmeister von 2015 hat ein voll gepacktes Jahresprogramm vor sich. Ob deutsche Hallen-Meisterschaften, Hallen-EM oder WM im August – überall ist der Sportler des LAZ Zweibrücken auf Titel aus.

Zweibrücken. Stabhochspringer Raphael Holzdeppe ist gut ins neue Jahr und die Hallensaison gestartet: 5,58 Meter und Sieg in Merzig, 5,73 Meter unlängst in Cottbus. Sein W inter-Terminkalender für die Hallensaison ist rappelvoll. Als Höhepunkt winken die Hallen-Europameisterschaften vom 3. bis 5. März in Belgrad. Die Teilnahme dort hat Holzdeppe fest eingeplant: „Da will ich unbedingt hin, das wären meine zweiten internationalen Titelkämpfe unterm Dach.“ Die geforderte deutsche Norm von 5,78 Meter wollte er eigentlich am vergangenen W ochenende beim Meeting „Allstarperche“ des französischen Weltrekordhalters Renaud Lavillenie abhaken – das klappte aber nicht. Holzdeppe fiel beim ersten Sprung auf die Latte, verletzte sich leicht am Rücken und sprang aus Vorsicht nicht weiter.

Seinem Start am morgigen Freitag beim großen Istaf Indoor in der Berliner Mercedes-Benz-Arena steht aber nichts entgegen. Dort gibt sich die Stabhochsprung-Elite der Männer ein Stelldichein: W eltrekordhalter Renaud Lavillenie ist da, der brasilianische Olympiasieger Thiago Braz da Silva, der polnische Weltjahresbeste Piotr Lisek (5,92 m in Cottbus, und am vergangenen W ochenende 6,00 Meter in Potsdam) – und Holzdeppe. Danach kommen am 18./19. Februar die deutschen Meisterschaften in Leipzig, am 25./26. Februar der vereinseigene Hallenstürmer-Cup des LAZ Zweibrücken – und dann schon Belgrad.

Negative Gedanken an Leipzig hat Holzdeppe nicht mehr. Dort hatte er sich im vergangenen Jahr bei der Hallen-DM am Fuß verletzt, nachfolgende nötige Operation inklusive. Die Probleme bei der Rehabilitation zogen sich dann durchs ganze Jahr. „Ich freue mich wirklich auf Leipzig und darauf, dort antreten zu dürfen. Ich will endlich meinen ersten Hallen-Titel holen. Ich fahre hin, um zu gewinnen“, sagt der Profi.

[Holzdeppe will sich von Wettkampf zu Wettkampf Spaß und Routine zurückholen.]

Sein Selbstbewusstsein kommt auch daher, dass er sein Leistungsvermögen derzeit schon wieder bei 90 bis 95 Prozent sieht. Entscheidend sei jetzt, dass er wieder in die W ettkämpfe hineinfinde, von Wettkampf zu Wettkampf mehr Gefühl dafür bekomme. „Die Wettkampfroutine hat durch die lange Verletzungspause schon etwas gelitten“, weiß er. Die zeit des Improvisierens im Training mit Coach Andrei Tivontchik sei auch spätestens seit dem Trainingslager Ende November, Anfang Dezember in Südafrika vorbei, seitdem sei die Schnellkraft im lädierten Fuß wieder voll aufgebaut. „Ich wollte die Hallensaison springen und wieder Spaß haben an den Wettkämpfen. Das ist bisher prima gelungen“, sagt Holzdeppe, der den Winter auch nutzen will, um bei 100 Prozent zu sein, wenn die Sommersaison beginnt.

Dabei hilft ihm, dass er trotz der wie immer kompakten Hallensaison Freiräume hat. „Ich habe auch mal zehn Tage Zeit zwischen den Wettkämpfen, wo wir nur trainieren.“ Er merkt: Die Wettkämpfe nehmen ihn nach der Verletzungspause schon mehr in Anspruch, „ich bin müder und brauche etwas länger zum Regenerieren“. Da bleibt dann zwischendurch auch mal Zeit, um wie kürzlich bei den Hallenmeisterschaften der Großregion plus in Saarbrücken (mit Rheinland-Pfalz, Saarland, Lothringen, Luxemburg, Champagne und Elsass) vor eineinhalb Wochen nach eigener Aussage als Paparazzi unterwegs zu sein – und seine Verlobte Sosthene Moguenara beim Weitsprung abzulichten.

Fasnacht feiern wird in diesem Winter aber wohl fast ganz ausfallen. „Dieses Jahr noch nicht“, antwortet er deshalb auch lachend auf die Frage, ob ihn Ministerpräsidentin Malu Dreyer angerufen und erneut zur beliebten Fernsehsendung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ am 24. Februar eingeladen habe. Es ginge eh nicht, denn tags darauf lädt das LAZ Zweibrücken zu seinem Hallenstürmer-Cup in die Dieter-KruberHalle im Westpfalzstadion.

[Der Profi blickt schon weit voraus – auch auf Olympia 2020 im japanischen Tokio.]

Holzdeppes Fokus liegt weiter zu 100 Prozent auf dem Sport, auch wenn er sein Sportmanagement-Studium, das derzeit auf Eis liegt, irgendwann auf jeden Fall wieder aufnehmen will. „Ich glaube, es ist möglich, Stabhochsprung bis 32 oder 35 Jahre erfolgreich zu machen“, sagt er und schaut damit auch schon auf Olympia 2020 im japanischen Tokio. Und auch in diesem Sommer kommen ja noch große Wettkämpfe: erst die DM am 8./9. Juli in Erfurt, und dann die Weltmeisterschaften vom 4. bis 13. August in London – dort, wo er 2012 Olympia-Bronze gewann.

5,70 Meter sind für die WM-Teilnahme nachzuweisen, „wir werden aber sicher mehr als drei deutsche 5,70-Springer haben“, glaubt er. „Wir pushen uns in Deutschland gegenseitig“, meint er mit Blick auf die Breite der deutschen Spitzensportler, „und deshalb werden wir mit einem sehr guten Team nach London fahren“. Vor zwei Jahren in Peking wurde Holzdeppe WM-Zweiter – „und auch den Titel würde ich mir sehr gerne wieder zurückholen“.

Zur Person Raphael Holzdeppe:

• Geboren: am 28. September 1989 in Kaiserslautern

• Disziplin: Stabhochsprung

• Beruf: Profi

• Verein: LAZ Zweibrücken,2000 bis 2012, seit 12/2014

• Trainer: Andrei Tivontchik

• Bestleistung: 5,94 Meter im Jahr 2015 (5,84 Meter in der Halle, 2016)

• Größte Erfolge: Weltmeister 2013, Vize-Weltmeister 2015, Olympia-Bronze 2012, Platz acht 2008 bei Olympia in Peking, Olympia-Teilnahme 2016, Deutscher Meister 2015 mit neuer Bestleistung (5,94 m), Junioren-Weltmeister 2008 (5,50 m).

[Anm. LAZ Redaktion] Für weitere Informationen: http://www.laz.de/athleten/raphael-holzdeppe

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
10.02.2017 ISTAF Indoor 2017 Berlin (Deutschland)
25.–26.02.2017 Hallenstürmer-Cup 2017 Zweibrücken (Deutschland)